Massenprotest
Lage in Bangkok eskaliert

Das Finanzministerium ist besetzt. Teile des Außenministeriums sind gestürmt. Auf den Straßen von Bangkok demonstrieren Tausende Menschen und fordern den Rücktritt von Präsidentin Shinawatra. Doch die bleibt stur.
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BangkokIn Thailand sind die Proteste gegen die Regierung eskaliert. Rund tausend Menschen besetzten das Finanzministerium am Montag in der Hauptstadt Bangkok. Auch auf das Gelände des Außenministeriums drangen die Demonstranten vor und forderten den Rücktritt von Regierungschefin Yingluck Shinawatra. Sie lehnte das ab. Eine Sprecherin des US-Außenministeriums äußerte sich besorgt über die wachsenden Spannungen in Thailand und rief alle Seiten zu Zurückhaltung auf. Bereits am Sonntag hatten sich rund 100.000 Menschen zu den größten Kundgebungen seit drei Jahren versammelt.

„Ich lade die Demonstranten ein, über Nacht hier im Finanzministerium zu bleiben“, sagte der Anführer der Regierungsgegner, Suthep Thaugsuban. Er war unter der früheren, von den Demokraten geführten Regierung stellvertretender Ministerpräsident. Das Ministerium sei besetzt worden, um die Regierung an Geldtransfers zu hindern, sagte er. „Unser einziges Ziel ist es, das Land vom Thaksin-Regime zu befreien.“

Die 46-jährige Yingluck ist die Schwester des 2006 gestürzten und wegen Korruption verurteilten Ex-Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra. Die Demonstranten werfen ihr vor, sie sei nur eine Marionette ihres Bruders, der vor einer Haftstrafe ins Ausland geflohen war. Ein von der Regierung unterstütztes Amnestie-Gesetz, das Thaksin die Rückkehr aus dem Exil erlaubt hätte, ist der Auslöser der Proteste.

„Ich sehe keine Veranlassung, zurückzutreten oder das Parlament aufzulösen“, verwahrte sich Regierungschefin Yingluck, die 2011 gewählt wurde, gegen die Forderung der Menge. Den Demonstranten warf sie vor, die Sicherheit der Regierung zu gefährden. Gleichwohl werde die Regierung keine Gewalt anwenden, um die Ministerien zu räumen.

„Raus mit euch!“, skandierten die Demonstranten, als sie sich am Morgen in Richtung Regierungsviertel aufmachten. Im Finanzministerium besetzten sie mehrere Stockwerke und legten in den Räumen Schlafmatten aus. Kurzzeitig fiel der Strom aus. Das Personal verließ das Gebäude. Polizei war nach Angaben von Augenzeugen kaum zu sehen.

Die Proteste belasteten die Währung des Landes. Der Baht verlor 0,5 Prozent an Wert und fiel auf den niedrigsten Stand seit elf Wochen. Auch am Aktienmarkt ging es bergab. Die Kundgebungen, die im Oktober begonnen hatten, wecken die Erinnerung an 2008, als Thaksin-Gegner, die sogenannten Gelbhemden, Bangkoks Flughäfen lahmgelegt und gegen Thaksins Partei demonstriert hatten. Er ist vor allem bei der armen Landbevölkerung noch immer beliebt. Korruptionsskandale sorgten jedoch dafür, dass er in der Mittelschicht in Bangkok viele Anhänger verlor.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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