Mehr Ausleihkapazität
G20-Gipfel will den IWF stärken

Am Rande der Beratungen haben Spitzenvertreter der Eurozone mit US-Präsident Obama und US- Finanzminister Geithner über Maßnahmen gesprochen, die den Internationalen Währungsfonds stärken.
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Cannes / Frankfurt Die G20-Partner haben die Europäer zu einem entschlossenen Handeln im Kampf gegen die Schuldenkrise gedrängt. US-Präsident Barack Obama machte in einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel vor Auftakt des Treffens der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer im französischen Cannes am Donnerstag deutlich, mit der Lösung der europäischen Schuldenprobleme gehe es nicht nur um die Stabilität in Europa, sondern der ganzen Welt. Obama sagte, für eine Lösung der Euro-Schuldenkrise sei auch die Unterstützung der G20 nötig. Denn es komme darauf an, die Welt auf einen kräftigen Wachstumspfad zurückzubringen und dafür zu sorgen, dass die Menschen wieder zurück in Arbeit kommen können.

Spitzenvertreter der Eurozone haben sich in der Nacht zum Freitag in Cannes mit US-Präsident Barack Obama und US-Finanzminister Timothy Geithner getroffen. Am Rande der Beratungen der größten Industrie- und Schwellenländer (G20) ging es dem Vernehmen nach um eine größere Ausleihkapazität des Internationalen Währungsfonds (IWF). Der Fonds ist eine Art Finanzfeuerwehr, die auch Staaten hilft.

Die G20 verständigte sich laut Entwurf der Abschlusserklärung zudem darauf, dem gewachsenen Einfluss der Schwellenländer in der Weltwirtschaft im Währungssystem und im Internationalen Währungsfonds (IWF) Rechnung zu tragen. Ein weiteres Thema war nach Angaben aus den Delegationen die bereits beschlossene Stärkung des europäischen Krisenfonds für klamme Eurostaaten EFSF. Bei einer Variante eines „Hebels“ zur Steigerung der Ausleihkapazität soll der IWF beteiligt werden. Die Schlagkraft des Fonds soll mit dem Kredithebel auf rund eine Billion Euro ausgeweitet werden.

Von europäischer Seite nahmen unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi teil. Auch Spitzenvertreter der EU-Institutionen saßen am Tisch, unter ihnen der frischgebackene Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi. Experten sprachen von Fortschritten, aber nicht von Entscheidungen.

Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom Freitag werde der IWF künftig kurzfristige Liquiditätskredite ausgeben, um Länder vorbeugend vor der Ansteckung durch Finanzkrisen schützen. Erwartet wird, dass die Staats- und Regierungschefs der G20 das an diesem Freitag in Cannes beschließen werden.

Die Liquiditätslinie könnte auch in Ländern des Euroraums Anwendung finden. Regierungen sollen nach dem Plan bis zu 500 Prozent ihres Kapitalanteils am Währungsfonds ziehen können. Für Italien könnte sich das auf rund 45 Milliarden Euro belaufen, für Spanien auf bis zu 23 Milliarden Euro. Die Liquiditätskredite würden für sechs Monate vergeben und könnten einmal verlängert werden. Zugangsberechtigt zu den Liquiditätskrediten sollen nur Länder sein, die bis auf wenige Schwächen eine gute Wirtschaftspolitik und solide Fundamentaldaten vorweisen können.

Agentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Kommentare zu " Mehr Ausleihkapazität: G20-Gipfel will den IWF stärken"

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  • @ Machiavelli,
    Das geht nicht!
    Wie sollen dann die Banken die tollen Boni an die Mitarbeiter zahlen wenn sie auf die üppige Zinseineinnahmen aus Italien verzichten.
    Merke: Das Geld regiert die Welt und nicht die Vernunft!

  • Ein Realitätsmangel muss bei den Merkozy festgestellt werden.
    Die Zinszahlungen verschlingen in Italien 15% des Haushalts. Die beschlossene Sparmaßnahmen sind durch den gestiegenen Risikoaufschlag mehr als wettgemacht worden. Und der Risikoaufschlag wird weiter steigen, dadurch wird ein immer größerer Anteil des Haushaltes für Zinszahllug verschwinden ohne dass der Schuldenberg reduziert wird.
    Mathematisch kann das nicht funktionieren. Für die vorhande Schulden sollte Italien vom IWF Kredite mit einer sehr niedrigen Verzinsung erhalten, für neue Verschuldung (falls erwünscht) sollte Italien sich das Geld durch Anleihen mit Risikoaufschlag besorgen.
    Nur so kann ein Schuldenabbau gelingen. Durch die Hohe Verzinsung für neue Verschuldung wird Italien zur Sparsamkeit gezwungen. Durch die niedrige Verzinsung über den IWF für Altschulden wird Italien ermöglicht den Schuldenberg abzubauen. Damit die dazu nötige Motivation verstärkt wird sollte die Gesamtsumme die Italien durch den IWF zur Verfügung gestellt wird, jedes Jahr um 3% reduziert werden. Was zu einem jährlichen Schuldenabbau von 3% führen muss, Ohne dass die Selbstmordrate dramatisch ansteigt wie in Griechenland der Fall.

  • Es sollen Strafen bei Leistungsbilanzüberschüssen verhängt werden.
    Zur Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit der Eurozonenteilnehmer verlangt die Linksfraktion die Gründung einer "Europäischen Bank für öffentliche Anleihen"

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