Mehrheit für Blairs Rücktritt
Ohrfeige für die Kriegsherren

Umfragen zufolge stehen US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair vor schweren Zeiten. Ihre Zustimmung in der Bevölkerung ist auf vorher nie geahnte Tiefs gesunken.

HB WASHINGTON/LONDON. Angesichts der Sorge über die Lage im Irak und die Entwicklung am US-Arbeitsmarkt sank einer Umfrage zufolge in den USA die Zustimmung zur Amtsführung von Präsident Bush jetzt auf ein Rekordtief. Und in Großbritannien überwog einer Umfrage der „Mail on Sunday“ zufolge erstmals die Zahl der Befürworter eines Rücktritts von Blair wegen der Kelly-Affäre die Zahl derer, die einen Amtsverzicht für nicht notwendig halten.

Wirtschaft ist in den USA die Hauptsorge

In der am Samstag in den USA veröffentlichten Umfrage des Instituts Zogby unter potenziellen Wählern gaben nur 45 Prozent der Befragten Bush noch eine positive Bewertung. Dies ist die niedrigste Zustimmungsrate, die seit dem Amtsantritt des Republikaners im Januar 2001 von dem Institut ermittelt wurde. Im August hatte sich mit 52 Prozent noch eine knappe Mehrheit der Befragten positiv über die Amtsführung Bushs geäußert. „Die Wirtschaft ist die Hauptsorge“, begründete Institutschef John Zogby die gefallenen Zustimmungswerte für Bush.

In einer Umfrage im Auftrag des Magazins „Time“ und des Senders CNN erreichte Bush zwar eine Zustimmungsrate von 52 Prozent. Bei einer Befragung im Mai waren allerdings noch 63 Prozent Zustimmung für Bushs Amtsführung gemessen worden. Nach am Freitag veröffentlichten US-Daten ist im August die Zahl der Beschäftigten in der weltgrößten Volkswirtschaft entgegen Expertenprognosen deutlich zurückgegangen. Analysten zufolge dämpfen die schwachen Arbeitsmarktzahlen den Konjunkturoptimismus in den USA.

Nach Angaben Zogbys hat auch die instabile Lage im Irak Bush Zustimmung gekostet: „Es gibt zunehmende Sorge und Ungeduld darüber, ob der Krieg die Sache wert war.“ Angesichts im In- und Ausland aufgekommener Zweifel an den Chancen für eine Stabilisierung im besetzten Irak wollte sich Bush am Sonntag (Ortszeit) mit einer Rede an die Nation wenden.

Mehrheit für Blairs Rücktritt

In Großbritannien sprachen sich in der von YouGov-Poll im Auftrag der „Mail on Sunday“ durchgeführten Umfrage 43 Prozent der Befragten dafür aus, Blair solle in Zusammenhang mit der Affäre um den Freitod des Irak-Waffenexperten David Kelly vom Amt als Regierungschef zurücktreten. Dagegen sind der Umfrage zufolge 42 Prozent, 15 Prozent waren dem Bericht zufolge noch unentschieden. Damit überwog erstmals die Zahl der Rücktritts- Befürworter die der Gegner.

Vor einer unabhängigen Justizkommission, die die Umstände des Freitods von Kelly klären soll, hatte Blair kürzlich ein umstrittenes Irak-Dossier verteidigt, über das die BBC berichtet hatte, es sei von der Regierung aufgebauscht worden. Zugleich hatte er jedoch erklärt, dass zutreffende Vorwürfe ihn wohl zum Rücktritt gezwungen hätten. Der Name des Wissenschaftlers Kelly war als Quelle des regierungskritischen BBC-Berichts durch eine Indiskretion an die Öffentlichkeit gelangt.

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