Michael Bloomberg
Abschied eines Spaßverderbers

New York wählt einen neuen Bürgermeister. Nach zwölf Jahren nehmen die Bürger Abschied von Michel Bloomberg, unter dem Amerikas größte Stadt aufgeblüht ist. Bloombergs größter Vorteil war seine Unabhängigkeit.
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New YorkWie immer mit viel Krawall brachte die „New York Post“ am Montag auf den Punkt, was der Stadt ihrer Meinung nach bald droht. „Back in the U.S.S.R.“, zurück in der Sowjetunion, schrie das konservative Boulevardblatt auf der Titelseite die Leser an. Daneben setzte es Hammer und Sichel und ein unvorteilhaftes Foto von Bill de Blasio, der an diesem Dienstag wahrscheinlich zum nächsten Bürgermeister der Metropole gewählt werden wird. Es war eine letzte Warnung an die New Yorker, nicht für den Demokraten zu stimmen. De Blasio verschreckt Rechte und Liberale, seitdem er seine linke Agenda vorgestellt hat und sich als Anti-Figur zu Amtsinhaber Michael Bloomberg inszeniert.

Michael Rubens Bloomberg, der erst demokratische, dann republikanische, dann unabhängige Unternehmer und Milliardär, ist nach zwölf Jahren an der Spitze der 8,3-Millionen-Stadt bald Geschichte. Er darf nicht zum dritten Mal zur Wahl antreten. Der Kandidat der Republikaner, Joe Lhota, hat laut Umfragen keinerlei Chance. De Blasio wird es also schaffen. Nicht nur in den Augen der „Post“ und anderer konservativer Kreise ist deshalb nun Bloombergs Erbe in höchster Gefahr: viel Lebensqualität, wenig Kriminalität, eine blühende Wirtschaft. Bloomberg-Kritiker zählen dagegen lieber die Schattenseiten auf: unbezahlbare Mieten, verordneter Rassismus bei der Polizei, eine wachsende Ungleichheit zwischen Arm und Reich.


Fest steht: Wie kaum ein Bürgermeister vor ihm hat der 71-jährige Vater zweier Töchter das Stadtbild New Yorks verändert. Quer über Manhattan und auf der anderen Seite des East Rivers in Brooklyn und Queens wurde und wird gebaut. Hunderte Meilen grüner Fahrradwege durchziehen die Stadt, an einst lebensgefährlichen Kreuzungen wie dem Times Square oder dem Herald Square entstanden Fußgängerzonen. Der Haushalt ist ausgeglichen, die lokale Wirtschaft boomt. New York ist inzwischen die sicherste Großstadt der USA, auch dank Bloombergs Vorgänger Rudy Giuliani.

Eine ansehnliche Bilanz also, die zu betonen Bloomberg natürlich nicht vergisst. New York sei unter anderem deshalb so aufgeblüht, weil es eher wie ein Unternehmen geführt habe und nicht wie eine Stadt, sagt er gerne. Die Bürger müssten „wie Kunden“ behandelt werden. Der Technokrat umgab sich mit anderen Technokraten und packte an – ganz so, wie er in den 1980er-Jahren sein eigenes Unternehmen aufgebaut hatte.

Bloomberg LP, Anbieter von in der Finanzwelt unverzichtbaren Informations-Terminals und Finanznachrichten, ist inzwischen ein Weltkonzern mit knapp acht Milliarden Dollar Umsatz und 15.000 Mitarbeitern. Der Gründer wurde mit seiner Idee unsagbar reich: Auf 31 Milliarden Dollar schätzt das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ sein Vermögen, das bedeutet Rang 13 auf der Liste der wohlhabendsten Menschen der Welt. Vor der Wahl 2001 hatte sich Bloomberg aus dem Unternehmen zurückgezogen. Der persönliche Reichtum ermöglichte es Bloomberg, unabhängige Ideen umzusetzen. Seine drei Wahlkämpfe finanzierte er zum großen Teil selbst, weshalb er anschließend auch weder die Wünsche von Großspendern erfüllen noch politische Unterstützer mit Posten versorgen musste.

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  • "Der Haushalt ist ausgeglichen, die lokale Wirtschaft boomt. New York ist inzwischen die sicherste Großstadt der USA, auch dank Bloombergs Vorgänger Rudy Giuliani. "
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    Die New Yorker werden sich m.E. Bloomberg noch einmal zurückwünschen, wenn infolge falsch verstandener Toleranz die Kriminalität wieder explodiert.

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