Michael Flynn
Vom Sicherheitsberater zum Risikofaktor

Die Russland-Affäre bringt das Weiße Haus immer stärker in Bedrängnis. Trumps früherer Sicherheitsberater Michael Flynn bietet den Ermittlern einen Deal an: Aussage gegen Immunität.
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Könnte er zum Kronzeugen in der Russland-Affäre werden? Michael Flynn, der zurückgetretene Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, hat den Untersuchungsausschüssen in Senat und Abgeordnetenhaus eine umfassende Aussage angeboten – unter der Bedingung, dass ihm Immunität gewährt wird. Das Wall Street Journal berichtet, dass Flynn auch dem FBI eine Kooperationsofferte unterbreitet habe. Das Weiße Haus gerät dadurch noch stärker unter Druck.

„General Flynn hat eine Geschichte zu erzählen, und er würde sie gerne erzählen, sollten es die Umstände zulassen", erklärte Flynns Anwalt Robert Kelner in einem Statement. Zugleich trat Kelner dem Eindruck entgegen, das Angebot könnte ein implizites Schuldeingeständnis seines Mandanten sei. General Flynn sähe sich mit „unbegründeten Anschuldigungen“ und „empörenden Verratsvorwürfen“ konfrontiert.

Interessanterweise hat Flynn selbst allerdings noch vor einem halben Jahr öffentlich eine ganz andere Meinung zum Thema Immunität vertreten. Im September sagte er in einem Interview bei dem TV-Sender NBC, dass man wahrscheinlich eine Straftat begangen habe, wenn man Schutz vor Strafverfolgung ersuche. Damals ging es um die Email-Affäre der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Auch Trump vertrat im Wahlkampf eine klare Meinung: „Wenn man keine Straftat begannen hat, warum braucht man dann Immunität?“, tönte er. Die Demokraten hoffen jetzt, dass Flynn Verwicklungen der Trump-Kampagne in die Cyberangriffe auf die Präsidentschaftswahlen, die Amerikas Geheimdienste nach Russland zurückverfolgt haben wollen, aufdecken kann

Die US-Justiz geht dem Verdacht nach, dass Trump-Vertraute mit russischen Hackern in Kontakt standen und womöglich sogar bei den Versuchen, die Wahlkampagne der Demokratin Hillary Clinton zu sabotieren, behilflich waren. Wie FBI-Direktor James Comey vergangene Woche bestätigte, laufen die Ermittlungen in der Abteilung für Spionageabwehr. Auch die Geheimdienstausschüsse von Senat und Abgeordnetenhaus untersuchen die Vorgänge. Es ist unklar, ob sich die Ermittler auf Flynns Angebot einlassen. Vieles hängt davon ab, welche Informationen er preisgeben kann.

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Weißes Haus spielt Affäre seit Wochen herunter

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