Militärische Zusammenarbeit
Britisch-französischer Schulterschluss

Die Atommächte Großbritannien und Frankreich haben unter Sparzwang die umfassendste Militär-Zusammenarbeit in der Geschichte beider Länder beschlossen. In Zukunft wollen beide Länder sowohl bei ihrer atomaren Abschreckung als auch bei militärischen Einsätzen kooperieren - bis hin zur gemeinsamen Nutzung von Flugzeugträgern. Darauf einigten sich der britische Premierminister David Cameron und der französische Präsident Nikolas Sarkozy bei einem Zweier-Gipfel in London.
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HB LONDON. Die Kooperation kommt auch wegen des massiven Sparzwangs auf beiden Seiten des Ärmelkanals zustande. Allein die Briten müssen in den nächsten Jahren auf acht Prozent ihrer Ausgaben im Verteidigungshaushalt verzichten. Sowohl Cameron als auch Sarkozy betonten, es gehe vor allem um eine praktische Zusammenarbeit. Die militärische Eigenständigkeit beider Länder stehe nicht zur Debatte. Das Abkommen ist auf 50 Jahre angelegt. Franzosen und Briten stellen rund die Hälfte des Truppenarsenals in der Europäischen Union. Gemeinsam kommen beide Länder auch auf 50 Prozent der Gesamtausgaben für die Verteidigung innerhalb der Gemeinschaft.

"Es geht hier nicht um eine europäische Armee", sagte Cameron nach der Unterzeichnung der zwei Papiere, die zu der Vereinbarung gehören. "Es geht nicht darum, unsere atomare Abschreckung zu teilen. Großbritannien und Frankreich werden immer eigenständige Nationen und in der Lage bleiben, ihre eigenen Armeen in ihrem eigenen nationalen Interesse aufzustellen, wenn sie wollen." Durch das Abkommen aber könnten beide Länder einerseits Geld sparen und andererseits ihre Sicherheit verstärken. Sarkozy betonte, durch die stärkere Zusammenarbeit zwischen Briten und Franzosen würden andere Verbindungen wie etwa zwischen Paris und Berlin keinesfalls geschwächt. Er wies auch Befürchtungen von Kritikern zurück, beide Länder könnten einst in einem Konflikt auf entgegengesetzten Seiten stehen und das Abkommen dann bereuen. Das sei mit Blick auf die Verbindung durch die Nato höchst unwahrscheinlich. Frankreich war erst im vergangenen Jahr in die militärische Struktur des nordatlantischen Bündnisses zurückgekehrt.

Einer der Kernpunkte der Vereinbarungen ist die künftige Kooperation bei der Überprüfung der Funktion atomarer Sprengköpfe. So soll in Großbritannien ein Zentrum entstehen, in dem Testmethoden für Atomwaffen entwickelt werden. In Frankreich sollen die simulierten Tests dann durchgeführt werden. Beide Länder kontrollieren allerdings weiterhin eigenständig ihr Atomwaffenprogramm und wollen auch keine geheimen Informationen darüber austauschen. Der zweite Teil des Abkommens sieht unter anderem eine gemeinsame Einheit für militärische Auslandseinsätze vor. Dazu sollen einem Bericht des Senders BBC zufolge aus jedem Land rund 5000 Soldaten beigesteuert werden. Die Einheit soll unter wechselndem Kommando stehen. Jedes Land soll ein Vetorecht für einzelne Operationen haben. Eine feste Brigade, wie es sie zwischen Frankreich und Deutschland gibt, soll aber nicht gebildet werden.

Zusammenarbeit soll es außerdem bei Flugzeugträgern geben. Danach sollen britische Flieger auf dem französischen Träger landen können und umgekehrt, falls das jeweils andere Schiff beispielsweise gewartet wird. Auch bei der Satellitentechnik oder bei einzelnen Flugzeugtypen soll es einen Austausch geben. Die britische Regierung hatte erst vor rund zwei Wochen ihren neuen Verteidigungshaushalt vorgestellt. Darin sind umfassende Sparmaßnahmen vorgesehen, um die Ausgaben des Landes insgesamt zurückzuschrauben.

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  • ich sehe hier eine neue / alte Gefahr heraufziehen für die bundesrepublik Deutschland. Wenn ehemaliger Siegermächte sich zusammen schließen, kommt für uns deutsche nichts Gutes dabei heraus. Unsere sogenannte Politische Klasse, sollte aufhören die bundesrepublik Deutschland ohne das Volk daran zu beteiligen abzuwickeln. Niemand aus Volkes Mitte, hat irgendeiner bundesregierung den Auftrag zum abwickeln gegeben. Wenn ein kleines Packet mit Sprengstoff in berlin zur Chefsache gemacht wird, sieht man, wo unsere Politische Klasse lebt. ich bin dafür, dass unsere Abgeordneten in bundestag das buch von UDO ULFKOTTE Vorsicht bürgerkrieg! Zu Gemüte führen, um zu erkennen wo es in der Republik brennt und brodelt.
    Danke

  • ausser Deutschland wollen sie alle unabhaengige Nationen bleiben.
    Der gesamte deutsche bundestag ist der Speichellecker der EU und England schwoert mit Frankreich auf ewige Unabhaengigkeit.

  • Solange daraus keine Achse nach historischem Vorbild entsteht, ist das britisch-französische Vorhaben vernünftig.

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