Mindestens 23 Tote
Ausgangssperre nach schweren Unruhen in Kairo

Einen solchen Gewaltausbruch hat Kairo seit dem Sturz von Mubarak nicht erlebt. Koptische Christen hatten friedlich protestiert, weil Muslime eine Kirche angezündet haben. Jetzt geriet die Lage außer Kontrolle.
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KairoBilder wie im Bürgerkrieg: Bei den schwersten Ausschreitungen seit dem Sturz von Ex-Staatschef Husni Mubarak im Februar sind im Zentrum von Kairo mindestens 23 Menschen getötet worden. Mehr als 180 wurden verletzt, berichtete das staatliche ägyptische Fernsehen am Sonntagabend.

Jetzt hat die regierende ägyptische Militärführung eine fünfstündige Ausgangssperre über Teile Kairos verhängt. Wie das staatliche Fernsehen berichtete, gilt sie von 2.00 Uhr in der Nacht bis 7.00 Uhr am Montagmorgen. Betroffen seien die Innenstadtbezirke von Maspero, wo das Gebäude des staatlichen Rundfunks liegt, bis Abassija weiter östlich.

Rund 2000 koptische Christen hatten zuerst friedlich gegen muslimische Extremisten demonstriert, die vor anderthalb Wochen in der südlichen Provinz Assuan eine Kirche niedergebrannt hatten. Die Demonstranten gerieten dann vor dem Fernsehgebäude mit Bewohnern der umliegenden Wohnviertel und mit dem Militär aneinander.

Während der blutigen Ausschreitungen seien 17 Demonstranten und 4 Soldaten getötet worden, berichtete das Fernsehen. Bereits im März hatte es einen Ausbruch religiös motivierter Gewalt gegeben. Damals starben 13 Menschen in Kairo. Auslöser war ebenfalls Brandstiftung in einer Kirche.

Ministerpräsident Essam Scharaf verurteilte die Ausschreitungen. Er bschuldigte im sozialen Netzwerk Facebook „vandalisierende Kräfte“, die Chaos im Land säen und religiöse Spannungen schüren wollten. Die Randale hätten begonnen, nachdem Demonstranten auf die Soldaten vor dem Fernsehgebäude geschossen und mit Steinen geworfen hätten, berichtete das Staatsfernsehen.

Darüber hinaus seien mehrere Autos und Busse in Brand gesetzt worden. Die koptischen Demonstranten seien beschossen worden, als ihr Marsch den Platz vor dem Fernsehgebäude erreicht habe, berichteten Teilnehmer den Reportern der Webseite „almasryalyoum“.

Zwei Panzerspähwagen der Armee seien außerdem mitten in die Menge gefahren, berichteten Augenzeugen. Dabei seien mehrere Demonstranten überrollt und getötet worden. Ein Teilnehmer zeigte den Reportern angebliche Schädelteile eines Freundes, der auf diese Weise getötet worden sein soll. Das Staatsfernsehen behauptete wiederum, die tödlichen Schüsse auf die Soldaten seien von protestierenden Kopten abgegeben worden.

Über 1.000 Polizisten und Soldaten waren mit gepanzerten Fahrzeugen im Einsatz, um die Lage in den Griff zu bekommen und das Gebäude des staatlichen Fernsehsenders zu schützen. Die Kämpfe breiteten sich auch auf den nahe gelegenen Tahrir-Platz sowie in die umliegenden Straßen aus.

Tausende Menschen bewarfen sich gegenseitig mit Steinen und Brandsätzen. Eine Gruppe von Jugendlichen, darunter mindestens ein Mitglied der Bereitschaftspolizei, wurde gesehen, wie sie einen der Demonstranten an den Beinen eine größere Distanz lang über den Boden schleiften. Zeugenaussagen zufolge nahmen einige Demonstranten den Soldaten vor dem Gebäude des staatlichen Fernsehsenders ihre Waffen ab und richteten sie gegen die Streitkräfte. Die Demonstranten bewarfen die Soldaten außerdem mit Steinen und Flaschen.

Die Demonstration habe als friedlicher Versuch eines Sitzstreiks im Gebäude des staatlichen Fernsehsenders begonnen, sagten Teilnehmer. Doch dann seien sie von Männern in Zivilkleidung angegriffen worden, die sie mit Steinen beworfen und mit Schrotkugeln beschossen hätten. „Der Protest war friedlich. Wir wollten wie üblich einen Sitzstreik abhalten“, sagte der Demonstrant Essam Chalili. „Schlägertypen griffen uns an und ein Militärfahrzeug sprang über den Bürgersteig und überfuhr mindestens zehn Menschen. Ich habe sie gesehen“, sagte Chalili.

Andere Teilnehmer bestätigten die Aussage. „Ich habe gesehen, wie ein Fahrzeug Demonstranten überfahren hat. Dann haben sie auf uns geschossen“, sagte Wael Rufail. Daraufhin hätten Demonstranten Militärfahrzeuge angezündet, sagte Chalili.

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Geistlicher versuchte, angegriffenen Soldaten zu schützen

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  • Es ist eine Schande daß in einem ehemaligen christlichen Land die Christen verfolgt werden. Die Kopten sind mehr wie eine „Religionsgemeinschaft“. Ihre Sprache hat ihre Ursprünge in der Ägyptischen Geschichte. Es ist nicht wie die Arabische Sprache. Arabisch ist die Sprache der Eroberer genau wie das Heidentum (Islam).

    Mit jeden Toten Kopten verschwindet ein Teil des „alten Ägypten“ mit ihrer Kultur, Geschichte und sozialen Errungenschaften.

    Im wahrsten Sinne des Wortes wird die Geschichte (Menschen) ausgelöscht.

    Genauso wie in Armenien, Kleinasien, Irak, Jordanien, Syrien und in Nordafrika.

    Diese Gebiete waren christlich und davon möchte keiner mehr sprechen.

    Die geschichtliche Person Nikolaus, war kein Türke der in Kleinasien gelebt hat sondern ein Byzantiner.

    Die ersten christlichen Gemeinen die in der Bibel genannt wurden liegen im Östlichen Teil des Mittelmeers.

    Das Morden muß aufhören.

    In der Welt werden die Christen verfolgt nicht die Heiden.

  • Werden wir diese Probleme auch in Deutschland haben,
    wenn sich die christliche Minderheit im Jahre 2030 gegen die Moslems auflehnt ?

  • Ich kann Ihnen hier nicht ganz zustimmen aber die Schweiz ist hier ausnahmsweise als Vorbild anzusehen. - Ich denke diese Bevölkerung fühlt sich unter uns Europäern da wir ja Schweinefleischfresser sind ohnehin nicht wohl. - Somit haben diese Personen auch allergrößte Probleme damit unsere Toiletten zu benutzen. - Dies sind Tatsachen die sich täglich und minütlich wiederholen.

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