Ministerpräsident Samaras
Keine Vermögensabgabe für reiche Griechen

Für die Sanierung des Staatshaushalts will der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras die reichen Staatsbürger nicht noch mehr zur Kasse bitten. Auch ein drittes Hilfsprogramm lehnt er entschieden ab.
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BerlinDer griechische Ministerpräsident Antonis Samaras hat eine Sonderabgabe für vermögende Griechen abgelehnt. Reiche Griechen würden bereits „substanziell besteuert“, die Steuern seien „auch für sie erheblich erhöht worden“, sage Samaras der „Bild“-Zeitung (Montagsausgabe). „Wir hätten unsere Ziele ohne die Steuereinnahmen von vermögenden Griechen nicht erreicht.“ Samaras widersprach einer Statistik, wonach Griechen im Durchschnitt mehr Vermögen besitzen als Deutsche. Diese Aussage basiere auf Daten von 2009, inzwischen habe es eine starke Rezession gegeben, die Immobilienpreise seien massiv gesunken.

Samaras zeigte sich hochzufrieden mit den Reformanstrengungen seines Landes. Er rechnet für das Jahr 2013 mit einem deutlichen Haushaltsüberschuss. Auch sei das Defizit in der griechischen Handelsbilanz „zum ersten Mal seit Jahrzehnten“ aufgehoben worden. Ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone sei endgültig vom Tisch: „Keiner in Europa spricht mehr über einen 'Grexit', das ist endgültig vorbei! Jetzt spricht man von 'Grecovery'“, sagte Samaras. „Wir übertreffen mit unseren Fortschritten schon jetzt alle Erwartungen.“

In ersten Äußerungen Samaras' im „Bild“-Interview, die am Sonntag verbreitet worden waren, hatte der griechische Regierungschef bekräftigt, dass er ein drittes Kreditpaket für sein Land nicht für nötig hält. „Wir brauchen kein neues, drittes Hilfsprogramm"“ sagte Samaras demnach. „Wir erreichen im aktuellen Hilfsprogramm unsere Ziele - und es wirkt.“ Zugleich kündigte Samaras aber Gespräche über längere Laufzeiten und niedrigere Zinsen für die bisherigen Kredite an.

Griechenland hatte im Jahr 2010 am Rande des Bankrotts gestanden und erhielt in der Folge massive internationale Finanzhilfen von den EU-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Einem ersten Hilfsprogramm im Umfang von 110 Milliarden Euro folgte im Jahr 2012 ein zweites im Umfang von 130 Milliarden Euro. Das derzeit laufende zweite Hilfsprogramm endet Mitte 2014.


Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Ministerpräsident Samaras: Keine Vermögensabgabe für reiche Griechen"

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  • Vor den EU-Wahlen sollen 17591 Stellen beim Staat geschaffen werden. Nicht schlecht, oder? Das wäre in etwa so, wenn Fr. Merkel in D 180000 Jobs anbieten würde.

    http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/europa/europastaaten/605753_Athen-will-17.591-neue-Beamte-einstellen.html

  • Die reichen Griechen haben also genug gezahlt... hat jemand zufällig belastbare (und lesbare) Statistiken über das Steueraufkommen der Griechen.

  • Man kann durchaus mit den Menschen in Griechenland Mitleid haben, die Situation soll dort entsetzlich schlecht sein. Allerdings darf man kein Mitleid mit jenen haben, die diese Regierung ins Amt gewählt haben. Wenn die griechische Bevölkerung erneut Samaras und seine Freund wählen sollten, nun dann wollen sie es so und diesen demokratischen Willen akzeptiere ich :-)

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