Mitt Romney
Präsident Gordon Gekko

Obamas Herausforderer Mitt Romney war Chef des Finanzinvestors Bain Capital. Er ist stolz auf Tausende gerettete Jobs – doch seine Gegner stellen ihn lieber als blutrünstigen Finanzhai dar. Eine gefährliche Strategie.
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WashingtonDer Anzug maßgeschneidert, das Kinn ausgeprägt, die Haare mit Pomade sorgsam gelegt: Der Mann strahlt Erfolg aus und grenzenlose Macht. Und er ist böse. „Der Punkt ist“, sagt er mit funkelnden Augen, „dass Gier gut ist. Gier ist richtig. Gier funktioniert.“ Der Satz stammt von Gordon Gekko, der Hauptfigur aus dem Film „Wall Street“, der seit den 80er Jahren für das Klischee eines skrupellosen Finanzhais steht und die gesamte Zunft der Finanzinvestoren in Verruf gebracht hat. Gekko und seine Geschäftspartner verdienten Millionen damit, Firmen aufzukaufen, sie mit Schulden zu überladen, zu filetieren und schließlich dem Teufel zu überlassen.
Auch Mitt Romneys Anzüge sind maßgeschneidert, das Kinn ausgeprägt, die Haare mit Pomade sorgsam gelegt. Auch er brachte es als Chef des erfolgreichen Finanzinvestors Bain Capital zu Ruhm und Reichtum. Jetzt will er Präsident der Vereinigten Staaten werden, doch er hat ein Problem: Gordon Gekkos Schatten.

Denn Romneys Gegner bemühen sich, ihn in den Köpfen der Wähler mit dem Klischee der bösen Heuschrecke zu verknüpfen. Kaum eine Gelegenheit lassen die Demokraten um Barack Obama aus, den Republikaner als Raubtierkapitalisten zu verkaufen. Vor kurzem gab der Präsident die Richtung vor: „Gouverneur Romneys Hauptargument, warum er Präsident werden sollte, ist ja seine Wirtschaftserfahrung“, sagte Obama in Chicago. „Doch im Gegensatz zum Chef einer Private-Equity-Firma ist es nicht der Job eines Präsidenten, Profite zu maximieren“.

Parallel dazu feuerten seine Wahlkämpfer in den vergangenen Tagen Videos ab, die ihre Vorwürfe belegen sollen. Sie zeigen trostlose Gegenden und Menschen, die durch Bain ihre Jobs verloren, während sich Romney und seine Investoren die Taschen füllten. Bain sei ein „Vampir“ gewesen, sagt da etwa ein ehemaliger Mitarbeiter eines bankrotten Stahlwerks in St. Louis: „Ein Vampir, der zu uns kam und das Leben aus uns heraussaugte“.

Die Demokraten greifen damit Romney an der stärksten Flanke an: seiner Erfahrung in der freien Wirtschaft. „Ich habe 25 Jahre im privaten Sektor verbracht und weiß, wie man Jobs schafft“, ist sein Mantra, seit er im vergangenen Jahr zu den Vorwahlen angetreten war. Obama dagegen sei als ehemaliger Sozialarbeiter, Jura-Professor und Abgeordneter völlig ungeeignet für die Herausforderungen der Zeit.

Romneys Vorleben ist viel wert in einem Wahlkampf, der sich fast ausschließlich um die Wirtschaft dreht. Noch immer sind zu viele Menschen arbeitslos, die Mittelschicht bröckelt, die Zukunft ist ungewiss und das Land ächzt unter einem gigantischen Schuldenberg. Der Kandidat, der hier am glaubwürdigsten ist, dürfte die Wahl gewinnen.

Und so ist Bain Capital zu einem der wichtigsten Schauplätze des Wahlkampfs geworden. Auch Romney spricht gerne über seine Zeit bei dem Finanzinvestor, den er 1984 mitbegründete und 1999 verließ, um erst die Olymischen Winterspiele zu retten und später Gouverneur von Massachusetts zu werden. Seine Version geht freilich anders als die von Obama. Rund 80 Prozent der Firmen, in die Bain investierte, seien gewachsen, sagte Romney vergangene Woche im TV-Sender Fox News. „Und das bedeutet, es wurden Jobs geschaffen“. Gut 100.000 Arbeitsplätze seien durch Bains Engagement über die Jahre entstanden, verbreiten Romneys Leute gerne.

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Die Kampagne sei „widerlich“

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