Mohammed-Karikaturen
Bombendrohung gegen dänische Zeitung

Auch nach einer Entschuldigung der Zeitung „Jyllands-Posten“ für die Kränkung religiöser Gefühle durch Mohammed-Karikaturen haben sich die Straßenproteste in der islamischen Welt fortgesetzt. Die Redaktionsräume des Blattes in Kopenhagen und Århus wurden nach einer Bombendrohung zeitweise evakuiert.

HB KOPENHAGEN. Bei dem wegen umstrittener Mohammed-Karikaturen aus der islamischen Welt heftig angegriffenen Blatt war am Nachmittag eine telefonische Bombendrohung eingegangen. Die Polizei im dänischen Århus hob die angeordnete Evakuierung der Zentralredaktion jedoch nach anderthalb Stunden wieder auf. Die Durchsuchung der Räume sei ergebnislos geblieben, hieß es zur Begründung.

In Tunis verlangten indes 17 Außenminister der Arabischen Liga von Dänemark die Bestrafung der Verantwortlichen für die Zeichnungen. Gleichzeitig bemühten sich die dänische Regierung und die Islamische Gemeinde in Kopenhagen um Entspannung im Streit um die Zeichnungen.

Der dänische Regierungschef Anders Fogh Rasmussen kündigte eine umfassende diplomatische Initiative zur Beruhigung in den islamischen Ländern an. Er äußerte die Hoffnung, dass es nach der von ihm ausdrücklich begrüßten Entschuldigung durch die Zeitung nicht zu den angedrohten Boykottaktionen gegen Dänemark in der islamischen Welt kommen werde.

Vertreter der Islamischen Gemeinde in Kopenhagen erklärten, sie seien mit den jüngsten Erklärungen von dänischer Seite zufrieden und wollten sich nun gemeinsam mit Regierung und Medien in arabischen Ländern um eine Beruhigung bemühen. Der Chefredakteur von „Jyllands-Posten“, Carsten Juste, hatte kurz zuvor nach den massiven Protesten in der islamischen Welt gegen die schon vor vier Monaten veröffentlichten Karikaturen eine Entschuldigung in seinem Blatt veröffentlicht, in der es hieß: „Die Zeichnungen stellen keine Verletzung dänischer Gesetze dar, haben aber unabweislich viele Muslime gekränkt, wofür wir uns entschuldigen.“

Rasmussen erklärte im Fernsehen, persönlich hätte er niemals Bilder von Mohammed oder auch von Jesus oder anderen Persönlichkeiten von religiöser Bedeutung veröffentlicht, durch die sich Menschen gekränkt fühlen könnten. Allerdings sei eine Entschuldigung durch Dänemarks Regierung nicht möglich, weil Medien auf Grund der Pressefreiheit selbst über ihre Veröffentlichung zu entscheiden hätten. Auch leitende Redakteure von „Jyllands-Posten“ betonten, die Entschuldigung beziehe sich nur auf die Verletzung religiöser Gefühle, aber nicht für die Veröffentlichung an sich.

Die Zeitung „Politiken“ zitierte den früheren US-Präsidenten Bill Clinton mit der Äußerung, er finde die Karikaturen „beschämend“. Auch Norwegens Regierung distanzierte sich. Dänemarks Nachbar ist wegen des Nachdrucks der Zeichnungen in einer Osloer Zeitschrift ebenfalls Adressat von Drohungen mit Boykott und Gewalt aus islamischen Ländern. Außenminister Jonas Gahr Støre sagte im dänischen Fernsehsender TV2, die durch die Veröffentlichung der Zeichnungen erzeugte Unruhe sei „nicht positiv für den Dialog zwischen verschiedenen Kulturen und Menschen mit verschiedenen Religionen“.

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