Mongolei
Unruhen erschüttern Mongolei

Vier Tote, 130 Verletzte - das ist die Bilanz nach den Unruhen in der mongolischen Hauptstadt. Gespannt blickt die Bergbau- und Rohstoffbranche Richtung Mongolei. Eine geplante Reise wollen deutsche Unternehmer trotzdem nicht absagen.

DÜSSELDORF. Ungeachtet der jüngsten Unruhen bleibt die Mongolei für deutsche Unternehmen interessant. Nach den Parlamentswahlen vom Wochenende war es in den vergangenen Tagen zu Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. Dabei starben vier Menschen, rund 130 erlitten Verletzungen. 1 000 Personen wurden inhaftiert. Eine Reise deutscher Mittelständler in die Mongolei ist dennoch nicht gefährdet.

"So wie die Dinge im Moment stehen, wird die für August geplante Fahrt stattfinden", bekräftigt Monika Stärk, Geschäftführerin des Ostasiatischen Vereins (OAV). Der Verein organisiert die Reise mit rund 30 Managern im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums gemeinsam mit dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und der Fachvereinigung Bergbau und internationale Rohstoffaktivitäten (FAB).

Anlass für die Auseinandersetzungen vor allem in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator ist der Ausgang der Parlamentswahl vom Sonntag. Laut Wahlkommission kann die regierende MRVP mit 46 der 76 Mandate im Parlament rechnen. Das offizielle Endergebnis soll am 10. Juli vorliegen. Oppositionspolitiker erhoben nun Betrugsvorwürfe. Diese konzentrierten sich zunächst auf zwei Bezirke in der Hauptstadt; später stellten Demonstranten dann die gesamte Wahl in Frage. Internationale Beobachter gehen aber nicht von Betrug in großem Stil aus. Die Regierung kündigte eine Untersuchung an.

Mit großem Interesse verfolgen Manager aus dem Rohstoffsektor das politische Geschehen. Denn getrieben von der weltweiten Nachfrage nach Ressourcen rücken die Reserven der Mongolei zunehmend in den Fokus internationaler Unternehmen. Deutsche Firmen wollen dabei nicht fehlen. "Die Mongolei ist ein hoch interessanter Markt. Seit Anfang der 90er Jahre hat das Land einen erfolgreichen Transformationsprozess hinter sich. Die Bedingungen für ausländische Investitionen waren lange Jahre hervorragend", sagt Mongolei-Expertin Stärk.

Laut Auswärtigem Amt erreichte der Handel mit Deutschland 2007 ein Volumen von 65,8 Mill. Euro. Nach Deutschland wurden Waren im Wert von 10,7 Mill. Euro exportiert. Der Wert von Importen aus Deutschland in die Mongolei betrug 55,0 Mill. Euro. Im ersten Quartal 2008 lag der deutsche Export bereits bei 16,8 Mill. Euro - ein Zuwachs von 47 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Angesichts der vielfältigen Bodenschätze bietet vor allem der Bergbau- und Rohstoffsektor Kooperationsmöglichkeiten für deutsche Firmen. Ziel der geplanten Reise ist es deshalb, Zulieferer im Bergbausektor, Investoren im Rohstoffbereich, technische Berater und Finanzexperten mit potenziellen mongolischen Geschäftspartnern in Kontakt zu bringen. Internationale Zulieferer im Bergbausektor wie Liebherr, Komatsu und Caterpillar sind in der Mongolei bereits vertreten.

Lange galten die Bedingungen für ausländische Investoren in dem asiatischen Land als ideal. Das könnte sich in Zukunft ändern. Bereits in der jüngeren Vergangenheit wurden äußerst investorenfreundliche Regelungen nach und nach revidiert. Damit wollte man der Unzufriedenheit in der Bevölkerung über den befürchteten Ausverkauf nationaler Interessen begegnen; diese allgemeine diffuse Unzufriedenheit könnte nun auch in den jüngsten Unruhen seinen Ausdruck finden.

Ein 2006 erlassenes, aber vom Parlament noch nicht ratifiziertes Bergbaugesetz, soll dem Staat mehr Einfluss bei Abbau und Verwertung der Rohstoffe sichern. Mit dem Sieg der MRVP steht dem wohl nichts mehr im Weg. Das ist die eine Seite. Die andere: Instabile parlamentarische Konstellationen erschwerten im vergangenen Jahr Langfristplanungen von Firmen aus dem Ausland. Mit der neuen klaren Mehrheit dürfte sich das ändern. Wohin die Reise geht? "Wir erwarten keinen dramatischen Wendepunkt", sagt Mongolei-Beobachterin Stärk, "und setzen auf stabile Ansprechpartner" - in einem Land, dessen Führung darum bemüht sein muss, eine Balance herzustellen zwischen der Notwendigkeit, den sozialen Frieden zu sichern und attraktive Bedingungen für ausländische Investoren zu schaffen.

Lockruf des Goldes - aber nicht nur

Rohstoffreichtum

Die Mongolei hat enorme Rohstoffvorkommen, u.a. Kupfer, Gold, Eisenerz, Uran, Kohle sowie die selteneren Bodenschätze Flussspat und Molybdän. Bisher werden die Potenziale aber nur zu einem Bruchteil genutzt. Vor allem die Vorkommen in der Wüste Gobi werden bislang gar nicht oder nur eingeschränkt gehoben.

Wachstumsmotor

Die expandierende Bergbauindustrie treibt das Wachstum an. Im vergangenen Jahr ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um knapp zehn Prozent gewachsen; die Prognosen für 2009 bewegen sich in ähnlichem Bereich. Motor der Entwicklung ist vor allem der Abbau der Bodenschätze. Er macht ein knappes Drittel des BIP aus.

Investitionsziel

Für deutsche Unternehmen aus den Branchen Bergbau und Rohstoffe (Zulieferer, Finanzierung, Consultants) ergeben sich Marktchancen für den Export, aber auch für Engagements in der Mongolei.

Thomas Ludwig
Thomas Ludwig
Handelsblatt / EU-Korrespondent
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