Morning Briefing
Gabriel will

Für VW beginnt die Ära der roten Zahlen. Vizekanzler Gabriel bekennt Farbe. Die Deutsche Bank stellt ihre Strategie 2020 vor. Und Kanzlerin Merkel hat einen Poltergeist im Nacken. Was heute sonst noch wichtig wird.

Liebe Leserinnen und Leser,
laut den aktuellen Umfragen würden derzeit nur 24 Prozent der Deutschen die SPD wählen. Das Gedränge um eine SPD-Spitzenkandidatur für die kommende Bundestagswahl hält sich entsprechend in Grenzen. Olaf Scholz und Andrea Nahles warten auf die Zeit nach Merkel; Frank-Walter Steinmeier will lieber Bundespräsident werden. So gleicht denn die gestern erklärte Bereitschaft des Vorsitzenden Sigmar Gabriel, gegen Merkel anzutreten einer unerhörten Mutprobe. Die Monate bis zum Wahltag dürften Gabriels glücklichste werden. Hier können Sie die ganze Geschichte als Premium-Artikel lesen.

Die Abgasaffäre um die manipulierten Dieselmotoren beschert Volkswagen den ersten Quartalsverlust seit über 15 Jahren. Deutschlands größter Konzern nahm 1,7 Milliarden Euro weniger ein, als er ausgab. Angesichts der Höhe der Schadenersatzforderungen und drohender Strafgelder war das nicht das Ende, sondern der Beginn einer Ära der roten Zahlen. Die Ungerechtigkeit des Vorgangs ist eine systemische: Die Gewinne der Ära Winterkorn werden de facto zurückverlangt. Die Boni nicht.

Der Bundesfinanzminister hat damit begonnen, die Öffentlichkeit auf höhere Ausgaben angesichts der Flüchtlingskrise vorzubereiten. In der Koalition rechnet man mit rund zehn Milliarden Euro an zusätzlichen Kosten. Die gute Nachricht: Es soll keine höheren Steuern geben. Die schlechte Nachricht: dafür höhere Schulden. Die bedauerliche Tatsache, dass die höheren Schulden von morgen die höheren Steuern von übermorgen sind, fällt dann in die Amtszeit der nächsten Bundesregierung. Den aktuellen Premium-Artikel lesen Sie hier.

Heute wollen die beiden Vorstandschefs der Deutschen BankJohn Cryan und Jürgen Fitschen – ihre Strategie 2020 vorstellen. Die Aktionäre des größten deutschen Finanzinstituts werden dabei leer ausgehen. Für 2015 und 2016 soll die Dividende gestrichen werden. Damit erfüllt die Bank eher die Kriterien des Sozialismus als die des Kapitalismus. Oder anders gesagt: Der Kauf eines Lotto-Scheins verspricht in den kommenden zwei Jahren mehr Rendite als der Kauf einer Deutsche-Bank-Aktie.

Die Aktionäre der Lufthansa sind besser dran: Billigeres Kerosin und eine starke Ticketnachfrage haben der deutschen Luftfahrtgesellschaft im dritten Quartal Auftrieb gegeben. Umsatz und Gewinn dürften spürbar gestiegen sein. Die Aktionäre müssen nur aufpassen, dass Stewardessen, Bodenpersonal und Piloten nicht schneller zugreifen. Zumindest deren Funktionäre sind vom Stamme Nimm.

Nichts Neues bei Bayer: Die Quartalszahlen, die heute vorgestellt werden, dürften erneut wachsende Umsätze und wachsende Gewinne ausweisen. Würden die 30 Vorstandschefs der Dax-Konzerne eine Schulklasse bilden, wäre Bayer-Chef Marijn Dekkers ihr Musterschüler. Man wünschte, die anderen würden bei ihm abschreiben.

Am heutigen Donnerstag berät Kanzlerin Angela Merkel in Peking mit der chinesischen Staatsspitze über die Lösung der internationalen Krisen in Syrien und Afghanistan. Ohne Beruhigung der dortigen Lage wird der Flüchtlingsstrom in Europa nicht abschwellen. Horst Seehofer ist zwar nicht Mitglied ihrer Delegationsreise, aber er ist der Poltergeist in Merkels Nacken. Sie spricht in Peking, aber denkt an Passau, wo die Flüchtlingslager überlaufen.


Ich wünsche Ihnen einen ausgeruhten Start in den neuen Tag.
Herzlichste grüßt Sie Ihr
Gabor Steingart
Herausgeber

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