Nach Anschlag auf Präsident Ramos-Horta
Regierung in Osttimor ruft Notstand aus

Einen Tag nach dem Putschversuch in Osttimor hat die Regierung am Dienstag für 48 Stunden den Notstand ausgerufen. Präsident Ramos-Horta kämpft nach einem Anschlag weiter um sein Leben. Den Ärzten zufolge ist sein Zustand „äußerst ernst“.

HB DILI. Der amtierende Präsident Vicente Gutterres verkündete den Notstand in einer Fernsehansprache. Die Maßnahmen sehen ein Demonstrationsverbot vor und geben der Polizei Sondervollmachten.

„Unser Land befindet sich jetzt in einer außerordentlichen Lage, in der ein Ausnahmezustand uns zur Normalität zurückführen wird“, sagte Gutterres. Er bat die Bevölkerung, der Regierung bei der Bewältigung der Krise zu helfen. In der Hauptstadt Dili war es am Dienstag ruhig. Viele Geschäfte blieben geschlossen. Auf den Straßen patrouillierten internationale Soldaten und Polizisten.

Bei dem fehlgeschlagenen Putsch am Montag wurde Präsident Jose Ramos-Horta schwer verletzt. Er war am frühen Morgen von Angreifern niedergeschossen worden. Ministerpräsident Xanana Gusmao überstand einen Feuerüberfall auf sein Auto wenig später unverletzt. Für die Anschläge verantwortlich waren laut Regierung abtrünnige Soldaten unter Rebellenführer Alfredo Reinado, einem ehemaligen Chef der Militärpolizei. Dieser und einer seiner Leute wurden getötet, auch ein Wachmann kam ums Leben.

Ramos-Horta wurde von Schüssen in Brust und Bauch getroffen. Der 58-Jährige wurde in ein künstliches Koma versetzt und nach einer ersten Operation in einem australischen Militärkrankenhaus in Dili zur weiteren ärztlichen Behandlung nach Australien ausgeflogen. In einem Krankenhaus in Darwin wurde er in der Nacht erneut operiert. Es wurden ihm Geschossteile entfernt. Der Leiter der Klinik, Len Notaros, bezeichnete des Zustand des Präsidenten am Dienstag im australischen Rundfunk als äußerst ernst aber stabil.

Dem getöteten Rebellenführer Reinado wird eine führende Rolle bei den blutigen Unruhen im April und Mai 2006 vorgeworfen, über die die Regierung von Ministerpräsident Mari Alkatiri stürzte. Bei den Auseinandersetzungen wurden mindestens 37 Menschen getötet, 155.000 wurden zu Flüchtlingen. Dem untergetauchten Reinado sollte deshalb schon bald in Abwesenheit der Prozess gemacht werde.

Ramos-Horta, der 1996 zusammen mit seinem Landsmann Bischof Carlos Belo den Friedensnobelpreis erhielt, wurde vor knapp einem Jahr als neuer Staatspräsident von Osttimor vereidigt. Der frühere Präsident Gusmao übernahm die Regierungsgeschäfte. Das kleine Land hat sich 1999 von Indonesien gelöst, das die ehemalige portugiesische Kolonie 24 Jahre lang besetzt hielt. Nach vorübergehender Uno-Verwaltung erlangte Osttimor im Mai 2002 seine Unabhängigkeit.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sicherte der Regierung die Solidarität der Vereinten Nationen zu und dankte Australien für seine Hilfe. Das große Nachbarland hatte umgehend die Entsendung von weiteren Soldaten nach Osttimor angekündigt. Australien stellt schon jetzt fast 800 der der 1.400 Mann starken UN-Friedenstruppe in dem Inselstaat. Nun sollen rund 200 weitere Soldaten und bis zu 70 Polizisten hinzukommen, wie Ministerpräsident Kevin Rudd erklärte. Die Regierung von Osttimor habe um diese Unterstützung gebeten.

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