Nach Anschlag in Barcelona
Polizei untersucht bei Razzien gefundenes Material

Die spanischen Ermittler haben gegen zwei mutmaßliche Islamisten Haftbefehl erlassen. Mittlerweile gibt es wohl auch Indizien für eine Zusammenarbeit zwischen Terroristen in Spanien und Brüssel.
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MadridDie spanische Polizei hat Material untersucht, das bei Razzien in zwei Städten im Nordosten des Landes im Zusammenhang mit den tödlichen Anschlägen mit 15 Toten von voriger Woche gefunden wurde. Was sie bei den Durchsuchungen in einem Cybercafé in Ripoll und einem Haus in Vilafranca del Penedès im Nordosten Spaniens am Dienstagabend entdeckt habe, wollte die Polizei am Mittwoch nicht mitteilen. Der Einsatz gehe weiter.

Vilafranca ist in der Nähe der Gegend, wo am Montag der mutmaßliche Fahrer des Transporters bei dem Anschlag in Barcelona von der Polizei erschossen wurde. Der Verdächtige Younes Abouyaaquoub hatte bekanntermaßen seine Kleidung gewechselt und Messer und eine Sprengstoffgürtel-Attrappe in der Zeit zwischen dem Anschlag mit 13 Toten vom Donnerstag und seinem Tod abgeholt. Einer der vier überlebenden Verdächtigen arbeitete in dem Café in Ripoll.

Nach Berichten der ARD sei zudem in dem Haus, in dem die Gaskartuschen explodierten, ein Flugticket nach Brüssel gefunden worden. Dieses sei auf den Namen des Imam ausgestellt worden, der bei der Explosion ums Leben kam. Damit mehren sich die Anzeichen einer Zusammenarbeit zwischen Terroristen in Spanien und Brüssel.

Am Dienstagabend ist im Zusammenhang mit dem Anschlag in der Innenstadt von Barcelona auch gegen zwei mutmaßliche Mitglieder der islamistischen Extremistenzelle Haftbefehl erlassen worden. Den Verdächtigen Mohamed Houli Chemlal und Driss Oukabir wird Mord sowie Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Ermittlungsnahen Kreisen zufolge sagte Chemlal dem obersten spanischen Gericht, man habe eigentlich mehrere große Bombenanschläge geplant. Ein dritter Verdächtiger blieb zunächst in Polizeigewahrsam, während ein vierter unter Auflagen freigelassen wurde.

Bereits am Montag erschoss die Polizei einen 22-jährigen Marokkaner, der den Ermittlungen zufolge in der vergangenen Woche mit einem Lieferwagen über eine Promenade in Barcelona raste und 13 Menschen tötete. Kurz darauf kam in der Kleinstadt Cambrils eine Frau bei einem weiteren Anschlag ums Leben. Die fünf Angreifer dort wurden umgehend von der Polizei erschossen. Zu den Taten bekannte sich die Extremistenmiliz Islamischer Staat. Bereits einen Tag vor den Anschlägen kam ein Imam bei einer Explosion ums Leben, der den Ermittlern zufolge der Chef der Gruppe war. Er starb demnach in einem Haus, in dem die Zelle Bomben bauen wollte.

Den Insidern zufolge ist Chemlal von den vier überlebenden mutmaßlichen Mitgliedern der einzige, der eine Tatbeteiligung zugegeben hat. Die drei anderen Männer weisen die Vorwürfe zurück. Chemlal sagte vor Gericht aus, für die Bombenanschläge seien Kirchen und Denkmäler im Visier gewesen. Nach der Explosion in der Bombenwerkstatt habe man aber die Pläne geändert.

Wegen mutmaßlicher Verbindungen zu der Gruppe wurden einem Fernsehbericht zufolge in Marokko zwei Männer festgenommen. Ein 28-Jähriger soll geplant haben, die spanische Botschaft in der Stadt Rabat anzugreifen, wie der Sender 2M berichtete. Der zweite Verdächtige soll in der spanischen Stadt Ripoll gelebt haben, wo auch mehrere der mutmaßlichen Attentäter wohnten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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