Nach Attentat auf Generalstaatsanwalt
Ägypten versinkt in Gewalt

Nach dem Attentat auf Generalstaatsanwalt Barakat nimmt in Ägypten die Gewalt zu. Sicherheitskräfte töten bei einer Razzia neun Muslimbrüder. Extremisten wiederum ermorden mit Selbstmordanschlägen über 60 Soldaten.
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Al-ArischDie Auseinandersetzung Ägyptens mit radikalen Islamisten hat zu den schwersten und tödlichsten Kämpfen in dem Land seit 1973 geführt. Bei koordinierten Selbstmordanschlägen und anderen Angriffen auf der Sinai-Halbinsel wurden am Mittwoch mindestens 64 Soldaten getötet, wie Militärsprecher Mohammed Samir sagte. Die Armee teilte im Staatsfernsehen mit, bei zwei Gegenangriffen mindestens 100 „Terrorunterstützer“ getötet zu haben. Die Extremisten seien an Kämpfen am Vortag beteiligt gewesen, hieß es am Donnerstag. Die Extremistengruppe Sinai-Provinz, ein Ableger der radikal-islamischen Miliz Islamischer Staat (IS), hatte nach eigenen Angaben mehr als 15 Stützpunkte der Armee und der Polizei angegriffen. Es folgten die heftigsten Kämpfe seit Jahren in der Region. Der Armee zufolge wurden mehr als 100 Militante und 17 Soldaten getötet.

Beamte sprachen aber auch von vier toten Zivilisten. Bei einer Razzia in Kairo wurden neun Mitglieder der Muslimbruderschaft erschossen, die im Gegenzug zu einer „Rebellion“ gegen Präsident Abdel Fattah al-Sisi aufrief. Die Kämpfe folgen auf das tödliche Attentat auf den Generalstaatsanwalt Hischam Barakat am Montag. Al-Sisi hatte daraufhin ein hartes Vorgehen gegen Extremisten angekündigt.

Inzwischen hat das ägyptische Militär nach eigenen Angaben den Norden des Sinai wieder „zu 100 Prozent unter Kontrolle“. Die Lage auf der Halbinsel ist seit Jahren angespannt. Hunderte Soldaten wurden bei Kämpfen mit Extremisten und Anschlägen getötet. Die Angriffe am Mittwoch schürten Sorgen, dass der vor allem in Syrien und im Irak aktive IS in der Region stärker Fuß fasst. Die Miliz und deren Anhänger nutzen auch in anderen Ländern instabile Sicherheitsverhältnisse, um sich auszubreiten. Sie übernehmen zudem häufig die Verantwortung für Anschläge. Oft lässt sich dies aber nicht bestätigen.

Bei einer Razzia erschossen Sicherheitskräfte neun Mitglieder der verbotenen Muslimbruderschaft. Die Beamten seien in eine Wohnung in einer Kairoer Vorstadt eingedrungen und unter Beschuss geraten, teilten Sicherheitsbeamte mit. Die Spezialeinheit habe das Feuer erwidert und neun Personen getötet, darunter den früheren Parlamentsabgeordneten Nasr al-Hafi. In der Wohnung seien drei Gewehre und viel Munition sichergestellt worden.

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Muslimbrüder dementieren Mittäterschaft

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  • Wieder der friedliche Islam, wie ihn unsere Politiker haben wollen. Das Morden hier ist ein Zeichen der Toleranz!

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