Nach Bin Ladens Tod
Obama stellt pakistanische Regierung zur Rede

Nach den tödlichen Schüssen der US-Navy-Seals auf Osama bin Laden will US-Präsident Obama endlich wissen, wer von dem Aufenthalt des Terrorchefs in Pakistan gewusst hat. Die Regierung in Islamabad soll Namen nennen.
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WashingtonUS-Präsident Barack Obama verstärkt den Druck auf Pakistan. Eine Woche nach dem tödlichen Angriff auf Osama bin Laden forderte Obama die Regierung in Islamabad in einem
TV-Interview auf, die Helfer des Topterroristen beim Namen zu nennen. „Wir glauben, dass es ein Unterstützer-Netzwerk für Bin Laden in Pakistan gegeben hat“, erklärte Obama in seinem ersten langen Fernsehinterview seit dem Einsatz einer US-Spezialeinheit gegen Bin Laden auf dessen Anwesen in der pakistanischen Stadt Abbottabad. Andernfalls hätte er nicht über Jahre in Abottabad leben können, einer Stadt mit zahlreichen Militäreinrichtungen.Ob unter den Unterstützern Personen innerhalb oder außerhalb der Regierung gewesen seien, wisse er nicht, sagte Obama. Die USA wollten dazu weiter ermitteln, „und, was noch wichtiger ist, die pakistanische Regierung muss ermitteln“.

Obama hat die Kommandoaktion gegen Osama bin Laden in Pakistan als „die längsten 40 Minuten“ seines Lebens bezeichnet. Er habe die Operation angeordnet, weil er der Ansicht gewesen sei, dass die Chance, den Terroristenführer „endlich zu kriegen“ größer sei als die Risiken, erklärte Obama in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview der Sendung „60 Minutes“ des Fernsehsenders CBS.

Er sei zwar ob des Ausgangs der Aktion nervös gewesen, wegen der Möglichkeit, dass bin Laden dabei getötet werden könnte, habe er sich aber keine Gedanken gemacht. Jeder, der daran zweifle, dass der Al-Kaida-Führer sein Schicksal verdient habe, „muss seinen Kopf untersuchen lassen“, sagte Obama.

Von direkten Beschuldigungen gegenüber Islamabad sah Obama ab. Seit den Anschlägen vom 11. September 2011 sei Pakistan ein starker Partner im Kampf gegen den Terror gewesen, sagte er. Zu den Einzelheiten der Kommandoaktion äußerte sich der Präsident in dem Interview nur zurückhaltend, Neues über die bereits öffentlich bekannten Details hinaus teilte er nicht mit.

Die Entscheidung, die Razzia anzuordnen, sei schwierig gewesen, sagte er. Es sei schließlich nicht sicher gewesen, dass sich bin Laden in dem Anwesen aufhalte, und für die Eliteeinheit Navy SEALs habe ein Risiko bestanden. „Aber letztlich hatte ich so viel Vertrauen in die Fähigkeit unserer Jungs, die Mission auszuführen, dass ich das Gefühl hatte, dass die Risiken vom potenziellen Gewinn wettgemacht werden, dass wir unseren Mann endlich kriegen“, sagte Obama.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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