Nach bitterem Irak-Streit
Nur noch nüchterne Geschäftigkeit

Über die wohl letzte Irak-Resolution stimmten die Mitglieder des Uno-Sicherheitsrates eher nüchtern ab - als habe es die bitteren Wortgefechte und das Kräftemessen in den Wintermonaten nicht gegeben

dpa NEW YORK. Ohne Vorrede, nüchtern und geschäftsmäßig rief der Ratspräsident am Donnerstag zum Votum über die jüngste und vorerst wohl letzte Irak-Resolution auf. 14 Mitglieder hoben zustimmend die Hand, unter ihnen auch Frankreich, Deutschland und Russland, die sich der Supermacht USA bei der zuletzt geforderten Kriegsermächtigung in den Weg gestellt hatten.

Der Einzige, der das Spiel nicht mitmachen wollte, blieb der Abstimmung über die neue Irak-Resolution 1483 einfach fern. Syriens Stuhl war verwaist, als das höchste Uno-Gremium nach zweiwöchiger Beratung über die Machtverhältnisse im Nachkriegs-Irak beschloss. Bulgariens Uno-Botschafter lobte die wiedergewonnene Einigkeit des Rates bereits am Vortag überschwänglich. Man habe die Kluft überwunden und wieder zusammengefunden, sagte er.

US-Botschafter John Negroponte, der seinem Dienstherrn Colin Powell bei den heftigen Konfrontationen mit den Außenministern Joschka Fischer, Dominique de Villepin und Igor Iwanow vor zwei Monaten noch hilflos zur Seite gestanden hatte, war wieder ganz Würde und Gelassenheit. Dies sei „ein historischer Moment“, sagte er in einer knappen Rede nach dem Votum. Schließlich sei es „an der Zeit, dass die irakische Bevölkerung endlich von ihren Naturschätzen profitieren kann“.

Der französische Botschafter Jean-Marc de Sabliere konnte einen Seitenhieb zwar nicht unterlassen, war aber ansonsten versöhnlich. Er wiederholte, was sein Minister in der Nacht zuvor in Paris gesagt hatte. „Die Resolution ist nicht perfekt“, biete der internationalen Gemeinschaft aber einen akzeptablen Rahmen für den Wiederaufbau des von Saddam Hussein ausgehungerten und zerstörten Landes.

Darüber, dass Powell der Welt bisher nicht eine der bei seinem Medienspektakel im Sicherheitsrat am 5. Februar vorgestellten irakischen Massenvernichtungswaffen vorweisen kann, wurde kein Wort verloren. Vergessen scheint auch die Kluft zwischen den Lager der einstigen Kriegsbefürworter und -gegner, die selbst die Minister bei ihren wiederholten Zusammenkünften in New York nicht überwinden konnten.

Dennoch galt auch an diesem Donnerstag im Prinzip das, was der Politikwissenschaftler John J. Mearsheimer von der Universität Chicago vor dem Irak-Krieg gesagt hatte: Der Regierung Bush sei mit ihrer massiven Kampagne gelungen, „eine Aura des Unvermeidbaren zu schaffen“. Der Unterschied ist nach Meinung von Diplomaten nur, dass beide Seiten dazugelernt haben.

Washington demonstrierte mit seiner dreifachen Neufassung des Resolutionsentwurfes, dass es die Sorgen der Europäer - bedingt - ernstzunehmen gewillt ist. Das Trio Paris, Berlin und Moskau auf der anderen Seite weiß, dass weitere Absagen an Washington sowohl ihnen als auch den Vereinten Nationen nur schaden würden.

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