Nach den Anschlägen in Spanien
Terror-Verdächtige vor Ermittlungsrichter

Nach dem Terroranschlag von Barcelona stehen vier mutmaßliche Mitglieder der Terrorzelle vor Gericht. Die Ermittler erhoffen sich davon Informationen über den Haupttäter – und seine Verbindungen nach Paris.
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Madrid Die vier überlebenden mutmaßlichen Mitglieder der Terrorzelle von Ripoll sind am Dienstag in Madrid vor Gericht erschienen. Nach ihren Aussagen soll Richter Fernando Andreu entscheiden, ob die Beweise gegen sie ausreichen, um sie weiter in Untersuchungshaft zu halten. Die übrigen acht Mitglieder der zwölfköpfigen Zelle sind tot. Der Fahrer des Wagens, der am vergangenen Donnerstag in Barcelona 14 Menschen getötet hatte, war als letzter Flüchtiger am Montag erschossen worden.

Damit konzentrieren sich die Ermittler nun auf die Aktivitäten der Zelle vor den Anschlägen und auch mögliche Verbindungen ins Ausland. So war das von den Attentätern in Cambrils benutzte Auto wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung im Raum Paris geblitzt worden. Entsprechende Medienberichte bestätigte der französische Innenminister Gérard Colomb am Dienstag in einem Interview des Senders BFM-TV. Den Tag oder den genauen Ort nannte er nicht.

Die Gruppe sei nach Paris gekommen, „aber es war eine schnelle Ankunft und Abreise“, sagte er. Die Tageszeitung „Le Parisien“ hatte am Montag berichtet, das Auto habe den Raum Paris etwa eine Woche vor den Anschlägen mit insgesamt 15 Toten vom Donnerstag und Freitag passiert. Andere Zeitungen schrieben, der Wagen sei auch in der Region Essonne südlich der französischen Hauptstadt gesehen worden.

Collomb sagte, die französischen und spanischen Behörden arbeiteten mit Blick auf die Anschläge eng zusammen. Die Terrorzelle sei aber rein spanisch, in Frankreich sei sie nicht bekannt gewesen.

Tatsächlich stammten alle der zwölf identifizierten mutmaßlichen Mitglieder der Zelle aus dem kleinen Ort Ripoll. Fünf von ihnen wurden bei der Attacke in Cambrils von der Polizei erschossen, nachdem sie eine Frau überfahren hatten. Zwei weitere, darunter der Imam, der möglicherweise der ideologische Kopf der Gruppe war, wurden bei einer unbeabsichtigten Explosion in der Bombenwerkstatt der Zelle in der Stadt Alcanar getötet. Dort planten die Attentäter offenbar einen noch verheerenderen Anschlag mit Sprengstoff, gingen nach der Explosion aber zu einem Alternativplan über, den Attacken in Barcelona und Cambrils. Die Terrormiliz Islamischer Staat bekannte sich zu den Taten.

Bei dem Anschlag in Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas am Donnerstag und einem vereitelten Attentat in der Stadt Cambrils starben insgesamt 15 Menschen, mehr als 120 wurden verletzt. Die zwölf mutmaßlichen Angehörigen der islamistischen Terrorzelle sind nach Angaben des katalanischen Polizeichefs Josep Lluís Trapero alle tot oder in Haft.

Auch der als Kopf der Terrorzelle gesuchte Imam Abdelbaki Es Satty ist tot. Der Mann sei wie vermutet am vergangenen Mittwoch bei der Explosion in einem Haus in Alcanar südlich von Barcelona ums Leben gekommen, sagte Trapero am Montagabend. In dem Haus sollen die Terroristen ihre Anschläge geplant haben.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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