Nach Doppelmord in Moskau
Gorbatschow nimmt sich Medwedjew zur Brust

Der Doppelmord an einem Anwalt und einer Reporterin in Moskau hat nach Medienberichten zu einer Meinungsverschiedenheit zwischen Kremlchef Dmitri Medwedew und Ex-Staatsoberhaupt Michail Gorbatschow geführt. Gorbatschow habe bei einem Treffen mit Medwedew seinen Unmut darüber zum Ausdruck gebracht, dass der Präsident den Verwandten der Opfer kein Beileidsschreiben geschickt habe.

HB MOSKAU. Das meldete die Agentur Interfax am Donnerstag unter Berufung auf den Chefredakteur der kremlkritischen Zeitung „Nowaja Gaseta“, Dmitri Muratow, der an dem Treffen teilnahm. Medwedjew habe zu der Kritik gesagt, er sei Jurist und wolle die Ermittlungen nicht beeinflussen. Eine Kreml-Sprecherin bestätigte das Treffen, wollte aber keine Details nennen.

Gorbatschow sagte, der Präsident habe ihm gegenüber die Bluttat als „freches Verbrechen“ bezeichnet. Der Menschenrechtsanwalt Stanislaw Markelow und die „Nowaja Gaseta“- Journalistin Anastassija Baburowa waren am 19. Januar von einem Unbekannten auf offener Straße erschossen worden. Im Gegensatz zu Medwedjew und zu Regierungschef Wladimir Putin, der sich bisher nicht zu dem Fall äußerte, hatte Außenminister Frank-Walter Steinmeier den Doppelmord sofort scharf verurteilt. Auf der Suche nach dem Täter ermittelt die Polizei auch in der russischen Neonazi-Szene.

Nach Angaben von Muratow sprach Gorbatschow, der Anteile an der „Nowaja Gaseta“ hält, mit Medwedjew auch über die Zunahme rechtsradikaler Gewalttaten in Russland. Medwedjew habe dem Friedensnobelpreisträger zudem seine Unterstützung zugesagt, eine würdige Gedenkstätte für die Opfer des Stalin-Regimes zu schaffen.

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