Nach Jury-Entscheid
Proteste weiten sich auf andere US-Städte aus

Die Wut über den Entscheid in Ferguson treibt die Bürger auf die Straße. In mehr als 100 Städten protestierten Menschen gegen das Justizsystem. Der Fall weckt Menschenrechtsfragen – und wird selbst in Moskau kommentiert.
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WashingtonDer Fall des Polizisten, der in Ferguson einen Schwarzen erschoss, und sich dafür nicht vor Gericht verantworten muss, hat zu landesweiten Protesten geführt. Wie der Sender CNN berichtete, gingen Demonstranten in New York, Los Angeles, San Francisco sowie etwa 170 weiteren Städten auf die Straße. In vielen von ihnen legten die Menschen den Verkehr lahm.

Auslöser der Proteste war die Entscheidung von Geschworenen in Ferguson bei St. Louis im US-Missouri, einen weißen Polizisten nicht vor Gericht zu bringen, der den schwarzen unbewaffneten Teenager Michael Brown erschossen hatte. Der Polizist Darren Wilson hatte Brown im August mit mehreren Schüssen niedergestreckt, weil er sich bedroht fühlte.

Auch in Ferguson kam es in der Nacht auf Mittwoch zu Zwischenfällen. Demonstranten blockierten Straßenkreuzungen und griffen einen Wagen der Polizei an. An der Polizeizentrale des Vorortes von St. Louis versammelte sich eine Menschenmenge. Die Polizei forderte die Demonstranten auf, die Straßen zu räumen, und drohte mit Festnahmen.

Am Dienstagabend meldete sich der Polizist, der die tödlichen Schüsse auf Brown abgegeben hatte, erstmals öffentlich zu Wort. Er bedauere den Tod Browns, würde aber nicht anders handeln, sagte Wilson dem TV-Sender ABC. Er habe im August um sein Leben gefürchtet und nur seinen Job getan. Er habe ein reines Gewissen, sagte Wilson nach Angaben des Senders. Es sei das erste Mal gewesen, dass er seine Waffe benutzt habe.

Bei vielen US-Bürgern hat der Fall Michael Brown Zweifel am Justizsystem der USA aufkommen lassen. Deshalb soll er nun auch bei einer Anhörung im Senat in Washington zur Sprache kommen. Der demokratische Senator Richard Durbin kündigte am Dienstag an, dass sich der Unterausschuss für Verfassung und Bürgerrechte der Kongresskammer am 9. Dezember mit Ungleichbehandlungen im Justizsystem auf Grundlage der Hautfarbe befassen werde. Die Vorgänge in Ferguson würden die Notwendigkeit zeigen, „Polizeipraktiken neu zu bewerten und zu reformieren“.

Nach der Gewalteskalation in Ferguson müssen sich die USA zudem internationale Kritik anhören. Unter anderem macht Russland den USA schwere Vorwürfe. Die Unruhen nach dem Verzicht auf eine Anklage wegen der tödlichen Polizeischüsse auf einen schwarzen Teenager seien „ein weiteres und sehr besorgniserregendes Zeichen“ für die US-Regierung, erklärte das russische Außenministerium am Dienstag.

Es zeige, dass es für Washington „endlich an der Zeit“ sei, die „massiven internen Problemen“ bei der Einhaltung der Menschenrechte anzugehen. Washington täte gut daran, sich mit den eigenen Unzulänglichkeiten zu befassen anstatt anderen Ländern „mit Hilfe von Propaganda Moral zu predigen“, heißt es weiter in der Erklärung. Die Beziehungen zwischen den USA und Russland befinden sich gegenwärtig auf einem Tiefpunkt, insbesondere wegen der anhaltenden Krise in der Ukraine.

Kommentare zu " Nach Jury-Entscheid: Proteste weiten sich auf andere US-Städte aus"

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  • Wie WAHR - wie WAHR Herr Meisenkaiser

    Die "WIKI" muss den Eintrag über APARTHEID neu schreiben

    21-Jahrhundert auch in den USA
    Herr Obama wird vorgeführt, und erklärt noch der Nation:
    Wenn 9 weisse im G.Juri so entschieden haben, müssen wir
    es so hinnehmen.
    Das nennt also Obama (Demokratie) die er der ganzen Welt
    mit milit.-Gewalt aufzwingen will.
    Dann wundert es mich auch nicht, dass aus eiinem
    (Unrechtstaat) die BK und BP auf seiner Seite sind.

    Aber das Volk meint ja auch "Demokratie" ist der freie/
    kostenlose Zugang zu whats-App und Facebook.

    So wird auch die Strassenverkehrsordnung auf die
    Geschwindigkeitsmessung reduziert, und die Bltzerfirmen
    nennen sich "Mutter-Teresa"
    Erhalten dafür sogar Baugenehmigung dreigeschossig im
    Einflugsbereich zum Fogelschutzgebiet.

    WISSEN wird ducht Fehlbildung vom Staat gefördert.

  • Die USA haben sich längst von Menschenrechten verabschiedet, und verabschiedet sich immer mehr.
    Der 11.September war ein Segen für diesen Prozeß. Alle Gesetzte, die zufällig in der Schublade lagen, traten in kürzester Zeit in Kraft. Sie alle perfektionierten die Überwachung durch den Staat.

    Und keines dieser Gesetzte hätte die Geschehnisse am 11.September - so wie sie publiziert wurden - verhindert.

  • soweit mir bekannt ist musst Du aufjedenfall durchgefüttert werden, das regt hier ja alle auf.

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