Nach Morddrohungen
„Spiegel“ bringt Türkei-Korrespondenten in Sicherheit

Hetzkampagne und Morddrohungen: „Spiegel“-Reporter Hasnain Kazim wird nach Berichten zum Grubenunglück in der Türkei massiv angefeindet. Jetzt zieht der Verlag Konsequenzen und holt den Journalisten zurück nach Hamburg.
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IstanbulDas Nachrichtenmagazin „Spiegel Online“ holt seinen Türkei-Korrespondenten Hasnain Kazim vorübergehend zurück nach Deutschland. Das sagte Florian Harms, stellvertretende Chefredakteur, gegenüber „Zeit online“.

„Wir holen ihn nur für einige Tage zurück“, sagte Harms. Kazim werde in den kommenden Tagen auch von Hamburg aus weiter über die Türkei berichten. „Es geht um die Sicherheit unseres Korrespondenten. Die geht immer vor.“

Nach seiner regierungskritischen Berichterstattung über das Grubenunglück in Soma wurde Hasnain Kazim mit dem Tod bedroht. „Die Hetzkampagne nimmt absolut an Aggressivität zu“, sagte Kazim der Nachrichtenagentur dpa in Istanbul. Kazim hatte einen Bergmann in Soma in einer Überschrift bei „Spiegel Online“ am vergangenen Mittwoch mit den Worten zitiert: „Scher Dich zum Teufel, Erdogan!“ Regierungsanhänger und regierungsnahe Medien erweckten danach den Eindruck, „Der Spiegel“ selber wünsche Erdogan zum Teufel.

Auf Twitter begann unter dem Hashtag #ScherDichZumTeufelDerSpiegel eine Kampagne gegen das Magazin und Kazim. Er habe inzwischen rund 10.000 E-Mails, Tweets und Facebook-Nachrichten erhalten, sagte der Korrespondent. Darunter seien Drohungen wie „Wenn wir Dich auf der Straße sehen, schneiden wir Dir die Kehle durch“. In anderen Nachrichten werde er als „jüdischer Feind“ Erdogans beschimpft. Über soziale Medien werde dazu sein Foto verbreitet.

Kazim sagte, die Kampagne scheine organisiert zu sein. „Das sieht man auch daran, dass einige Twitter-Accounts nur mir folgen und sonst keine Kontakte haben.“ Kazim hatte zunächst mit einem auch ins Türkische übersetzten Bericht auf „Spiegel Online“ auf die Kritik reagiert. Danach nahmen die Anfeindungen zu. Die regierungsnahe Zeitung „Yeni Safak“ warf Kazim vor, Erdogan zu beleidigen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Nach Morddrohungen : „Spiegel“ bringt Türkei-Korrespondenten in Sicherheit "

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  • Um den Irrsinn aufzuzeigen, soll noch ein Vorfall erwähnt werden. Zur Erinnerung: Erdogan-Berater tritt am Boden liegenden Mann. Die Folge: Der Berater holt ein Attest und das Opfer wird verklagt - Toll! Das hat auch der Innenminister explizit bestätigt. In der Türkei herrscht mittlerweile die Logik: Nicht der Verbrecher, Dieb etc. ist schuld, sondern der Bürger, der das anzeigt.

  • @ hiki

    Es geht hier nicht um Interpretationen, Meinungen und Verschwörungstheorien. Die Aussage des geohrfeigten wurde vor laufender Kamera gemacht. Er hat es nicht verneint, sondern gesagt, dass er Verständnis für die Ohrfeige habe, da Erdogan enorm unter Stress stehe, außerdem hat er die Bodyguards verurteilt, da er von ihnen massiv am Boden getreten wurde.
    Seltsam finde ich nur, dass man alle Religionsgeschichten glaubt die über jahrhunderte tradiert wurden, aber eindeutige Videoaufzeichnungen und Tonmitschnitte werden verleugnet.
    In einem rechtsstaatlichen Gerichtsverfahren würde man all diese technischen Mittel, als Beweise zulassen. Wer das alles leugnet ist einfach nur realitätsfern.

  • @Paria

    AKP hat vor einiger Zeit gerade deshalb Unfallverhütungsvorschriften und Gesundheit am Arbeitsplatz verabschiedet. Zu Zeiten CHP und Restopposition waren solche Bestimmungen passe.

    Es ist Fakt, dass die Bergwerksleitung alle Vorsichtsmaßnahmen, die diese Bestimmungen enthalten nicht beachtet hat. Die vorläufigen Berichte der Expertenkommssion und der Oberstaatsanwalt bestätigen es. Also es lag nicht an den fehlendengestzlichen Bestimmungen wie CHp behauptet.

    Es ist richtig, dass die meisten Unfälle in derTürkei passieren. Die Regierung wird die Schutzmaßnahmen weiter verschärfen um die Anzahl der Unfälle insgesamt zu minimieren. Dazu reicht es leider nicht nur neue Bestimmungen sondern erfordetauch Metalittswandel, wie sie in Unternehmen umgesetzt werden.

    Das mit der Ohrfeige wareine Niete. Der Betroffene hat dies selbst verneint und widerrufen. Lesen Sie im Internet nach.Es war nicht so wie Erdogan und Türkeibasher türkische Rufmordmedien es gerne weiter gegeben haben.

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