Nach Verurteilung
Berlusconi will Ausschluss aus Senat abwenden

Der italienische Senat entscheidet am Montag über einen Ausschluss von Silvio Berlusconi aus dem Oberhaus. Der Ex-Ministerpräsident will dies verhindern – und bittet den Europäischen Gerichtshof in Straßburg um Hilfe.
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RomEin Ausschuss des italienischen Senats nimmt am Montag in Rom seine Beratungen über einen Ausschluss des ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi aus dem Oberhaus auf. Berlusconi war am 1. August wegen Steuerbetrugs bei seinem Medienkonzern Mediaset erstmals rechtskräftig verurteilt worden. Seine vierjährige Haftstrafe wurde wegen einer Amnestieregelung automatisch auf ein Jahr verkürzt. Wegen seines Alters muss der 76-Jährige diese Strafe außerdem nicht im Gefängnis verbüßen, sondern kann wählen, ob er sie in Hausarrest absitzt oder Sozialarbeit leistet. Die Anhänger Berlusconis haben bereits mehrfach mit einem Bruch der Regierungskoalition in Rom gedroht, sollte ihr Idol seinen Senatorenposten verlieren.

Berlusconi selbst hofft stattdessen auf Hilfe des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Nach seiner Verurteilung wegen Steuerbetrugs hat er nun die Rechtshüter in Straßburg angerufen. Damit will er den drohenden Verlust seines Sitzes im Senat verhindern. Sein Vertrauter, Innenminister Angelino Alfano, sagte am Sonntag, die Petition vor dem EU-Gerichtshof zeige, dass „der Fall Berlusconi noch nicht abgeschlossen ist“. Er gab keine Details dazu, wann und auf welcher Basis die Petition formuliert wurde. Ein Verlust des Senatssitzes wäre wahrscheinlich das Ende von Berlusconis politischer Laufbahn.

„Wir sind wirklich überzeugt, dass wir auf europäischer Ebene eine Unschuld feststellen können, die in Italien bisher nicht möglich war“, sagte Alfano. Das oberste Strafgericht Italiens hatte Ende August die Verurteilung von Berlusconi zu vier Jahren Haft wegen Steuerbetrugs bestätigt. Der zweite Teil der Strafe – Berlusconi darf fünf Jahre keine öffentlichen Ämter mehr bekleiden – wird allerdings von einem anderen Gericht noch einmal überprüft.

Am Montag will ein Ausschuss des italienischen Senats seine Beratungen darüber aufnehmen, ob der 76-Jährige seinen Senatssitz abgeben muss. Dabei stützt sich der Senat auf ein 2012 verabschiedetes Gesetz, demzufolge diejenigen, die zu mehr als zwei Jahren Haft verurteilt werden, sechs Jahre lang keine öffentlichen Ämter bekleiden dürfen. Berlusconis Anwälte halten jedoch dagegen, dass dieses Gesetz nicht rückwirkend auf ihn angewandt werden könne.

Der Präsident des Senats, Dario Stefano sagte jedoch der italienischen Zeitung „Il Messaggero“, der Ausschuss werde unabhängig von der Petition seine Arbeit aufnehmen. „Was werden wir tun, wenn der Gerichtshof zehn Jahre braucht, um Berlusconis Petition zu bewerten?“ Er glaube, das Gesetz „befiehlt uns“, jetzt zu entscheiden, ob Berlusconi seinen Sitz verliert oder nicht, sagte Stefano.

Berlusconi sieht sich als Opfer einer politisch links eingestellten Justiz. Es war das erste Mal, dass der Milliardär rechtskräftig verurteilt wurde. Im konkreten Fall ging es um Steuervergehen im Zusammenhang mit dem Verkauf von Filmrechten für Berlusconis Mediaset-Konzern.

Agentur
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AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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Associated Press / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Nach Verurteilung: Berlusconi will Ausschluss aus Senat abwenden"

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  • Berlusconi möchte doch nur seine vierjährige, bzw. auf ein Jahr verkürzte, Haftstrafe absitzen. Aber bitte nur im Oberhaus!

    Ciao bello ....

  • Liebe Redaktion,

    einem Qualitätsmedium wie dem Handelsblatt steht es äußerst schlecht zu Gesicht, wenn es - nach Jahren intensivster Krisenberichterstattung - noch immer den Unterschied zwischen Europäischem Gerichtshof (EuGH = EU-Institution) und dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR = Organ des Europarats) nicht darstellen kann.

    Im Falle der Kenntnis dieses Unterschieds sollten Sie Ihrem Informationsauftrag auch nachkommen und sollte Unterschiede auch entsprechend darstellen. Ansonsten braucht sich die intellektuelle Elite, zu der Sie sich fraglos hinzurechnen, nicht wundern, dass seine Leser mit solchen Details überfordert sind.

    Eine Korrektur und zukünftige Berücksichtigung ist hier sicherlich angebracht.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Ihr Leser

  • Bekanntlich ist dieser Kerl mit allen Wassern gewaschen. Unser Rechtsstaat ist selbst schuld daran, dass solche Subjekte die aufgestellten Regeln zu Ihrer eigenen Gunst nutzen/mißbrauchen können. Die Intension war zweifelsohne eine andere als man die Regeln aufstellte. Kriminelle, Betrüger usw. lachen nur über uns.

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