Nachgefragt
"Chef des Geheimdienstes entlassen"

Wladimir Ryschow (38), fraktionsloser Abgeordneter in der Duma und einer der einflussreichsten liberalen Politiker Russlands, über die Tragödie in Beslan.

Was muss nach der Tragödie in Beslan passieren?

Wir müssen als erstes Antworten auf die wichtigsten Fragen bekommen: Wer ist eigentlich unser Feind? Waren das wirklich tschetschenische Geiselnehmer oder Täter aus der Nachbarrepublik Inguschetien, die dort die Politik ändern wollen? Wir konnte das überhaupt passieren, wer hat den Tätern geholfen? Hätte man die hohe Opferzahl verhindern können? Spielt sich in Russland wirklich eine Terrorserie ab, oder stehen hinter den einzelnen Anschlägen verschiedene Gruppen und mit welchen Motiven? Dann muss Russland politische Entscheidungen treffen, um das Terrorrisiko zu verringern.

Welche können das sein?

Wir dürfen jetzt nicht hart durchgreifen, wie unser Präsident es verlangt. Sondern wir müssen erst einmal alle diese wichtigen Fragen wirklich beantworten. Vor allem müssen wir klären, ob es so ist, wie Putin behauptet, dass Russland Opfer eines globalen Terrorprozesses ist, dem es sich nicht entziehen kann.

Muss Putin nicht auch personelle Konsequenzen ziehen?

Da die Geheimdienste wieder einmal absolut hilflos waren und wieder einmal einen schweren Terroranschlag nicht verhindern können, trägt der Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB, Nikolaj Patruschew, zweifellos die Verantwortung. Ich würde ihn entlassen, spätestens nach einer tiefgehenden Analyse der oben genannten Fragen.

Wie wollen Sie sicherstellen, dass nach diesem Terroranschlag tatsächlich aufgeklärt wird?

Putin darf das nicht nur im engen Kreis seiner Mitarbeiter und des Geheimdienstes tun. Wir brauchen dafür einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Sonst werden wir die Wahrheit nie erfahren.

Die Fragen stellte Mathias Brüggmann.

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