Nachgefragt: Erbprinz Alois
Erbprinz Alois: „Wir werden Missbrauch bekämpfen“

Erbprinz Alois ist nach den Hausgesetzen Liechtensteins zur Thronfolge bestimmt. Das Handelsblatt im Gespräch mit dem neuen Staatsoberhaupt über sein Amt, die hauseigene LGT-Bank und die Frage eines möglichen EU-Beitritts.

Handelsblatt: Durchlaucht, Sie beerben am Sonntag Ihren Vater als Staatsoberhaupt. Wie selbstständig werden Sie agieren?

Erbprinz Alois: Ab August übernehme ich sämtliche Funktionen des Staatsoberhauptes. Dabei werde ich die ganze Verantwortung haben und selbstständig agieren können. Aber natürlich hat der Fürst theoretisch die Möglichkeit, mich abzuberufen.

Sie sind Staatsoberhaupt, und Ihnen gehört mit der LGT die größte Bank des Landes. Laufen Sie da nicht Gefahr, Politik und Wirtschaft zu eng miteinander zu verknüpfen?

Nein. Ich sehe dies vielmehr als Vorteil für unser Land. Einerseits hat das Staatsoberhaupt so ein viel besseres wirtschaftliches Verständnis für die Dinge im Land, und andererseits ist die wirtschaftliche Unabhängigkeit auch Grundlage für die politische Unabhängigkeit des Fürstenhauses.

Die LGT ist auch deswegen erfolgreich, weil das Liechtensteiner Bankgeheimnis besonders rigide ausgelegt wird. Der Druck von außen, das Bankgeheimnis zu lockern, steigt. Was tun?


In Liechtenstein sind wir fest davon überzeugt, dass das Bankgeheimnis ein wichtiges Bedürfnis der Bankkunden befriedigt. Allerdings sind wir uns bewusst, dass das Bankgeheimnis auch für kriminelle Machenschaften missbraucht werden kann und wir im eigenen langfristigen Interesse gegen Missbrauch streng vorgehen müssen. Wir werden das Bankgeheimnis, wo es seine Berechtigung hat, verteidigen.

Wann gelingt es Liechtenstein, von der schwarzen Liste der OECD zu kommen, die das Land wegen seines Bankgeheimnisses rügt?


Das müssen sie die OECD fragen. Für uns ist die schwarze Liste der OECD bezüglich Informationsaustausch in Steuerfragen nur schwer nachvollziehbar. Warum sind Länder mit starkem Bankgeheimnis wie die Schweiz, Österreich oder Luxemburg nicht auf der Liste, Liechtenstein aber schon? Hat dies etwas damit zu tun, dass Liechtenstein als einziges dieser Länder nicht OECD-Mitglied ist?

Die Schweiz wird vom Sommer an anonym Steuern an die Herkunftsländer von Kontoinhabern abführen, die dort ihr Geld angelegt haben. Ist Liechtenstein zu einer ähnlichen Regelung bereit?


Ja. Wir haben uns bereits in den Grundzügen auf eine ähnliche Lösung geeinigt. Ein Grund mehr zu fragen, warum wir auf der Liste der OECD sind und die Schweiz nicht.

Können Sie sich auch eine EU-Mitgliedschaft vorstellen?


Einen EU-Beitritt halte ich momentan nicht für möglich. Wir müssten den Beamtenapparat massiv vergrößern und Rechtsvorschriften übernehmen, die wir nicht wollen. So ist auch eine EU-Präsidentschaft Liechtensteins kaum vorstellbar. Aber die EU entwickelt sich stetig weiter. Deshalb soll man niemals nie sagen.

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