Nachgefragt: Roger Altman
„Wall Street ging es unter Clinton besser“

Altman ist Vorsitzender der Investmentfirma Evercore Partners und Wirtschaftsberater von Kerry. Er war unter Clinton stellvertretender Finanzminister.

Herr Altman, warum sollte sich die deutsche Wirtschaft über einen Präsidenten Kerry freuen?

John Kerry möchte zur Wirtschaftspolitik der Clinton-Ära in den 90er- Jahren zurückkehren. Damals gab es einen Wohlstand wie nie zuvor für Amerikaner aller Einkommensgruppen. Wir hatten eine starke Periode des Handels, auch zwischen Deutschland und Amerika.

Aber die US-Wirtschaft wächst doch derzeit sehr ordentlich.

Seit Beginn der konjunkturellen Erholung im Januar 2002 haben wir in Amerika das langsamste Wachstum innerhalb einer Aufschwungsperiode seit 60 Jahren. Gleichzeitig wurden noch nie so wenig neue Jobs geschaffen. Und die Realeinkommen sind sogar gesunken. Nicht zu vergessen der Netto-Rückgang bei den Exporten. Im Vergleich zu den 90er-Jahren ist die Gesamtbilanz von Präsident Bush keineswegs gut.

Kerry hat angekündigt, dass er alle Handelsabkommen auf Arbeitnehmer- und Umweltstandards überprüfen wolle. Wie soll das funktionieren?

Kerry hat bei der Umsetzung von Handelsabkommen mehr Wachsamkeit als Bush versprochen. Seit Gründung der Welthandelsorganisation (WTO) hat die gesamte Bush-Regierung weniger Fälle vor die WTO gebracht als die Clinton-Regierung im Schnitt pro Jahr.

Heißt dies, dass es unter Kerry mehr WTO-Verfahren geben wird?

Nach Ansicht von Kerry wurden die Verträge in der Bush-Ära nicht konsequent genug befolgt. Er hat jedoch keinesfalls gesagt, dass er irgendeines der bereits in Kraft getretenen Handelsabkommen kippen möchte.

Und wenn ein Land sich weigern würde, Arbeitnehmer- und Umweltstandards in ein bilaterales Abkommen aufzunehmen: Würde der Vertrag dann aufgelöst?

Nein. Kerry will an den bestehenden Handelsabkommen festhalten. Aber sie sollten strenger befolgt werden. Über eine Aufnahme von Arbeitnehmer- und Umweltstandards in künftige bilaterale Handelsverträge muss aber verhandelt werden. In multilateralen Verträgen wie etwa einem Doha- Abkommen müssen diese Normen nicht enthalten sein.

Beide Präsidentschaftskandidaten wollen das Haushaltsdefizit innerhalb von vier Jahren halbieren. Wo liegt der Unterschied?

Da gibt es fundamentale Unterschiede. Kerry hat angekündigt, zu den zwei Grundregeln solider Haushaltsführung zurückzukehren, die zwischen 1990 und 2000 gültig waren: Alle Ausgabenerhöhungen und Steuersenkungen sollen mit Ausgabenkürzungen oder Steuererhöhungen an anderer Stelle gegenfinanziert werden. Zweitens gilt für alle Ausgabensteigerungen außerhalb des Verteidigungsetats die Inflationsrate als Obergrenze. Bush lehnt beide Regeln ab.

Seite 1:

„Wall Street ging es unter Clinton besser“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%