Nahost-Experte befürchtet Bürgerkrieg im Libanon
Beisetzung Gemayels gerät zum Massenprotest gegen Syrien

Hunderttausende von Libanesen sind am Donnerstag auf die Straße gegangen, um den ermordeten anti-syrischen Industrieministers Pierre Gemayel auf seinem letzten Weg zu begleiten. Der Trauerzug geriet zu einem lautstarken Protest gegen die langjährige Besatzungsmacht Syrien. Nahost-Experte Abdel Mottaleb el Husseini fürchtet eine Eskalation der Situation: „Die Gefahr eines Bürgerkriegs ist sehr groß“, sagte er im Interview mit Handelsblatt.com.

HB/hac BEIRUT. Applaus, Gewehrschüsse und Kirchenglocken begleiteten den Sarg des ermordeten Ministers durch die Straßen von Beirut. In der Menschenmenge wurden Bilder des syrischen Präsidenten Baschar al Assad verbrannt. Der Leichnam Gemayels sollte vom Stammsitz seiner Familie in Bikfaja nordöstlich von Beirut zu einer Kirche in der Hauptstadt gebracht werden.

Die anti-syrische Regierungsmehrheit hatte die Libanesen aufgerufen, aus der Beerdigung eine Demonstration „für die Freiheit“ zu machen. Ministerpräsident Fuad Siniora, zu dessen Koalition Gemayel gehörte, hatte die Schließung aller Schulen und Behörden an diesem Donnerstag angeordnet.

Der 34-jährige Gemayel wurde am Dienstag von einem unbekannten Täter in seinem Auto erschossen. Der Mordanschlag rief international Bestürzung und Sorge um die politische Entwicklung im Libanon hervor. Das Attentat auf Gemayel erinnert an die Ermordung des früheren Regierungschefs Rafik Hariri im Februar 2005. Danach fand sich Syrien unter internationalem Druck zum Rückzug seiner Truppen aus dem Libanon bereit.

Der Zorn der Trauerversammlung richtete sich am Donnerstag auch gegen Staatspräsident Emile Lahud, der als Parteigänger Syriens gilt. Auf Transparenten wurde sein Rücktritt verlangt. Lahud hielt sich am Donnerstag im Präsidentenpalast auf, die Sicherheitsvorkehrungen vor dem Gebäude wurden massiv verstärkt.

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