Nahost-Konflikt
Israel bombardiert Innenministerium der Hamas

Die Appelle des Uno-Generalsekretärs verhallen ungehört: Die Kämpfe im Gazastreifen gehen weiter. Die israelische Luftwaffe bombardierte das Innenministerium der in dem Küstenstreifen herrschenden radikal-islamischen Hamas. Mehr als 300 Menschen sollen inzwischen gestorben sein.

HB TEL AVIV/GAZA. Die israelische Luftwaffe hat den dritten Tag in Folge Angriffe auf den Gazastreifen geflogen. Dabei nahmen Kampfflugzeuge am Montag auch das Innenministerium der in dem Küstenstreifen herrschenden radikal-islamischen Hamas unter Beschuss. Zudem wurde nach Hamas-Angaben bei einem Luftangriff ein Laborgebäude der Islamischen Universität in Gaza zerstört. Eine Sprecherin der israelischen Armee erklärte, die Einrichtung sei von der Hamas zur Entwicklung von Waffen und Sprengstoff genutzt worden. Die Zahl der Toten bei den israelischen Angriffen stieg inzwischen auf mehr als 300.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Konfliktparteien zu einem sofortigen Ende der Gewalt auf und schaltete das Nahost-Quartett ein. Neben den UN gehören dem Vermittler-Quartett die Europäische Union, die USA und Russland an. Israel hatte die Luftangriffe am Samstag als Reaktion auf die anhaltende Raketenangriffe radikaler Palästinenser gestartet, nachdem die Hamas vor rund einer Woche eine sechsmonatige Waffenruhe aufgekündigt hatte.

Premier Ehud Olmert stimmte seine Landsleute auf eine lange Militäroperation ein und bat um Geduld, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen. Zahlreiche gepanzerte Fahrzeuge rollten in Richtung Gazastreifen, der 2005 an die Palästinenser zurückgegeben worden war. Verteidigungsminister Ehud Barak drohte der radikal-islamischen Hamas, Israel werde notfalls mit Bodentruppen einmarschieren und so die Angriffe militanter Palästinenser mit selbst gebauten Raketen unterbinden.

Trotz aller Mahnungen des Uno-Sicherheitsrats setzten Israel und militante Palästinenser am Sonntag ihre Angriffe fort. Allein in den ersten 24 Stunden starben bis zum Sonntag über 280 Menschen, mehr als bei jedem anderen Angriff im Konflikt mit den Palästinensern seit Gründung des jüdischen Staates vor 60 Jahren. Am Sonntag, dem zweiten Tag der Operation, wurde israelischen Angaben zufolge der wichtigste Sicherheitskomplex der Hamas zerstört.

Israelische Kampfflugzeuge beschossen zudem Schmugglertunnel, die unter der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten entlangführen. Rund 40 Tunnel seien bombardiert worden, sagte eine Armeesprecherin auf Anfrage. Zuvor hatten palästinensische Augenzeugen berichtet, dass israelische Kampfflugzeuge ein schmales Stück unbewohntes Land an der Grenze zwischen dem Gazastreifen zu Ägypten beschossen hatten. Bei dem Angriff sei niemand verletzt worden.

Unter der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten sind nach palästinensischen Angaben rund 600 Tunnel gegraben worden. Mehr als hundert weitere werden derzeit gebaut. Die Palästinenser schmuggeln vor allem Zigaretten, Treibstoff, Kleidung sowie elektrische Geräte. Israel wirft der radikalislamischen Hamas vor, durch diese Tunnel auch Raketen, Waffen und Bargeld zu schmuggeln.

Im Zuge des Konflikts kam es am Sonntag zu Zwischenfällen an den Grenzen zu Ägypten sowie zum Libanon. An der Grenze des Gazastreifens zu Ägypten versuchte die ägyptische Polizei nach Angaben von Augenzeugen mit Waffengewalt, ein Eindringen von Palästinensern auf ägyptisches Gebiet zu verhindern. Krankenhäuser in Gaza berichteten, zehn Personen hätten bei den Vorfällen in Rafah Schussverletzungen erlitten. Offenbar gelang es aber dutzenden Palästinensern, auf ägyptisches Gebiet vorzudringen. Ein Reuters-Journalist traf mehrere Palästinenser auf der ägyptischen Seite der Grenzmauer. Sie berichteten, durch Löcher auf die andere Seite gekommen zu sein. Woher die Löcher kamen, war zunächst unklar.

Aufruf zu Selbstmordattentaten

Im Südlibanon verletzten nach Angaben aus libanesischen Sicherheitskreisen fünf israelische Kampfflugzeuge den Luftraum über dem Nachbarland. Das Geschwader sei vom grenznahen Bint Dschbeil zum Mittelmeerhafen Tyrus geflogen, hieß es weiter aus Beirut. Vor dem Hintergrund der massiven israelischen Luftangriffe auf den Gazastreifen wurde die Lage im südlibanesischen Grenzgebiet zu Israel als gespannt beschrieben.

Hamas und andere radikale Gruppen riefen zu Angriffen und Selbstmordattentaten gegen Israelis auf. Auch aus Iran wurde Rache geschworen. Hamas-Führer Ismail Hanija nannte die Angriffe das schrecklichste je in Palästina begangene Massaker. Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas gab der Hamas die Schuld an der Gewalteskalation. Sie hätte die Offensive verhindern können, wenn sie sich an den Waffenstillstand gehalten hätte. Der Iran rief Muslime in aller Welt auf, die Palästinenser zu verteidigen. In einem religiösen Erlass von Staatsführer Ajatollah Ali Chamenei hieß es, die Verteidigung schutzloser Frauen, Kinder und der Menschen im Gaza-Streifen mit allen Mitteln sei eine Pflicht für alle palästinensischen Kämpfer sowie alle gläubigen Muslime.

Begonnen hatte der Überraschungsangriff der Israelis am Samstag, dem jüdischen Feiertag Schabbath. Er richtete sich gegen zentrale Einrichtungen der in Gaza herrschenden radikalislamischen Hamas. Israelischen Armeekreisen zufolge griffen 64 Kampfflugzeuge gleichzeitig mehr als 50 Einrichtungen der Hamas an und warfen allein in den ersten neun Stunden der Offensive mehr als 100 Tonnen Bomben ab. Zahlreiche von der Hamas genutzte Gebäude, Trainingsgebiete und andere Infrastruktur wurden zerstört. Auch mehrere führende Hamas-Mitglieder, darunter der Polizeichef und der Hamas-Sicherheitschef, wurden getötet. Am Sonntagnachmittag wurde die Zahl der Toten von palästinensischer Seite mit 287 und die der Verletzten mit über 700 angegeben.

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