Nahostgipfel
Die Angst vor Annapolis

Jerusalem – besetztes Territorium oder Teil des Staates Israel? Die Zerrissenheit des Landes spiegelt sich in der gegenseitigen Abschottung von Juden und Arabern wider. Nun soll in dieser Woche ein neuer Nahostgipfel Frieden bringen, das Interesse an einer Einigung ist hoch. Doch was denken die Menschen, über deren Zukunft entschieden wird? Ein Ortsbesuch.

JERUSALEM. Gerade dreht ein Team von Voice of America im zweistöckigen Haus von Ahmad Askaar. Al Dschasira war auch schon da, genauso wie ein japanisches Kamerateam und eines vom israelischen Fernsehen, um nur einige zu nennen, sagt der Hausherr stolz.

Die Familie Askaar lebt in Ost-Jerusalem und erlebt derzeit eine Invasion von Medienleuten aus der ganzen Welt. „Aber was hilft es uns?“ seufzt Askaar so laut, als ob er auf diese Frage keine Antwort erwarte.

Warum sie alle hierher kommen? Weil die Askaars ein Unikum sind: Die palästinensische Familie lebt in Pisgat Zeev, einem jüdischen Stadtteil Jerusalems, nur wenige Meter sind es bis zu ihren jüdischen Nachbarn. Kontakte zu ihnen pflegen die Palästinenser nicht, Juden und Araber leben mehr neben- denn miteinander. So werden die Kinder der Askaars jeden Morgen von einem Minitransporter abgeholt, der sie in palästinensische Schulen fährt. „Nicht einmal Milch kaufen wir in Pisgat Zeev“, sagt der 45-jährige Askaar.

Die palästinensische Gemeinschaft Jerusalems hat auf vielen Gebieten ihre Autonomie bewahrt. Sie hat ein eigenes Schulsystem, auch beim öffentlichen Verkehr ist sie eigenständig, und bei den Heiligen Stätten kontrollieren Moslems und Christen ihr jeweiliges Eigentum.

Die Palästinenser aber nennen Pisgat Zeev nicht „Stadtteil“ oder „Viertel“ – sondern „Siedlung“. Sie halten sich an das internationale Recht, wonach Ost-Jerusalem besetztes Territorium ist. Nach traditioneller israelischer Auffassung aber ist Ost-Jerusalem Teil des Staates Israel. Ob das so bleibt, wird sich ab Dienstag zeigen: Dann treffen sich Vertreter von mehr als 45 Staaten zum Nahostgipfel in Annapolis, einem idyllischen Seglerörtchen im US-Bundesstaat Maryland, nicht weit von Washington entfernt. Die Voraussetzungen für eine Erneuerung des Friedensprozesses sind gut, sogar Saudi-Arabien und Syrien sind dabei, obwohl sie keine diplomatischen Beziehungen zu Israel unterhalten. Und im Vorfeld des Gipfels zeigt sich Premier Ehud Olmert zu territorialen Kompromissen bereit – auch in Jerusalem.

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