Naltschik
Russische Polizei beendet Geiseldrama im Kaukasus

Einen Tag nach Beginn der Kämpfe in der russischen Kaukasusrepublik Kabardino-Balkarien haben Sicherheitskräfte die Verstecke gestürmt, in dem Extremisten mehrere Geiseln festhielten. Alle Rebellen seien dabei getötet worden.

HB NALTSCHIK. Russischen Medienberichten zufolge befreiten die Einsatzkräfte eine Gruppe von Geiseln, die über Nacht in einer Polizeistation gefangen gehalten wurden. Auch eine zweite Geisel-Gruppe in einem Geschäft im Stadtzentrum festgehalten soll gerettet worden sein.

In der Hauptstadt Naltschik der Kaukasus-Republik Kabardino-Balkarien hatten am Donnerstag mindestens 100 Rebellen Anschläge auf Polizeigebäude und das Innenministerium verübt. 13 Bewohner, zwölf Polizisten und 61 Rebellen kamen dabei nach Polizeiangaben ums Leben. Die Rebellen berichteten von elf Toten in den eigenen Reihen. Am Freitagmorgen war die Lage in der Stadt nach den Worten von Sicherheitskräften unter Kontrolle.

„Alle Milizionäre sind getötet worden und alle Geiseln befreit. Im Prinzip ist der Einsatz vorüber“, sagte eine Polizeisprecherin. Der Nachrichtenagentur Interfax zufolge stürmten die Sicherheitskräfte das Gebäude, töteten acht tschetschenische Rebellen und befreiten die fünf Geiseln. Vertreter der Justizbehörden sagten dagegen, die Rebellen seien beim Fluchtversuch mit einem Minibus gegen einen Baum gefahren. Daraufhin habe die Polizei die Aufständischen getötet und die Geiseln in Sicherheit gebracht.

In dem Geschäft im Stadtzentrum hielten die Rebellen Justizangaben zufolge mehrere Frauen gefangen. Die Sicherheitskräfte hätten diese unter Einsatz schwerer Waffen befreit, berichteten Nachrichtenagenturen. Unklar war zunächst, wie viele Menschen am Freitag ums Leben kamen. Während die Nachrichtenagentur RIA Nowosti von 24 getöteten Soldaten und Polizisten sprach, war in anderen Berichten von 14 bis 24 toten Soldaten die Rede.

Russlands Staatschef Wladimir Putin hatte sich am Vortag eingeschaltet und den russischen Sicherheitskräften befohlen, die Kämpfer „auszulöschen“. Mit dem zügigen Eingreifen reagierte Putin auf Kritik nach dem Geiseldrama von Beslan im vergangenen Jahr. Damals starben mehr als 330 Menschen, nachdem tschetschenische Rebellen eine Schule überfallen und besetzt hatten. Russland wurde für das späte Eingreifen heftig kritisiert.

Naltschik liegt nahe des Krisenherds Tschetschenien. Russland führte zwei Kriege gegen Tschetschenien. Die Regierung in Moskau hat den Konflikt für beendet erklärt und spricht von einer Stabilisierung der Lage. Die Rebellen wollen nach eigenen Angaben ihre Angriffe fortsetzen, bis die russischen Truppen aus Tschetschenien abgezogen sind. Der Rebellen-Anführer Ahmed Sakajew sagte der Nachrichtenagentur Reuters, der Überfall in Naltschik sei erst der Beginn einer neuen Rebellen-Offensive. Russland müsse mit weiteren Anschlägen rechnen. „Das ist definitiv“, sagte Sakajew.

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