Nato-Gipfel
Vom Freund zum Feind

Die Nato will mehr Präsenz in Osteuropa zeigen. Auf dem heutigen Gipfel bereiten die Mitglieder den Weg für eine schnelle Eingreiftruppe. Abkommen mit Russland sollen dabei nicht gebrochen werden. Doch funktioniert das?
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DüsseldorfEs waren große Worte, die US-Präsident Obama bei seinem Besuch gestern im Baltikum gen Russland richtete. Vom „Zusammenstehen“ sprach er und davon, dass Russland einen hohen Preis für seine Aktionen bezahlen müsse und von einer Nato, die jetzt bereit sei mehr zu tun. Die Regierungschefs der ehemaligen Sowjetstaaten Estland, Lettland und Litauen dürften bei diesen Worten aufgeatmet haben. Sorgen sie sich doch, dass Russland nach der Intervention in der Ukraine nun auch vor ihren Landesgrenzen keinen Halt machen wird.

Seit Wochen lautet ihre Botschaft: Die Nato müsse den Willen zeigen, die östlichen Mitgliedstaaten im Falle einer russischen Aggression schnell zu verteidigen. Doch genau das - eine sofortige militärische Reaktion - dürfte bei den derzeitigen Strukturen im Osten schwierig sein. Denn die Stationierung anderer Nato-Truppen  in den östlichen Mitgliedsländern war bisher aus Rücksicht auf Russland tabu.

Auf dem heutigen Nato-Gipfel im walisischen Newport werden die 28 Mitgliedstaaten ihre Strategie deshalb neu justieren. Das Verteidigungsbündnis muss Antworten finden auf eine neue alte Bedrohung. Russland, das hat die designierte EU-Außenbeauftragte Frederica Mogherini, zuletzt deutlich gemacht, ist kein strategischer Partner mehr. Heute wird sich die Nato ihre originäre Aufgabe zurückbesinnen – die Verteidigung des Bündnisgebiets.

Einige Militärs dürfte das nicht einmal stören. Immerhin weiß das Bündnis jetzt wieder, wer der Böse ist. Doch Claudia Major, stellvertretende Leiterin der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik der Stiftung Wissenschaft und Politik, warnt, die Nato müsse jetzt die Balance finden, zwischen einer glaubhaften Rückversicherung der Nato-Mitglieder und einer Neuausrichtung, die Russland möglichst wenig provoziert.

Der Aktionsplan, den die Nato-Botschafter in den vergangenen Wochen ausgearbeitet haben und der nun in Wales zur Abstimmung auf dem Tisch liegt, soll deshalb unbedingt bestehende Vereinbarungen mit Russland einhalten.

Der  Plan sieht vor, die Nato-Präsenz in den östlichen Mitgliedstaaten zu stärken und eine schnelle Eingreiftruppe aufzubauen. Kampftruppen soll in Zukunft innerhalb weniger Tage einsatzfähig sein und ihren Standort rotieren - bisher dauert dies mehrere Monate. Voraussetzung dafür ist die Lagerung von Versorgungsgütern und Rüstungsdepots in den östlichen Mitgliedsländern, die Verfügbarkeit von Kommandozentralen und die Anwesenheit von Logistikexperten. Über die Details werden Militärs in den nächsten Wochen entscheiden.

Kommentare zu " Nato-Gipfel: Vom Freund zum Feind"

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  • @Frau mona mariposa

    aus dem empfohlenem Artikel:
    Putins Gegenwehr kam eigentlich alles andere als überraschend. Immerhin war der Westen, wie Putin nicht müde wurde zu betonen, in den Hinterhof Russlands vorgedrungen und hatte dessen strategische Kerninteressen bedroht.

    Die Staaten wie Georgien, Polen und die Baltischen Staaten als sein Hinterhof zu bezeichnen, kennzeichnet Putins Einstellung. Eine gütliche Einigung im Ukraine Konflikt erscheint mir als sehr schwierig.

    Dieser Artikel betrachtet alles ohne Demokratieverständnis und Eigenstaatlicher Unabhängigkeit. Es geht hauptsächlich darum ein Verständnis für Putins Expansionspolitik zu machen.

    Artikel:
    Einer russischen Zeitung zufolge ließ Putin in einem Gespräch mit Bush durchblicken, „dass die Ukraine, sollte sie in die NATO aufgenommen werden, aufhören werde zu bestehen“.

    Schönen Abend noch.

  • @Herr net shadow

    (...)
    Als brutaler Pragmatiker ist mir darum jede Ideologie im Prinzip fremd und nicht nachvollziehbar, sicherlich sehe ich auch eigene Vorteile und versuche sie, natürlich nur im gewissen Rahmen, durchzusetzen. Aber im destruktiven Verhalten der USA, EU und NATO sehe ich weder für mich persönlich noch für die Masse der betroffen westlichen Bürger einen Vorteil, sondern viel zu viele Nachteile. Mich interessiert also gar nicht so sehr was es für Russland bedeutet oder nicht bedeutet, sondern was es für mich, aber vor allem für die, die nach mir kommen bedeutet.

    (...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Tonkin Zwischenfall. Schweinebucht. Iraks WMD. Libyen. Jugoslawien. Kosovo. Und jetzt eben die Ukraine... mehr braucht nicht gesagt zu werden. Dann ist klar: Die NATO ist der Feind Russlands. Die NATO braucht Russland als Feindbild. Die NATO ist die operante Instrumentalisierung der blödsinnigen und verblendeten Europäer, die inständig hoffen, endlich eine Supermacht zu sein - dabei sollten sie mal bei Brzezinski und Wolfowitz nachschlagen. Und sich ein bisschen mit Geopolitik beschäftigen. Mit Währungen, Finanzsystemen, Leitwährungen, Rohstoffen, etc. Aber die Propaganda, dieses widerliche Trommeln in den MSM lässt die ideologisch Vergifteten jubeln. Aber merke: Im nächsten Krieg werden nicht nur russische und europäische Städte brennen. Erika hat so stolz berichtet, dass sie die Schlafwandler gelesen hätte. Verstanden hat sie den Inhalt offensichtlich nicht. Die dumme Bundes-Uschi, die einen Militärapparat mit einem Kindergarten verwechselt, ein gauckelnder Pfarrer, der schon die Waffen zum Kampf segnet, ein Guttenzwerg, der seine Verblödung bewiesen hat, die Grünsozialisten, die wie früher die Braunsozialisten sich ereifern... da kann man sich doch nur an den Kopf fassen. Diese kriegstreibende Gesinnung... da wird man sprachlos. Aber: Die Dummheit soll man nicht verachten; sie hat einen Hang zum Monumentalen!

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