Neue Flüchtlingsrouten
Über den Fluss Evros in ein besseres Leben

Das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei hat die Route über die Ägäis-Inseln weitgehend lahmgelegt: Wer illegal übersetzt, wird zurückgeschickt. An der griechisch-türkischen Grenze sieht das anders aus.
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Didymoticho Das Wasser ist kalt, die Strömung gefährlich. Die Ufer sind matschig und schwer zugänglich. Im Winter wirkt der Fluss Evros, der auf gut 150 Kilometern die türkisch-griechische Grenze bildet, wenig einladend. Wer aber vor Krieg und Terror geflohen ist, der lässt sich davon kaum abschrecken. Und im Vergleich zu einer waghalsigen Fahrt über das Mittelmeer ist der Weg nach Europa hier ohnehin fast ein Katzensprung.

Neuerdings hat diese Route noch einen weiteren Vorteil: Anders als auf den Inseln im Süden droht hier auf der anderen Seite nicht die direkte Abschiebung. Denn das Abkommen zwischen der Türkei und der EU, das seit März eine Rückführung von illegal eingereisten Flüchtlingen vorsieht, gilt nur für den Seeweg. Seit einigen Monaten wählen daher immer mehr Flüchtlinge den Weg über den Evros. Wer es hier schafft, hat gute Chancen auf eine Weiterreise in andere Länder Europas.

„Es war schrecklich kalt“, sagt der Iraner Kevin Mohamadi. „Wir waren eine Gruppe von 16 Leuten, darunter zwei afghanische Familien mit je vier Kindern.“ Nach Angaben des 37-Jährigen hatten die Flüchtlinge Schleuser dafür bezahlt, sie in einem Boot über den Fluss zu bringen. „Danach mussten wir vier Stunden durch einen Wald laufen, um nicht geschnappt zu werden.“

Eine genaue Statistik zur Zahl der illegalen Grenzübertritte am Evros gibt es nicht. Die wenigen vorliegenden Angaben weisen aber auf einen deutlichen Anstieg hin. Im Oktober wurden etwa 655 Flüchtlinge, die meisten von ihnen aus Syrien, sowie 33 Schleuser festgenommen. Das sind doppelt so viel wie noch im September. Nach Angaben der griechischen Polizei werden derzeit jeden Monat zudem etwa 4000 Personen durch gezielte Patrouillen am Grenzübertritt gehindert – fast dreimal so viele wie noch in diesem Sommer.

„Die Flüchtlinge kommen meist in einem Boot“, sagt Panagiotis Ageladarakis, Bürgermeister des etwa 1,5 Kilometer vom Evros entfernten Ortes Amorio. Der Fluss sei an einigen Stellen zwar bis zu 150 Meter breit, an anderen Stellen sei der Abstand zwischen den Ufern aber auch geringer. „Die Türken bringen sie herüber“, sagt Ageladarakis. „Anschließend gehen sie zu Fuß in unsere Dörfer. Das ist inzwischen ein ganz normaler Anblick.“

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Für 2000 Euro mit Schleusern nach Thessaloniki

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