Neue Industriepolitik
Hollande nimmt Frankreichs Zukunft in die Hand

Der Präsident will die französische Industrie wiederbeleben. Im Elysée bemuttert François Hollande einen Roboter und stellt einen bunten Strauß an Projekten vor – neue Arbeitsplätze will er aber nicht versprechen.
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ParisFrankreichs industrielle Wiedergeburt beginnt mit einem Blackout. Ausgerechnet als EADS-Technikvorstand Jean Botti voller Engagement am Donnerstag vor Hunderten Unternehmern und Journalisten über neue Flugzeuge mit Elektroantrieb redet, wird es finster im Festsaal des Elysée. „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts“, juxt Botti schlagfertig, und seufzt dann: „Mir bleibt auch nichts erspart.“

Schon vorher war ab und zu den Lautsprechern der Saft weggeblieben oder der Beamer in die Knie gegangen. Alte Technik, das ist die Schattenseite des goldverzierten Schlosses, in dem Frankreichs Staatschef amtiert. Die Mitarbeiter des Präsidenten bekommen rote Ohren, doch François Hollande selber nimmt es mit Humor: „Hier zu reden, ist immer voller Risiken – manchmal wegen der Inhalte und manchmal wegen der Rahmenbedingungen.“

Trotz der kleinen Panne war die Demonstration der 34 Projekte aus Energie, Transport und Gesundheitswesen, mit denen die sozialistische Regierung Frankreichs darbende Industrie wiederbeleben will, ein PR-Erfolg. Allein schon wegen der hübschen Bilder: Die Franzosen sind technikbegeistert. Wenn ihr Präsident sich modernste Produkte und Verfahren erklären lässt und dabei kluge Fragen stellt, kommt das gut an. Hollande lässt sich ein paar der Hochtechnologie-Vorhaben vorführen. Einen kleinen Roboter, der einmal eine Haushaltshilfe werden soll, nimmt er auf den Arm wie ein Baby, wobei der Plastikzwerg brav die Arme in den Schoss legt und sein sonst etwas loses Mundwerk hält. „Du bist der erste Roboter im Elysée“, sagt Hollande dem kleinen Gesellen fast zärtlich.

Auch er genießt es, mal nicht über Syrien, Giftgas und Vergeltungsaktionen reden zu müssen. Und in Festtagsstimmung ist sein Industrieminister Arnaud Montebourg, der das Industrieprojekt federführend vorbereitete. Vor ein paar Wochen stand er noch kurz vor dem Rausschmiss, nun steht er im Mittelpunkt eines durch und durch positiv wirkenden, gewichtigen Vorhabens der Regierung. Und er darf sich in der Gunst des Präsidenten sonnen, der extra vom vorbereiteten Redetext abweicht, um noch ein paar Streicheleinheiten für Montebourg unterzubringen. Das bringt ihm entscheidende Punkte im Dauerkampf mit seinem Rivalen, dem Finanzminister Pierre Moscovici: Während Montebourg sich als Monsieur Haute Technologie profiliert, muss Moscovici begründen, warum die Steuern steigen. Vielleicht sollte er sich einen Sprachroboter zulegen.

Kurios, wie unterschiedlich Hollande und Montebourg über Industriepolitik reden. Der Industrieminister schwingt sich in rhetorische Höhen empor: „Wir ziehen die richtigen Lehren aus der Kriegskunst und setzen im Kampf auf unsere Stärken. Diese 34 Projekte bringen Frankreich an die vorderste Front der technologischen Entwicklung.“ Von seinen martialischen Metaphern treibt der völlig entfesselte Minister zur „technologischen Grenze“, dann folgt die „energetische Grenze“ und schließlich die „gesellschaftliche Grenze“, und alle wird Frankreich dank seiner 34 Projekte überwinden.

Die Initiative zur Wiederbelebung der Industrie umfasst einen bunten Strauß: Computer für Enhanced Reality, Systeme zur Datensicherheit, den Hochgeschwindigkeitszug der Zukunft, Wasserkraftwerke im Meer, das Zwei-Liter-Auto, Smart Grids, leistungsfähige Textilien und Baustoffe aus Holz. Prominente Abwesende sind die Atomkraft und die Rüstungstechnik.

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„Unternehmen kennen Märkte und Kunden am besten“

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  • Was EADS betriff:
    Deutschland hat Schritt für Schritt die Kontrolle über diese Firma verloren bzw wahrscheinlich niemals ausreichend besessen, obwohl jetzt ein Deutscher an der Spitze steht.

    Deutschland soll ständig Geld reinbuttern, und Frankreich reißt sich die Firma unter den Nagel und profitert überwiegend in Form von mehr Produktionsstätten und Erlangung von deutschem Know How.

    Das neue Flug-Projekt Elektroantrieb sehe ich sehr kritisch, wegen des hohen Gewichtes der Batterien.

    Die Industrie-Projektoffensive Hollandes ist alles schön
    und gut, aber von woher soll das Geld kommen?

    Viele franz. Firmen haben große Probleme, da sitzt das Geld wohl nicht so locker.

    Wahrscheinlich stellt sich Hollande vor, Deutschland soll
    letztendlich zahlen.

    Prinzipiell gebe ich ihm allerdings recht, Europa muß mehr in die technologische(industrielle) Zukunft investieren!

    Mehr Geld in Forschung und Entwicklung! Viel Mehr!

    Die angesprochene Roboterforschung zum Beispiel ist ein wichtiges und letztlich lohnendes Ziel.

  • 'Naja' sagt
    --------------
    Hollande ist ein elender Populist. Mehr nicht... Wieso HB darauf kritiklos reinfällt ist mir rätselhaft.
    --------------

    Das Handesblatt berichtet.

    Kritik können wir ja üben, und wir tun es auch ausgiebig.

    Schließlich ist es eine gute journalistische Tradition, auch Hofbericherstattung zu betreiben.

    Es ist Aufgabe des mündigen Lesers, sich darauf einen Reim zu machen.

    Auch weiterhin möchte ich, daß neutral bis wohlwollende Berichte über die Mächtigen dieser Welt im Handelsblatt erscheinen.

    Oder daß Pseudo-Ökonomen wie Horn oder Boffinger ihren Unsinn ausführlich ausbreiten dürfen.

    Nur so ist eine lebendige Debatte möglich.

    Der freie deutsche Bürger braucht kein Zentralorgan, in dem jeder Artikel auf Linie gebürstet ist.

  • Sieht Augenzwinkert so aus, als wenn Hollande die Zukunft für Deutsche Kinderarmut in den Armen hält.

    Obwohl Japan uneinholbar an der Spitze im Roboterbau
    liegt, sollte Europa endlich mehr Geld für Forschung ausgeben.

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