Neue Russland-Sanktionen
Die Angst vor dem Wirtschaftskrieg wächst

In der Ukraine-Krise geht der Westen nun mit Sanktionen gegen russische Unternehmen vor. Das bekommen auch Europas Börsen zu spüren. Die deutsche Wirtschaft befürchtet einen Bumerang-Effekt - mit schlimmen Folgen.
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BerlinAls Helmut Schmidt vor einigen Monaten die von der Europäischen Union und den USA beschlossenen Sanktionen gegen Russland als „dummes Zeug“ bezeichnete, wollte ihm kaum einer beipflichten. Dabei war die Begründung, die er hinterherschob gar nicht so abwegig. Weiter gehende wirtschaftliche Sanktionen würden ihr Ziel verfehlen, sagte der Altkanzler damals. Auch sie hätten vor allem symbolische Bedeutung, „aber sie treffen den Westen genauso wie die Russen“. Nun scheint sich die Andeutung Schmidts zu bewahrheiten.

Angesichts der jetzt beschlossenen massiven Sanktionsverschärfungen droht eine weitere Abkühlung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem Westen und Russland. In der deutschen Wirtschaft wurden am Donnerstag schon Befürchtungen laut, dass Russland die Beschlüsse zu Strafmaßnahmen mit gleicher Münze zurückzahlen könnte. „Selbstverständlich haben die aktuellen Sanktionsverschärfungen zur Folge, dass die deutsch-russischen Handelsbeziehungen weiter beeinträchtigt werden“, sagte der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Anton F. Börner, Handelsblatt Online.

Nach Einschätzung des Deutschen Industrie-und Handelskammertags (DIHK) verhindern die EU-Sanktionen künftig Finanzierungen der Osteuropabank und der europäischen Investitionsbank. "Das unterbindet vorerst insbesondere die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland bei größeren Infrastrukturprojekten“, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier Handelsblatt Online.

Stärker dürften aus Treiers Sicht deutsche Firmen von den US-Sanktionen gegen den russischen Rohstoff- und Finanzsektor betroffen sein. „Deutsche Unternehmen mit russischem und mit  US-Geschäft müssen ihre Geschäftsbeziehungen auf die zwischen USA und EU unterschiedlichen Sanktionsbestimmungen hin überprüfen und in der Folge beachten“, sagte der DIHK-Experte. „Die nicht kompatiblen Sanktionsschritte stellen diese Unternehmen vor eine zusätzliche Herausforderung.“ Betroffen davon sei etwa jedes vierte deutsche Unternehmen, das im Ausland aktiv ist.

 Die russische Führung nährte die Ängste vor einem Wirtschaftskrieg. „Sanktionen haben einen Bumerang-Effekt und führen die amerikanisch-russischen Beziehungen zweifellos in eine Sackgasse“, sagte der russische Präsident Wladimir Putin während eines Brasilien-Besuchs mit Blick auf die US-Entscheidung.

Das Finanzministerium in Washington hatte zuvor Strafmaßnahmen unter anderem gegen russische Rüstungs-, Finanz- und Energieunternehmen verhängt. Betroffen sind die Gazprombank, der Energiekonzern Rosneft, das Gasförderunternehmen Novatek und die Vnesheconombank (VEB), über die der Staat Zahlungen abwickelt. Guthaben der vier Firmen werden zwar nicht eingefroren, doch wurde ihr Zugang zum amerikanischen Kapitalmarkt beschränkt. Auch Rüstungsunternehmen wie der Hersteller von Kalaschnikow-Maschinengewehren sind betroffen.

Auch die EU legte mit neuen Sanktionen nach. Die Staats- und Regierungschefs der 28 Mitgliedsländer beschlossen, die Reise- und Konto-Sperren gegen Russen und Ostukrainer auszuweiten, denen eine Destabilisierung der Ukraine vorgeworfen wird. Bis Ende Juli will die EU eine Liste von Firmen erarbeiten, die von Strafen betroffen sind. Die europäischen Projektförderbanken EBRD und EIB wurden angewiesen, keine neuen Projekte mit Russland zu genehmigen.

Die EU begab sich mit ihren Straf-Beschlüssen einen Schritt weiter in Richtung echter Wirtschaftssanktionen, die als „Phase 3“ in der Strategie der Europäer gelten. „Wir gehen jetzt schon in den wirtschaftlichen Bereich hinein“, räumte Bundeskanzlerin Angela Merkel ein.

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  • WAAS machend unsere Politiker mit unseren Interessen? Ich glaubs ja nicht. Sanktionen gegen Russland weil die Amis die Ukraine als Aufmarschgebiet brauchen? Sind die von allen guten Geistern verlassen? Weil die Amis ihre Ölkonzerne vor Konkurrenz schützen wollen (und natürlich über kurz oder lang an die riesigen Bestände wollen, wie im Irak und im Iran) begehen die Deutschen Harakiri? Das kann doch wohl nicht wahr sein! Wer hat bloß Merkel und die Stones (T'schuldige, Mick) gewählt? Diese Leut ab an die Front!

  • Natürlich war mein Beitrag sarkastisch und überspitzt - aber ganz ehrlich: was wollen Sie tun?
    Ich kann Ihnen Alllen nur mitteilen, was ich selbst darüber denke, aber für das "Big Play" hat das keinerlei Konsequenzen:
    die USA sind pleite, restlos pleite - finanziell und in moralischer Hinsicht. Das US-Imperium ist in das Siebte Stadium jedes Imperiums eingetreten: den Zerfall, der auch gleichzeitig den Zerfall ihrer Währung (der WeltleiDwährung) USD mit sich bringen wird:
    http://www.youtube.com/watch?v=EdSq5H7awi8&list=TLT4w7VoglJorJ4l_XBMTt4DJ7FgO5TpJ4
    Das untergehende Imperium (mit seinen allwissenden Geheimdiensten) WEISS natürlich, was ihm bald blühen wird: der Untergang des Dollar basierten Schuldgeldsystems, das sein wichtigster Stützpfeiler ist. Wir haben bereits eine Anti-Dollar-Allianz der BRICS-Staaten, und ein starker eurasischer Wirtschaftsraum, in dem der USD keine Verwendung mehr findet, ist der absolute Alptraum für die USA. Also versucht man, einen Keil zwischen Europa / EU und Asien (mit Russland als wichtigem Verbindungsglied) zu treiben. Und wenn es ein richtiger Krieg an der Grenze der beiden Wirtschaftsräume wird: noch besser. Die Amis sind weit weg und können auch noch Waffen liefern (Man bedenke: die USA wurde insbesondere erst dadurch zum Imperium, weil sie in WW1 lange Zeit unbeteiligt war, aber nach Europa Kriegsmaterial und insbesondere auch viele andere (zivile) Güter lieferte - da die Europäer ja auf Kriegswirtschaft umgestellt hatten. Und in den letzten Kriegsjahren konnten die US-Truppen die abgekämpften und vielfach auch hungernden Soldaten der Mittelmächte de facto überrollen.)
    Und wenn es hier heißt, Russland solle doch (am besten mit China zusammen) GLEICH die US-Treasuries abstoßen: vielleicht wollen das die USA ja gerade. Man bedenke: natürlich wären die Amis dann schon morgen bankrott, aber die Chinesen würden in diesem Falle ca. 4 Billionen USD verlieren. Und haben sie wirklich schon genug Gold, um den Yuan damit zu decken?

  • Die in Russland engagierten deutschen Unternehmen sind schon recht phantasielos. Mehr Mut, neue Geschäftsfelder erschließen, die Welt besteht nicht nur aus Russland!
    Aber wenn ein Ex-Bundeskanzler für einen russischen Konzern tätig ist …

    Wer in den vergangenen Jahren nur Profit aus Gier sah - und nur seine Ruhe haben wollte - für den war und ist Russland ein Geschäft gewesen.
    Wer nur Ruhe will, dem ist alles andere egal. Auch wenn dafür die Ukraine, Georgien oder das Baltikum geopfert werden müssen.
    Hauptsache, der deutsche Michel wird nicht in seinen Geschäften gestört.

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