Neue Vorwürfe gegen US-Verteidigungsminister
Rumsfeld soll Misshandlungen irakischer Gefangener gebilligt haben

Die Misshandlungen von Gefangenen in Irak durch US-Soldaten sind laut einem Pressebericht von US-Verteidigungsminister Rumsfeld gebilligt worden. Er habe geheime Anweisungen dazu persönlich abgesegnet.

HB BERLIN. Im Skandal um die Misshandlungen irakischer Gefangener gerät US- Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erneut in Bedrängnis. Wie das US-Magazin «The New Yorker» berichtet, sollen US-Soldaten in Irak auf Grundlage einer geheimen Anweisung gefoltert haben. Laut dem Bericht hat Rumsfeld persönlich die Anweisung abgesegnet. Rumsfeld habe demnach eine streng geheime Order des für Nachrichtendienste zuständigen Unterstaatssekretärs Stephen Cambone zu verschärften Verhörmethoden gebilligt.

Das Magazin beruft sich auf mehrere aktive und pensionierte Geheimdienstoffiziere. Diese sagten demnach, die geheime Anweisung sei allgemein so verstanden worden, dass die Soldaten im Umgang mit Gefangenen freie Hand erhalten sollten. «Schnappt euch die, die ihr braucht, und macht mit ihnen, was ihr wollt», soll einer der Geheimdienstmitarbeiter den «Befehl» übersetzt haben. Die Folterungen im Abu-Ghraib-Gefängnis bei Bagdad hätten nichts mit etwaigen kriminellen Neigungen einzelner Reservisten zu tun, so einer weiterer Informant aus Geheimdienstkreisen. Die Soldaten hätten sich schlicht an die von Rumsfeld gebilligte Entscheidung gehalten.

Die Anweisung habe sich zunächst auf Al-Qaeda-Mitglieder bezogen, hieß es laut dem Bericht weiter. Allerdings sei Folter-Plan dann auf irakische Gefangene ausgeweitet worden. Die Anweisung habe «zu körperlichem Druck und sexuellen Demütigungen ermuntert», um an Informationen über irakische Widerständler zu kommen.

Die «New York Times» zitierte unterdessen aus einem Bericht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) an die US-Regierung. In diesem würden Folterungen auch außerhalb von Abu Ghraib dokumentiert. Ein irakischer Gefangener in Camp Cropper nahe dem Bagdader Flughafen sei systematisch misshandelt und gedemütigt worden. Soldaten hätten ihn unter anderem in den Genitalbereich geschlagen, mit Füßen gegen den Kopf getreten, auf ihn uriniert und ihm mit dem Tod gedroht, heißt es der Zeitung zufolge in dem im Februar übergebenen IKRK-Bericht.

Camp Cropper war im vergangenen Herbst geschlossen worden.

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