Neuordnung der Finanzbranche
Island pumpt noch mehr Geld ins Finanzsystem

Nach dem Kollaps seiner Banken treibt Island die Neuordnung der Finanzbranche voran. Die Regierung des hoch verschuldeten Inselstaats nimmt noch einmal 1,5 Mio. Euro in die Hand, um die verstaatlichten Institute Glitnir, Islandsbanki und New Kaupthing mit frischem Kapital auszustatten.

HB STOCKHOLM. Dadurch sollen die Banken wieder stark genug sein, um die Erholung der Wirtschaft des besonders stark unter der Finanzkrise leidenden Landes zu unterstützen, wie die Regierung am Montag erklärte.

Auch die Entschädigung ausländischer Anleger soll in Kürze geklärt sein. In den kommenden Tagen soll das isländische Parlament entscheiden, ob es eine Einigung über Entschädigungen für Anleger in Großbritannien und die Niederlande akzeptiert, die durch den Banken-Kollaps in Island Geld verloren haben. Das Abkommen sieht Zahlungen über einen Zeitraum von 15 Jahren vor, mit einem anfänglichen Tilgungsaufschub von sieben Jahren. Den deutschen Anlegern ist es besser ergangen als den Briten und Niederländern. Die Rückzahlung der Einlagen der rund 34 000 Sparer bei der Kaupthing-Bank hat im Juni begonnen. Deutsche Sparer hatten über 300 Mio. Euro bei dem Institut angelegt, das mit aggressiven Zinsangeboten auf Kundenfang gegangen war.

Der isländische Finanzminister Steingrimur Sigfusson hofft, durch die Neustrukturierung die Basis für die Etablierung eines starken Bankensystems gemacht zu haben. Laut dem Analysten Beat Siegenthaler sind die zusätzlichen Zahlungen in Höhe von 1,5 Mrd. Euro an die verstaatlichten Banken eine wichtige Vorraussetzung dafür, dass der Bankensektor wieder funktionieren kann. Die isländische Regierung erklärte, die Finanzspritze könnte von 1,5 auf rund 1,1 Mrd. Euro reduziert werden, wenn die alten Banken Aktienpakete bei den neuen Geldinstituten Islandsbanki und New Kaupthing zeichnen. Islands drei alte Hauptbanken Glitnir, Landsbanki und Kaupthing waren innerhalb einer Woche im Oktober 2008 kollabiert. Sie schuldeten ausländischen Geldgebern damals rund 43 Mrd. Euro.

Den Regierungsplänen zufolge wird Glitnir das gesamte Kapital von Islandsbanki übernehmen, während Kaupthing 87 Prozent an New Kaupthing besitzen und der Staat den Rest. Zudem bleibe die Regierung Besitzerin der Landsbanki, der 0,8 Mrd. Euro bereitgestellt würden. Islandsbanki erhalte rund 0,3 Mrd. Euro und New Kaupthing 0,4 Mrd. Euro.

Island mit seinen 300 000 Einwohnern ist wie kaum ein anderes Land von der Finanzkrise betroffen, da seine Banken massiv in Übersee expandiert hatten. In Zukunft sollen die Geldhäuser laut Wirtschaftsminister Gylfi Magnusson weniger Risko eingehen. Der Inselstaat musste vom Internationalen Währungsfonds (IWF) mit milliardenschweren Hilfen vor dem drohenden Staatsbankrott bewahrt werden. Das nordatlantische Land rechnet in diesem Jahr mit einem Schrumpfen der Wirtschaft um zehn Prozent. Am Donnerstag hatte das Parlament einen Aufnahmeantrag in die Europäische Union beschlossen. Die Mitgliedschaft soll dem Land ökonomische Stabilität sichern.

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