Nicolas Sarkozy
„Ohne mich werdet Ihr Euch langweilen!“

Frankreich wählt einen neuen Präsidenten. Dass der Alte im Amt bleibt, ist unwahrscheinlich: Nicolas Sarkozy liegt in den Umfragen weit zurück. Er kokettiert mit der Niederlage, schlägt aber immer noch neue, irre Haken.
  • 17

ParisFrankreich wählt seinen neuen Präsidenten: Keiner der Kandidaten wird am Sonntag bereits die absolute Mehrheit erreichen. Und doch scheint die Entscheidung bereits vor der Stichwahl (6.Mai) gefallen zu sein. Bis weit in das Lager des erneut kandidierenden Präsidenten Nicoals Sarkozy nimmt man an, dass seinem Herausforderer Francois Hollande der Sieg kaum noch zu nehmen ist. Besonders bizarr: Sarkozy selber hat vor Journalisten fallen lassen, er habe „eine Chance von einem Drittel“, noch zu gewinnen. Ironisch-wehmütig scherzt er: „Ohne mich werdet Ihr Euch langweilen!“

Sarkozy hat in den vergangenen Wochen alles versucht, um seinen Rückstand in den Umfragen für den zweiten Wahlgang wettzumachen. Vergebens: Zehn bis 16 Prozentpunkte liegt er derzeit hinter Hollande. Dabei kämpft er mit vollem Einsatz, hat nicht nur alle körperlichen Reserven mobilisiert, sondern auch in seiner Politik alles dem Ziel untergeordnet, doch noch die Wiederwahl zu schaffen. Vom engen Verbündeten der Kanzlerin bei der Stabilisierung des Euros hat er sich plötzlich zum Kritiker der Europäischen Zentralbank gewandelt. Von der verlangt er, sie solle das Wachstum stärker unterstützen.

Mit Feuereifer bricht er alle Tabus, so als wäre er nicht der Präsident, sondern der Herausforderer: Der EU droht er mit der Kündigung von Verträgen, über den von den Märkten attackierten Partner Spanien lästert er öffentlich, das Land sei ein Beispiel dafür, wie man durch eine sozialistische Regierung völlig auf den Hund komme – dabei versuchen dort die Konservativen seit Monaten, den Bankrott der Banken abzuwenden und das Vertrauen der Anleger zu gewinnen.

Nicht einmal das eigene Land ist vor Sarkozys Furor sicher: In den vergangenen Tagen orakelte er immer wieder, Frankreich werde im Falle eines Regierungswechsels von den Märkten angegriffen, auf die Knie gezwungen, ja ihm drohe das gleiche Schicksal wie Griechenland.

Kommentare zu " Nicolas Sarkozy: „Ohne mich werdet Ihr Euch langweilen!“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Schöne Ironie!

  • Und Sie sind die Leiterin der Selbsthilfegruppe auf diesem Portal von HB. Zigarette an und den Rauch ab nach vorn statt in die Tasten. Guten TACH!

  • @margrit117888

    Was die Spams betrifft, sollte sich wohl kaum ein Forist besser als Sie auskennen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%