Wahl in den Niederlanden 2017

Wahlen in den Niederlanden
Holland in Not?

Auch wenn der Ausgang der heutigen Wahlen in den Niederlanden die Stimmung für das restliche Wahljahr in Europa setzen könnten, lassen sich die Holländer ihren Humor nicht nehmen.  
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AmsterdamNoch ist fast völlig unklar, wie die europaweit bedeutende Holland-Wahl ausgeht. Die großen Parteien liegen laut der letzten Erhebungen dicht an dicht. Allerdings hat es in den aktuellen Umfragen einen Tag vor der heutigen Wahl, einen messbaren Umschwung gegeben: Demnach soll der Rechtspopulist Geert Wilders mit seiner Islam- und Europafeindlichen Freiheitspartei PVV, auf nur noch 13 Prozent kommen. Im Dezember lag er noch bei 20 Prozent.

Regierungschef Mark Rutte von der rechtsliberalen VVD, würde den Umfragen zufolge zwar deutlich verlieren und die sozial-liberale Koalition mit den Sozialdemokraten platzen. Doch er kann inzwischen mit fast 20 Prozent gegenüber den zuvor erfragten 16 Prozent zulegen. Wie valide diese Zahlen sind oder ob die Meinungsforscher kapital daneben liegen, zeigt sich nach Schließung der Wahllokale um 21 Uhr. Dann werden für die 28 antretenden Parteien Exit-Polls und Hochrechnungen veröffentlicht.

Derweil machen sich die Holländer selbst einen Spaß aus der Wahl: Seit den frühen Morgenstunden standen Menschen vor den „Stembureaus“, den Wahllokalen, um als erster an den Stembus, die Wahlurne, zu kommen und dann Selfies von sich zu verschicken.

Offiziell eröffneten die Stimmbezirke um 7.00 Uhr. Doch in der 35.000 Einwohner zählenden Gemeinde Castricum in der Provinz Nordholland machte ein Wahllokal bereits um 0.00 Uhr - im Blumenladen im Bahnhof. 97 Wähler gaben bereits in der ersten Stunde ihre Stimmen ab.

Premier Rutte gab um 9.54 Uhr in der Hauptstadt Den Haag seinen mehrere Din A4 Seiten umfassenden Stimmzettel ab. Da war sein ärgster Rivale längst fertig: Unter gigantischen Medienaufgebot mit TV-Teams vom halben Globus warf Rechtsausleger Wilders seinen Wahlzettel in die graue Urne - natürlich wieder in seinem tintenblauen Sakko.


Seine Partei ist für ihn schon jetzt der Gewinner der Niederlande. Auch wenn es seine Freiheitspartei PVV nicht schaffe, stärkste politische Kraft zu werden, werde dies keine Niederlage sein, sagte er am Mittwoch kurz nach seiner Stimmabgabe an einer Grundschule in Den Haag.
„Wir haben dieser Wahl unseren Stempel aufgedrückt. Jeder redet über unsere Themen“, erklärte er mit Blick auf die Debatten über Migration und den Islam. Der Wahlkampf sei großartig gewesen und der Einfluss seiner Partei nahezu täglich gewachsen.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Wahlen in den Niederlanden: Holland in Not?"

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  • Das Titelbild zu diesem Artikel ist kaum zu übertreffen: "We vote for Love"

    Ich empf., es mal mit Realismus zu versuchen und kindliches Wunschdenken hinten an zu stellen.

  • So ist es. Wir leben in historischen Zeiten. Das Volk bekommt die Poltiik wieder zurück von denen, die Jahrzehnte lang die Poltiik des Volkes zu Gunsten von Finanz- Wirtschafts- und Machteliten = Establishment betrieben haben. Immer mehr Steuer und Abgaben zahlen immer mehr Bürokratie und Bevormundung...das war die Poltik der alten Zeit...der alten Parteien.
    Die Volksparteien von FPÖ, FN, PVV, AfD usw. sind nicht mehr aufzuhalten...der Brexit, Trump...all das steht für die Befreiung des Wahlvolkes von den Machenschaften einer Finanz- Wirtschaft- Poltiik- Medien Elite, die die Gesellschaft/Völker Europas unter den Konstrukkt der EU und des EURO zur Beute sich gemacht haben...das hat jetzt endlich ein Ende und hat letztes Jahr mit dem Brexit seinen Anfang genommen.
    Die Zukunft gehört den neuen Volksparteien von Wilders, Strache, Le Pen, Petry und Co.

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