Nordkorea-Konflikt
Das brandgefährliche Fernduell

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Das riskante Schattenboxen

An einer Stelle wies sie daraufhin, dass die USA schon zuvor atomare Bedrohung toleriert haben. Ihrer Meinung nach sei es keine Vorbedingung für die Sicherheit der USA, dass Nordkorea keine Atombomben besitze. Die USA hätten schon zuvor die atomare Gefahr anderer Gegner toleriert. Stattdessen könne eine Strategie, die Nordkorea vom Einsatz der Atomwaffen abhält, einen militärischen Konflikt vermeiden, der die Leben von Millionen Südkoreanern, Japanern und US-Soldaten in der Region gefährden würde.

„Krieg ist nicht notwendig, um vorzubeugen, trotz der Schlussfolgerung, die einige in der Trump-Regierung anscheinend getroffen haben“, urteilte Rice. Als Alternative schlug sie vor, dass die USA bombastische Rhetorik stoppen, ihre Raketenabwehr verbessern, die Sanktionen verschärfen und in neuen Verhandlungen mit China und Nordkorea versuchen, Nordkoreas Arsenal nachprüfbar zu beschränken oder abzuschaffen. 

Der Welt bleibt nun nur noch abzuwarten, ob Nordkorea sich die Warnungen aus Washington wirklich zu Herzen nimmt. Mit der letzten Androhung des Guam-Angriffs ließ das Regime jedenfalls die Tür für eine kurzzeitige Deeskalation sperrangelweit offen. Denn es kündigte nur an, dass das Militär den Plan prüfe, Mitte August vier Raketen abzufeuern. 

Doch der Korea-Experte Lee Jong-won, Professor für internationale Beziehungen an der japanischen Waseda Universität rechnet mit weiteren Provokationen des Nordens. In einem Interview mit der Wirtschaftszeitung Nikkei geht er sogar davon aus, das Nordkorea weiterhin einen sechsten Atombombentest durchführen wolle. Nordkorea hat selbst erklärt, es wolle sein Arsenal um Wasserstoffbomben erweitern, die mehr Sprengkraft als die bisherigen Waffen hätten. 

Allerdings glaubt auch Lee, dass Nordkoreas Regierung keinen Krieg beabsichtigt, sondern Gespräche mit den USA erpressen will. „Indem der Norden Krisengefühl produziert, sucht er wirklich Diplomatie“, ist Lee überzeugt. Aber das riskante Schattenboxen beider Streitparteien birgt auch für ihn das Risiko, dass aus Versehen ein Krieg ausbricht.

Noch ist im möglichen Kriegsland Südkorea allerdings nichts von Panik zu spüren. Die Menschen reagieren so gelassen wie in früheren Krisen. Der Aktienindex Kospi gab bis zum Mittag zwar um 1,5 Prozent nach. Aber das ist noch keine dramatische Reaktion. Doch bei den Wirtschaftsplanern wächst die Nervosität. 

Südkoreas Finanzministerium warnte am Freitag, dass die Märte volatiler werden könnten. Die Regierung werde ihre Marktbeobachtung verstärken und sofort im Rahmen seiner bestehenden Notfallpläne Gegenmaßnahmen ergreifen, besagte eine Presserklärung. Aber auch das klingt noch wie ein routinierter Umgang mit einer kaum ermesslichen Gefahr. In Ostasien geht damit das Leben auf dem Pulverfass weiter seinen gewohnten Gang.

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Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent

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  • Unberechenbare Politiker (Trump)+hoerige Politiker (Merkel) sind eine gefaehrliche Kombination fuer Europa.
    Das ist eine passende Gelegenheit diese gefaehrlichen Atombomben aus dem dichtbesiedelten Europa zu entfernen. Ueber den Einsatz von US-Atombomben entscheiden nur Amerikaner,und die haben mit allen Kriegen i/d Welt bewiesen das die nur auf USA Belange achten.Aus diesem Grund muss eine Stationierung in Europa abgewiesen werden.Nur wenn Europa das Sagen hat koennen US-Atombomben gelagert werden. Abgeordneter Voigt hat Recht,jetzt entscheidet die US ob Atombomben in Europa eingesetzt werden. Die Moeglichkeit das Atombomben zum Einsatz kommen in Europa,mit grossen verstrahlten Gebieten fuer die naechsten 1000 Jahre,wird mit jedem Agressionsakt seitens Nato/USA groesser.Das Wissen das explodierende Atombomben in Deutschland Merkels CDU NatoPolitik zuzuschreiben sind,wird uns dann nicht viel mehr nutzen
    «Der geheime Staatsvertrag von 21. Mai 1949 wurde vom Bundesnachrichtendienst unter ‹Strengste Vertraulichkeit› eingestuft.
    In ihm wurden die grundlegenden Vorbehalte der Sieger für die Souveränität der Bundesrepublik bis zum Jahre 2099 festgeschrieben, was heute wohl kaum jemandem bewusst sein dürfte. Danach wurde einmal der «Medienvorbehalt der alliierten Mächte über deutsche Zeitungs- und Rundfunkmedien bis zum Jahr 2099 fixiert. Zum anderen wurde geregelt, dass jeder Bundeskanzler Deutschlands auf Anordnung der Alliierten vor Ablegung des Amtseides die sogenannte ‹Kanzlerakte› zu unterschreiben hatte.

  • http://www.politico.eu/article/pope-francis-loves-vladimir-putin-russia-religion/
    Auch der Papst hat Putins Größe erkannt.

  • Russland ist ein sicheres Herkunftsland. Wir haben in Deutschland so viele Probleme mit Ausländern, dass wir dankend auf Putins kleine rechtradikale Trolle und andere Schweinchen verzichten können.

    Deutschland muss sich von Trump und Putin nicht alles gefallen lassen.

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