Nordkorea-Konflikt
Chinas Präsident Xi mahnt Trump zu Zurückhaltung

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Experte: Nordkorea kann USA kaum gefährden

Vor dem Hintergrund der nordkoreanischen Drohungen haben die Behörden des US-Außengebiets Guam der Bevölkerung Verhaltensregeln an die Hand gegeben. Im Fall eines Alarms sollten die Bewohner rasch in einem festen Gebäude Schutz suchen und vorerst dort bleiben, heißt es in einem Informationsblatt. Das Büro für Zivilschutz der Pazifikinsel begann am Freitag mit der Verteilung der Blätter.

Darin enthalten sind unter anderem Ratschläge für das Zusammenstellen eines Notfallkoffers und allgemeine Verhaltensregeln. „Schauen Sie nicht in den Blitz oder Feuerball - er kann Sie blenden“ heißt es als Hinweis für Betroffene, die im Freien von einem Angriff überrascht werden. „Legen Sie sich flach auf den Boden und bedecken Sie ihren Kopf.“

Für den Fall eines Angriffs mit Atomwaffen empfiehlt eines der Informationsblätter: „Wenn möglich, duschen Sie mit viel Seife und Wasser, um die radioaktive Kontaminierung zu entfernen.“ Eine Haarspülung dürfe jedoch nicht verwendet werden, „denn sie bindet radioaktives Material an Ihr Haar“.

Auswirkungen auf den Alltag der Bewohner von Guam hatte die Verteilung der Informationsblätter offenbar nicht, auch war nichts von erhöhter Besorgnis zu spüren. Manche Menschen fragten sich allerdings, wo sie Plastikfolie auftreiben könnten: Auf einem der Blätter wird der Einsatz von Klebeband und Plastikfolie empfohlen, „um alle Ritzen um die Tür und jegliche Lüftungsschlitze in den Raum zu versiegeln“.

Derweil macht sich jeder dritte Deutsche (33 Prozent) große Sorgen, dass es bei einem militärischen Konflikt zwischen Nordkorea und den USA zu einem Atomkrieg kommen könnte. Weitere 43 Prozent machten sich etwas Sorgen, wie eine Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag des Fernsehsenders RTL am Donnerstag und Freitag unter 1001 Befragten ergab. 23 Prozent der Befragten hätten demnach gar keine Sorgen.

Der deutsche Raketen-Experte Robert Schmucker rechnet nicht mit einer echten militärischen Auseinandersetzung zwischen Nordkorea und den USA. „Natürlich kann Nordkorea einige Raketen in Richtung Guam schießen, kann auch sogar eine Rakete in Richtung USA schicken“, sagte der Professor für Raumfahrttechnik an der TU München der Nachrichtenagentur dpa. So eine Rakete könne nicht mehr als eine kleine Nutzlast tragen - „aber mehr wird es nicht sein“.

Bei den jüngsten Tests der Nordkoreaner seien die Raketen nicht weit geflogen, erläuterte Schmucker. „Die sind nur hochgeflogen.“ Die Militärs um Machthaber Kim Jong Un hätten „sie hochgeschossen, damit sie in seiner Nähe runterkommen, denn wenn ich eine Rakete weit schieße, und der Wiedereintrittskörper runterkommt, dann muss man ihn beim Testen aus dem Meer holen und untersuchen“.

Die Nordkoreaner hätten aber keine Marinekräfte zur Bergung von Raketenteilen aus dem Meer. Vielmehr bestünde in so einem Fall die Gefahr, dass das Kriegsgerät in die Hände anderer Nationen falle. „Und das versucht er ja durch die Steilschüsse alles zu vermeiden, dass man weiß, was er kann“, sagte Schmucker.

Schmucker geht davon aus, dass US-Präsident Donald Trump den Konflikt vor allem mit Worten eskaliert. „Warum sollte er einen Atomkrieg anfangen?“ Die USA müssten aber reagieren: „Wenn einer sagt, ich schicke Raketen gegen Euch, dann muss er doch sagen, pass auf Kerle, sonst passiert Dir was“, so die Interpretation des Wehrtechnik-Professors.

Besser wäre es nach Schmuckers Einschätzung, die Provokationen des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un zu ignorieren: „Unartige Kinder machen das, damit die Erwachsenen auf sie schauen. Und das ist genauso. Er will Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit ... und wir reagieren so. Das ist falsch. Wir sollten sagen: Ja, ist nett, was Du machst, aber uns beeindruckt das nicht.“

Ohnehin werde die Region in Zukunft kaum stabiler werden, so Schmucker: „Südkorea will sich nicht mit Nordkorea vereinen, China will Nordkorea erhalten, Russland will Nordkorea erhalten, also wird das so bleiben. Außer, es gibt vielleicht intern einen Umsturz.“

Sollte das Regime in Pjöngjang fallen, könnten viele Nordkoreaner nach China und Südkorea flüchten. Zudem würde die Einflusszone der USA, die eng mit Südkorea verbündet sind, dann bis an die Grenzen Russlands und Chinas heranreichen -„sicher nicht im Interesse Chinas“, wie Schmucker sagt.

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Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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