Nordkorea
Regierung nimmt US-Bürger in Gewahrsam

Die Stimmung zwischen den USA und Nordkorea heizt sich weiter auf: Kurz nach den Kriegsdrohungen ist in Pjöngjang ein US-Bürger in Gewahrsam genommen worden. Zwei weitere Amerikaner befinden sich bereits in Haft.
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PjöngjangNordkorea hat einen US-Bürger in Gewahrsam genommen. Der Mann habe etwa einen Monat an der Universität für Wissenschaft und Technologie in Pjöngjang gelehrt und sei am Samstag festgenommen worden, als er das Land verlassen wollte, sagte Universitätskanzler Park Chan Mo am Sonntag.

Die Festnahme des Dozenten könnte die Spannungen zwischen Washington und Pjöngjang weiter erhöhen. Zuletzt hatten beide wegen der nordkoreanischen Atom- und Raketentests ihr Rhetorik verschärft und sogar Kriegsdrohungen ausgestoßen. Zwei weitere Amerikaner befinden sich bereits in nordkoreanischer Haft.

Die schwedische Botschaft in Pjöngjang teilte mit, ihr sei der Fall eines festgenommenen koreanisch-amerikanischen Bürgers bekannt. Eine weitere Stellungnahme lehnte die Botschaft ab. Sie übernimmt konsularische Aufgaben für die USA in Nordkorea, da Washington und Pjöngjang keine diplomatischen Beziehungen unterhalten. Das US-Außenministerium erklärte lediglich, es habe von der Festnahme gehört, wolle den Fall aber aus Datenschutzgründen nicht weiter kommentieren. Nordkoreanische Medien berichteten nichts über den Fall.

Park sagte, der 58-jährige Dozent Tony Kim sei vor seiner Anstellung in Pjöngjang Professor der Yanbian-Universität für Wissenschaft und Technologie in China gewesen. Seine Festnahme habe angeblich nichts mit seiner Arbeit an der Universität zu tun gehabt. Mehr wisse er aber auch nicht, sagte der Kanzler.

Im vergangenen Jahr wurde ein damals 21-jähriger Student aus Cincinnati zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt, nachdem er den Versuch gestanden hatte, ein Propagandatransparent zu stehlen. Ein gebürtiger Südkoreaner, der auch die US-Staatsbürgerschaft haben soll, verbüßt wegen Spionage eine zehnjährige Haftstrafe. Zudem wird ein aus Südkorea stammender Kanadier in Nordkorea festgehalten.

Mehrfach schalteten sich in der Vergangenheit ranghohe US-Vertreter für inhaftierte Amerikaner ein. Im Jahr 2009 etwa kam Ex-Präsident Bill Clinton, um die Freilassung der amerikanischen Journalistinnen Euna Lee und Laura Ling zu erreichen. Im November 2014 reiste dann US-Geheimdienstdirektor James Clapper nach Pjöngjang, um Matthew Miller heimzuholen. Dieser hatte bei der Einreise nach Nordkorea sein Visum zerrissen. Freigelassen wurde auch der koreanisch-amerikanische Missionar Kenneth Bae, der seit November 2012 in Haft gewesen hatte.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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