Nordkorea
Weltweite Sorge über Nordkoreas Atomtest

Nordkorea hat mit seinem zweiten Atomtest in aller Welt Besorgnis ausgelöst. Die Explosion hatte eine Sprengkraft von 20 Kilotonnen, das ist mehr als die Atombombe von Hiroshima. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen will noch heute auf einer Sondersitzung über das Vorgehen der Staatsführung in Pjöngjang beraten. Härtere Sanktionen sind nicht ausgeschlossen.

TOKIO. Nordkorea hat offenbar zum zweiten Mal eine Atombombe getestet. Das abgeriegelte Land teilte am Dienstag mit, unterirdisch einen nuklearen Sprengsatz gezündet zu haben. Das russische Militär sowie Erdbebenwarten in Nachbarländern bestätigten eine Explosion. Bereits im Oktober 2006 hatte Nordkorea eine Nuklearwaffe getestet und damit eine internationale Krise ausgelöst. Vergangenen Monat startete das kommunistische Land zudem eine Rakete, die im Erfolgsfall einen Kernsprengkopf auf einen anderen Kontinent bringen könnte. Der Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen will noch heute über den aggressiven Kurs Pjöngjangs beraten.

Experten spekulieren über den Hintergrund der Provokation gegenüber dem Westen. Einerseits treibe Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Il mit den Versuchen einfach die Entwicklung seines Waffenarsenals voran. "Doch hinter dem Test stecken weitere außen- und innenpolitische Motive", sagt Hirofumi Tosaki, Nordkorea-Experte am Japan Institute of International Affairs in Tokio. Kim wolle in der laufenden Auseinandersetzung mit den Vereinigten Staaten die Initiative behalten und die Drohkulisse verstärken.

"Mindestens ebenso schwer wiegen aber innenpolitische Gründe", so Tosaki. Kim stehe unter Druck, seine Machtbasis zu stärken. Er versuche derzeit, die Kontrolle über das Land an seinen Sohn weiterzugeben. Zugleich bekämpfe er Gerüchte, nach einem Schlaganfall im vergangenen August nicht mehr fest im Sattel zu sitzen. Wer er jedoch die internationale Geltung Nordkoreas durch die Detonation von Atomwaffen ausbaue, festige dies seine Stellung im System.

Die Börsen in Fernost reagierten teilweise mit Abschlägen auf die Atomtest-Meldung. In Japan stützten positive Nachrichten aus verschiedenen Branchen die Aktienmärkte, die so den Schreck der Atomtest-Meldung aus Nordkorea vergleichsweise gut wegstecken konnten. Auf den anderen Börsen der Region lasteten am Montag aber die Nachrichten aus Nordkorea. Als das kommunistische Land einen Atomtest verkündete, rutschte der Aktienmarkt im benachbarten Südkorea ins Minus, die Landeswährung Won gab nach. Auch der Nikkei in Tokio gab einige Gewinne wieder ab.

Nordkorea selbst teilte mit, den "Atomtest als Teil seiner Maßnahmen zur Stärkung seiner nuklearen Abschreckung und Selbstverteidigung durchgeführt" zu haben. Das Land hatte sich erst im vergangenen Jahr erstaunlich kooperativ gezeigt. Nordkorea kam mehreren Forderungen einer Uno-Resolution zur nuklearen Abrüstung nach. Im Gegenzug für Wirtschaftshilfe schaltete es einen Reaktor zur Plutoniumgewinnung ab und ließ Inspektoren ins Land. Seit dem Winter reagierte Nordkorea dann plötzlich wieder aggressiv, verjagte die Atominspektoren, befüllte den Reaktor wieder mit Kernbrennstoff und erschien nicht mehr zu Verhandlungen.

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