NSA-Affäre
Snowdens Schutzengel fürchten um ihr Leben

Die Flüchtlinge, die Edward Snowden im Sommer 2013 bei seiner Flucht in Hongkong versteckten, wollen die Stadt selbst verlassen. Ihre eigene Lage hat sich dramatisch verschlechtert. Nun ziehen sie Konsequenzen.
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Seit die Welt weiß, was sie für Edward Snowden tat, hat sich das Leben von Vanessa Mae Rodel verändert. Freunde der 46-Jährigen schauen die Asylbewerberin mit anderen Augen an. Wildfremde Menschen haben sie beklatscht. Hundertfach ließ Rodel in den vergangenen Monaten die Blitzlichtgewitter der Fotografen über sich ergehen.

Bilder der alleinerziehenden Mutter, die den meistgesuchten Mann der Welt in Hongkong vor den Häschern des US-Geheimdienstes versteckte, erschienen rund um den Globus. Dann strichen ihr die Behörden die Hilfsmittel zusammen. Strom und Wasser wurden abgestellt. „Ich weiß nicht, warum das alles passiert“, sagt Rodel. „Ich wollte doch nur helfen.“

Keine gute Tat bleibt ungestraft, lautet eine sarkastische Weisheit. Für Vanessa Mae Rodel wurde das Sprichwort Realität. Ohne jede Vorwarnung klopfte im Sommer 2013 die Weltgeschichte an ihre Tür. Edward Snowden hatte sich die Stadt als den Ort ausgeguckt, von dem aus er die Überwachungspraxis der USA anprangern wollte. Seine Enthüllung hatte der Amerikaner minutiös geplant, seinen Fluchtplan dagegen vermasselt. In höchster Not schlüpfte Snowden aus dem Luxushotel Mira, in dem er sich einquartiert hatte. Dann fand er Unterschlupf bei Menschen, die selbst kaum genug zum Leben hatten: Asylbewerber in Hongkong.

Für Vanessa Mae Rodel war Hongkong einst ein Hort der Hoffnung. In ihrer Heimat, den nördlichen Philippinen, wurde sie 2001 vergewaltigt und verschleppt. Ihr Peiniger war politisch gut vernetzt, an Hilfe durch die Polizei war nicht zu denken. 2003 gelang Rodel die Flucht nach Hongkong. Sie arbeitete als Haushaltshilfe. Dann verlor sie ihren Job. Zurück konnte sie nicht, von nun an schlug sie sich von einer Freundin zur anderen durch. Als sie eine Polizeikontrolle geriet und keine gültigen Papiere vorzeigen konnte, wurde sie festgenommen.

Doch dann fand sie Kontakt zu Robert Tibbo. Der Menschenrechtsanwalt war auf Fälle wie Rodel spezialisiert. Tibbo erklärte der verängstigen Frau, sie habe als Verfolgte in ihrem Heimatland einen juristischen Anspruch auf Asyl. Gemeinsam füllten sie die Papiere aus. Dann begann das Warten. Endloses Warten.

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  • Teil 2/2:

    Solcherart „politischer Austausch“ brauchen wir heute nicht mehr. Weil wir alles nicht nur selber, sondern vor allem besser untereinander ausmachen könnten. Unter Nutzung des Internets und unserer sonstiger technischen Errungenschaften, versteht sich.

    WARUM MACHEN WIR ES DANN NICHT, sondern glauben immer noch steif und fest, dass es ohne Politiker nicht gehe? Aus lieber alter Gewohnheit? Weil wir ein bisschen träge im Kopf sind?

    Ist doch so:

    Auf dem Gebiet der Kultur und der Wirtschaft funktioniert die internationale und –kulturelle Zusammenarbeit seit ewigen Zeiten geräuschlos.

    Aber immer dann, wenn „Politik“ ins Spiel kommt, ist – na, ich will hier nicht unfein werden.

    Wenn die Menschheit wirklich weiterkommen will, sollte sie zusehen, dass sie schleunigst selbst die Verantwortung für ihre Angelegenheiten übernehmen kann (nicht „darf“!). Wie gesagt, via Internet und transparent-demokratisch zusammengestellter „Expertengremien“.

    Nur ein Beispiel dafür, was anderenfalls mangels effizienter Koordination herauskommt wäre (in D) die Energiewende: Die Energiekosten steigen unaufhaltsam, die CO²-Emissionen auch, und der Unmut in der Bevölkerung sowieso. Weil nichts und niemand die ganzen „losen Fäden“ mit konstruktiven Lösungen mal zu einem sinnvollen Ganzen zusammenfügt.

    Institutionen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, auf die sich Aufbau und kontinuierliche Weiterentwicklung einer zeitgemäßen Demokratie stützen ließen, haben wir schließlich schon für den Anfang. Was bislang fehlt, ist echte Demokratie, sprich Bürgerbeteiligung, und ein zügiger weiterer Ausbau der IT-Infrastruktur.

    Voraussetzung dafür: Transparenz statt "Datenschutz".

  • @Herr Leo Löwenstein, 14.03.2017, 11:48 Uhr:

    Genau. Es soll "ein Exempel statuiert" werden, um der Bevölkerung die drastischen Konsequenzen vor Augen zu führen die denen blühen, die nicht brav sind, sondern den Mut haben, selbst zu denken und Konsequenzen daraus zu ziehen. Wie es weltweit in allen Diktaturen gute Sitte ist.


    Hier, weil er hier "passt", nochmal mein Kommentar zum Beitrag über die Anne-Will-Sendung gestern (http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/tv-kritik-anne-will-das-kann-man-einfach-nicht-tolerieren/19507000.html):

    Auch wenn ich mich wiederhole: Wir brauchen heute keine Berufspolitiker mehr, sondern nur noch demokratisch kontrollierte Institutionen.

    Politiker jeder Art im heutigen Sinne sind die falschen Ansprechpartner: Die Alle-und-jeden-gegeneinander-Ausspieler, Aufstachler, Zündler, Bombenwerfer und -leger.

    Erdogan, Putin, Assad, Trump (um nur die „prominentesten“ aktuellen Beispiele zu nennen; es kommen ja auch gerade immer mehr von diesem Schlage dazu): Ausgerechnet im „Dialog“ mit diesem Personenkreis sollen sich Lösungen für die Probleme der Bevölkerungen finden lassen??!

    Glaubt irgendjemand ernsthaft, dass die sich dabei von irgendetwas „überzeugen“ ließen??!

    „Im Dialog“ mit denen ist man jetzt seit vielen Jahren.

    Und, haben diese „Dialoge“ irgendetwas gebracht? Ich meine, etwas Positives?

    Nichts, nada, niente.

    (Teil 2 folgt!)

  • Frau Annette Bollmohr - 14.03.2017, 10:44 Uhr
    "Gefährlich für wen? Und vor allem: Warum?"

    Gefährlich deswegen, weil es Nachahmer geben könnte. Und das darf es aus Sicht der betroffenen Geheimdienste nicht geben. Auch andere Geheimdienste haben ein Interesse, dass solche Menschen auf irgendeine Art bestraft werden und dies öffentlich gemacht wird.

    Weitere Helfer, um Skandale aufzudecken, müssen abgeschreckt werden. Deshalb müssen diese Menschen unterstützt werden. Nur durch Mithilfe weniger mutiger ist es möglich, echte Missstände aufzudecken.

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