Nuklearprogramm
Lula träumt von Atom-U-Boot

Brasilien hat sein Nuklearprogramm wiederentdeckt: Präsident Luiz Inacio Lula da Silva kündigte überraschend den Bau eines Atom-U-Bootes an. Auch den Energiebedarf will er verstärkt über Kernkraft decken. Dabei verfügt das Land über zahlreiche Alternativen.

HB SAO PAULO. Brasilien will sein Atomprogramm einschließlich der Anreicherung von Uran und dem etwaigen Bau eines nuklear gesteuerten U-Boots ausweiten. Dafür würden in den kommenden acht Jahren umgerechnet rund 395 Millionen Euro bereit gestellt, erklärte Präsident Luiz Inacio Lula da Silva bei einem Besuch im Forschungszentrum der Marine in Sao Paulo.

Brasilien könnte sich eines Tages in der „luxuriösen“ Position befinden, die gesamte Technologie des Zyklus zur Urananreicherung zu beherrschen, sagte Lula da Silva. Die Marine hat diesen Prozess bereits gemeistert, wie Admiral Julio Soares de Moura Neto ergänzte. Allerdings habe es Verzögerungen bei dem Ziel gegeben, einen Atomreaktor mit ausschließlich brasilianischer Technologie zu bauen.

„Warum sollen wir nicht ganz groß träumen und sagen, dass wir einmal ein Nuklear-U-Boot haben werden“, sagte Lula. Brasilien hat im Mai 2006 mit der Urananreicherung begonnen. Damit ist es weltweit das neunte Land, das den Brennstoffkreislauf beherrscht.

Brasilien betreibt zurzeit zwei Kernkraftwerke. Lula da Silva hat wiederholt angedeutet, dass er in der Nutzung der Atomkraft eine gute Möglichkeit sehe, den wachsenden Energiebedarf im größten Land Lateinamerikas zu decken. Erst im Juni hatte die Regierung in Brasilia entschieden, dass das umstrittene Atomkraftwerk Angra 3 nach 21 Jahren Stillstand mit deutscher Hilfe fertig gestellt werden soll.

Bislang deckt bislang Brasilien rund 80 Prozent des Stroms aus Wasserkraft. Dabei hatte eine Energiekrise im Jahr 2001 die Schwächen der Abhängigkeit von einer Energiequelle aufgezeigt. Die Regierung hatte zu wenig in den Bau neuer Kraftwerke investiert. Die Krise drosselte die Konjunktur, Brasilien schlitterte nur knapp an einer Rezession vorbei.

Seinen Gasverbrauch deckt Brasilien hauptsächlich über Importe aus Bolivien. Die Regierung fürchtet eine zu starke Abhängigkeit. Der staatliche Erdölriese Petrobras versucht nun, die Gasförderung vor Brasiliens Küste voranzutreiben. Bis das Land jedoch autark Erdgas fördert, werden viele Jahre vergehen. Auch die Windkraft wird trotz der 7000 Kilometer langen Atlantikküste in Brasilien als unwirtschaftlich angesehen, und das trotz Idealbedingungen in Brasiliens Nordosten, wo das ganze Jahr über fast konstant mittelstarke Winde wehen.

Das brasilianische Atomprogramm stammt aus der Zeit der Militärdiktatur (1964 bis 1985). Die Generäle ließen unter anderem einen Geheimplan für die unterirdische Testzündung eines Atomsprengsatzes im Regenwald des Amazonas entwickeln. Diese Pläne wurden 1990 offiziell für hinfällig erklärt.

Brasilien besitzt eines der größten Uran-Vorkommen weltweit. Den Bau von Atomwaffen plant das Land offenbar nicht. Lula und Angehörige seiner Regierung betonten, man wolle die Atomkraft nur für friedliche Zwecke nutzen.

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