Nur geringe Strafzölle
US-Regierung enttäuscht Solarfirmen

Das amerikanische Handelsministerium verhängt nur minimale Sonderzölle gegen chinesische Solarfirmen. Die deutsche Solarworld hofft nun auf härtere Strafen für die Chinesen, die im Mai kommen sollen.
  • 5

New York/DüsseldorfDie US-Regierung hat minimale Anti-Subventionszölle für chinesische Solarfirmen verhängt. Hersteller von Solarzellen und -module müssen Ausgleichsabgaben von knapp fünf Prozent zahlen, wenn sie ihre Produkte in die USA exportieren wollen, teilte das Handelsministerium am Dienstag in einer vorläufigen Entscheidung mit. Eine Untersuchung sei zu dem Ergebnis gekommen, dass chinesische Solarfirmen unfaire Subventionen erhalten hätten. Je nach Firma würden die Subventionen eine Höhe von 2,9 bis 4,73 Prozent gemessen am Wert des Produktes betragen, hieß es. Eine endgültige Entscheidung wird in der zweiten Jahreshälfte erwartet.

Die Branche hatte sich deutlich mehr erhofft. Analysten waren von einem Aufschlag von 20 bis 30 Prozent ausgegangen. Nun richten sich die Hoffnungen auf eine noch ausstehende Entscheidung im Mai. Dann soll die Behörde klären, ob zusätzlich Anti-Dumping-Zölle erhoben werden sollen.

Die Initiative gegen die Billig-Konkurrenz aus China geht auf die deutsche Solarworld zurück. Die US-Tochter des von Frank Asbeck geführten Unternehmens hat eine Koalition von insgesamt sieben Herstellern angeführt, die in den USA produzieren und harte Maßnahmen von der US-Regierung fordern. Solarworld hatte im Herbst eine Petition gegen die zunehmenden Billig-Importe aus China eingereicht.

„Das ist ein wichtiger erster Schritt und ein wichtiges Signal. Die US-Regierung hat erkannt, dass eine Schlüsselindustrie von China angegriffen wird”, kommentierte ein Sprecher von Solarworld die Entscheidung. Die Bonner hoffen nun, dass das Handelsministerium beim der Frage nach den Anti-Dumping-Zöllen deutlich aggressiver vorgehen wird. Solarworld und die anderen sechs Unternehmen hatten Aufschläge von über 100 Prozent gefordert.

Sie hatten argumentiert, dass die Konkurrenz aus China mit günstigen Krediten, Steuergeschenken und subventionierten Rohstoffen unfair von der Regierung des kommunistischen Landes unterstützt werde. Deshalb könnten chinesische Hersteller der weltgrößte Solarzellenhersteller Suntech ihre Produkte deutlich günstiger verkaufen und die amerikanischen Produzenten vom Markt verdrängen.

Auch bei Präsident Barack Obama haben die Argumente von Solarworld Gehör gefunden. „Ich will nicht, dass Wind-Turbinen, Solar-Module und High-Tech-Batterien in anderen Ländern von deren Arbeitern produziert werden. Ich will, dass wir sie hier produzieren“, stellte der Präsident vergangene Woche klar. Wie sehr die Regierung allerdings bereit ist, in dieser Frage einen Handelsstreit mit China einzugehen und mögliche Gegenangriffe zu riskieren, ist derzeit noch unklar. „Erst mit dem Anti-Dumping-Zoll bekommen wir ein vollständiges Bild“, sagte der Solarworld-Sprecher.

Die USA haben im vergangenen Jahr Solarzellen und -module im Wert von 2,8 Milliarden Dollar aus China importiert – mehr als doppelt so viel wie 2010. Viele Firmen, die in den USA produzieren, sind dadurch in ernsthafte Schwierigkeiten geraten.

Die von Solarworld geführte Initiative hat die Branche jedoch tief gespalten. Die Unternehmen, die die Zellen nicht herstellen, sondern Solarmodule installieren, warten und reparieren, haben sich gegen Strafzölle ausgesprochen. Sie fürchten, dass dadurch die Preise steigen und die Solarenergie dadurch unattraktiver wird. Derzeit wird in den USA weniger als ein Prozent des Stromverbrauchs durch solare Energie gedeckt. Obamas ehrgeizige Pläne, die Nutzung von erneuerbaren Energien durch ein umfassendes Gesetz anzukurbeln, sind gescheitert.

Auch in Deutschland bekommt die Solarbranche die harte Konkurrenz aus China zu spüren. Chinesen beherrschen nach Branchenschätzung rund 50 Prozent des deutschen Solarmarktes. Sie unterbieten die deutsche Konkurrenz mit niedrigen Preisen. Ihr Image versuchen sie, durch massive Werbung in der Fußballbundesliga zu verbessern. Für viele deutsche Unternehmen wie Solon und Q-Cells schreiben rote Zahlen und kämpfen ums Überleben. Das liegt aber auch an hausgemachten Problemen. So haben sie in Boomzeiten ihr Kostenmanagement vernachlässigt.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

Kommentare zu " Nur geringe Strafzölle: US-Regierung enttäuscht Solarfirmen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das Personen mit unternehmerischen Ehrgeiz und hervorragenden Kommunikationsfähigkeiten sich an Politiker, oder politische Stömungen heften und dadurch Imperien errichten ist nicht ganz ungewöhnlich. In Ländern des Nahen Ostens, Russland, Afrikas und Asien findet man dies häufig. Der Politiker sorgt für Protektion, das Unternehmen stellt her was sich der Politiker wünscht.

    Allerdings stellen diese Unternehmen in diesen Ländern meist sinnvolle Dinge her und keine religiösen Kultobjekte die das Volk mittlerweile einen 3-stelligen Milliardenbetrag kosten.

    Meist verschwinden diese Unternehmen dann auch mit dem Abtreten der Zielperson/Strömung da sie keine Strkturen aufgebaut haben die diese dauerhaft wettbewerbsfähig machen.

    Vandale

  • bei apple meckert niemand, dass sie ihre geräte doch lieber in den USA fertigen sollten... da gab es doch mal berechnungen, dass es nicht viel teurer wäre... komisch

  • Solarworld outet sich als Firma, die ohne Merkel nicht leben kann. Entweder Subventionen oder Strafzölle für Solarpaneele aus China. Wie kann man sich auf so ein armseeliges Geschäftsmodell ausruhen? Wenn Merkel auf die geforderten Strafzölle hört, dann zeigt sie mal wieder, dass sie ihren Partyfreunden immer gerne hilft. Erst fährt sie nach China und wirbt für wirtschaftliche Beziehungen und dann verhängt sie Strafzölle. Das würde aber zu ihrem sonstigen Regierungstil gut passen. Wie man bei der sogenannten Energiewende sehen konnte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%