Offensive
Bundeswehr nimmt Taliban-Hochburg ein

Im Rahmen der bislang größten Militäroffensive der Bundeswehr gegen die radikal-islamischen Taliban haben deutsche und afghanische Soldaten einen Unruhedistrikt im Norden des Landes wieder unter Kontrolle gebracht. Die Große Koalition verteidigte die härtere Gangart gegen Kritik.

HB KABUL. Der Gouverneur der Provinz Kundus, Mohammad Omar, teilte am Donnerstag mit, deutsche Truppen und afghanische Sicherheitskräfte hätten den Distrikt Char Darah am Vorabend von Taliban-Kämpfern und El-Kaida-Terroristen "gesäubert".

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Kabul kamen vier afghanische Soldaten bei den Gefechten ums Leben. Der Provinzgouverneur berichtete, mindestens 13 Aufständische seien getötet und "zahlreiche" weitere verletzt worden.

An der seit mehreren Tagen andauernden Offensive sind rund 300 deutsche Soldaten und 900 afghanischen Sicherheitskräfte beteiligt. Verteidigungsminister Franz Josef Jung hatte den Einsatz am Mittwoch mit der Verschlechterung der Sicherheitslage im Raum Kundus durch Angriffe und Hinterhalte von Aufständischen begründet. Vor allem im Distrikt Char Darah hatte sich die Situation zuletzt massiv zugespitzt. Erst Ende Juni waren dort drei deutsche Soldaten bei einem Gefecht mit Taliban-Kämpfern ums Leben gekommen.

Die Große Koalition verteidigte die Militäroffensive gegen kritische Stimmen verteidigt. Der verteidigungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Bernd Siebert (CDU), sagte am Donnerstag dem Radiosender hr-Info, die Taliban müssten "als Terroristen und als Verbrecher bekämpft werden". Der SPD-Außenexperte Rolf Mützenich erklärte auf WDR 5, die Stabilität in der Region müsse wieder hergestellt werden. Dafür seien im Mandat der Bundeswehr auch militärische Maßnahmen vorgesehen.

Am Vortag war bekannt geworden, dass die Bundeswehr bei ihrer bislang größten Militäroffensive am Hindukusch erstmals auch Panzer und schwere Waffen einsetzt. Der Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei warf der Bundesregierung vor, den Afghanistan-Einsatz weiter zu beschönigen. "Soldaten, mit denen ich kürzlich in Kundus gesprochen habe, reden von Krieg", sagte Nachwei der "Münsterschen Zeitung". Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) betont hingegen weiterhin: "Wir machen einen Stabilisierungseinsatz und keinen Krieg."

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