„Ohrfeige für Euro-Skeptiker“
Griechische Presse feiert FDP-Debakel

Das Wahldebakel der FDP in Berlin mischt nicht nur die Bundespolitik auf. Auch im Ausland blieben Reaktionen nicht aus. Die Presse in Griechenland keilte mit Spott und Häme gegen die liberalen Euro-Skeptiker.
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Athen/Brüssel/BerlinFast die gesamte griechische Presse hat am Montag erfreut auf die schwere Niederlage der FDP und ihres Vorsitzenden Philipp Rösler bei den Wahlen in Berlin reagiert. „Ohrfeige für Euro-Skeptiker-Partner der Bundeskanzlerin“, titelte die den regierenden Sozialisten nahestehende Athener Zeitung „Ta Nea“.

Die Boulevardzeitung „Ethnos“ schließt sich an: „Waterloo für Merkel“, deren „populistischer Koalitionspartner“ eine schwere Niederlage eingesteckt habe.

„Schock für die FDP“, lautete der Tenor in der linksliberalen Athener Zeitung „Eleftherotypia“. Die FDP habe ihre Schwächen nicht hinter ihrer populistischen Politik in Zusammenhang mit Griechenland verbergen können.

In Griechenland wird mit Spannung die Anreise Röslers mit mehreren deutschen Unternehmern erwartet. Rösler will am 6. und 7. Oktober sondieren, welche Möglichkeiten es in Griechenland für deutsche Investitionen gibt.

Die griechische Presse hatte in den vergangenen Tagen immer wieder nachrichtlich Rösler Aussage hervorgehoben, das Thema einer geregelten griechischen Insolenz solle nicht tabu sein. „Das (Wahl-) Ergebnis am Sonntag hat den euroskeptischen Liberalen eine Halskrause verpasst“, hieß es im Nachrichtensender Athens Skai.

Ähnlich FDP-kritisch positionierte sich die Opposition in Deutschland. So sieht auch SPD-Chef Sigmar Gabriel den Absturz der Liberalen in Berlin als Quittung für die europakritischen Töne in der Schlussphase des liberalen Wahlkampfs. Das Ergebnis von nur 1,8 Prozent bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus zeige, „dass sich die Wähler nicht für dumm verkaufen lassen“, sagte Gabriel am Montag in Berlin. Es mache deutlich, „dass man mit platter Anti-Europa-Politik keine Wahlen gewinnen kann“. Die Partei von Philipp Rösler sei „ungefähr auf dem Niveau der Tierschutzpartei angekommen“, fügte der SPD-Chef hinzu. Das Ergebnis zeige, dass eine Partei mit einem Wahlkampf, „der Ängste instrumentalisiert“, in Deutschland nicht in Parlamente und Regierungen kommen könne.

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Bundesbank fordert mehr Druck auf Athen

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  • Schadenfreude ist die schönste Freude. Nur Pech dass die pleiten Griechen davon nicht satt werden.

  • @mondahu - 14:50
    "Nun klopft eines schönen Tages Ihr (griechischer) Neffe an die Tür, seine Firma sei in einer Zwangslage, er brauche einen Kredit, den ihm die Bank nicht mehr gewähren will. Was werden Sie tun?"

    Nun ich wüsste außerdem aus der Vergangenheit, dass mein griechischer Neffe mich schon einmal mit Hilfe einer amerikanischen Bank betrogen hatte.
    Was würde in diesem Fall wohl jeder normal denkende und fühlende Mensch tun ?

    Weil ich ein unverbesserlicher Masochist und Idiot bin würde ich meinen betrügerischen und bankrotten Neffen gegen jeglichen Sachverstand solange finanzieren bis ich selbst Pleite wäre.

    So hart wird uns das von "unserer" Politik zwar nicht erklärt, aber es läuft auf das selbe hinaus !

  • Das ist doch Wunschdenken der Griechen und der Politiker hier im Lande !

    FDP Geflüster am Wahlabend:
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-fdp-am-boden/4622064.html
    "Einer meint, der Gegenwind aus der Bundespartei sei zu stark gewesen, ein anderer glaubt, man habe „Europa zu spät gespielt“."

    "Bundeskanzlerin Merkel fühlt sich ebenfalls in der Euro- und Griechenlandpolitik bestätigt."

    "Parteichef Sigmar Gabriel sagte, das schlechte Ergebnis der FDP zeige, dass die Wähler "solche Euro-populistischen Wendemanöver" nicht mitmachten."

    Nein, Frau Bundeskanzlerin und Herr Gabriel, vom Wähler wurde erkannt, dass die FDP nur mit dem Wähler spielen wollte. Dieses "Euro-populistische Wendemanöver" der FDP kam ohne Substanz, innerer Überzeugung und Glaubwürdigkeit daher. Immer nur alles smart und clever abhandeln zu wollen reicht eben nicht auf Dauer.
    Sie sind doch sonst auch Umfrage gläubig, negieren aber das ca. 80 % der Bürger gegen Ihr Euro-Kasperletheater ist.
    Im Übrigen haben Sie mitsamt der übrigen Bundesregierung und den Grünen das tatsächliche Euro-populistische Wendemanöver vollzogen. Wer bricht und brach denn die europäischen Verträge, gegen die eindeutige Mehrheit im Volk ?!

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