Opposition spricht von 745 Todesopfern
Tausende Usbeken flüchten vor Regierungstruppen

Die Lage in Usbekistan bleibt angespannt. Nach der blutigen Niederschlagung des Aufstands im Osten des Landes versuchen tausende Menschen über die Grenze ins benachbarte Kirgisien zu flüchten. Deutschland, die USA und andere westliche Staaten fordern eine unverzügliche Aufklärung des Massakers.

HB TASCHKENT. „Die Umstände der Gewaltanwendung müssen umgehend und in aller Offenheit untersucht werden“, erklärte Bundesaußenminister Joschka Fischer. Auch er britische Außenminister Jack Straw betonte, die Gewalt von Regierungsseite sei „nicht zu rechtfertigen“.

Bei der Niederschlagung eines Aufstandes in der ostusbekischen Stadt Andischan wurden am Freitag bis zu 500 Menschen getötet. Am Dienstag wurden weitere Schießereien aus dem Grenzgebiet zu Kirgisien gemeldet, wo sich tausende Flüchtlinge aufhielten. „Sie werden uns in der Heimat töten“, riefen aufgebrachte Usbeken, die um Asyl im Nachbarland baten.

Am Montag sollen in der Ortschaft Pachtaabad 13 Menschen erschossen worden sein. Ein Behördensprecher im Konfliktgebiet Fergana dementierte dies. Die usbekische Opposition sprach von „mindestens 745 Todesopfern“ bei den Militäreinsätzen in den vergangenen Tagen.

UN-Generalsekretär Kofi Annan appellierte an alle Beteiligten, Zurückhaltung zu üben. Er forderte die Konfliktparteien auf, auf den Einsatz von Gewalt zu verzichten und mit einem zur Unterstützung der Flüchtlinge an die usbekisch-kirgisische Grenze entsandten UN-Notfallteam zusammenzuarbeiten, erklärte ein Sprecher Annans in New York.

Auch die US-Regierung zeigte sich „tief beunruhigt“ über das gewaltsame Vorgehen usbekischer Regierungstruppen gegen die unbewaffneten Demonstranten. Die USA und auch Deutschland haben in Usbekistan Soldaten stationiert, die die Truppen im benachbarten Afghanistan versorgen.

Begonnen hatte die Gewalt in Andischan, nachdem bewaffnete Stadtbewohner in der Nacht zum Freitag Gefängnisse stürmten und tausende Gefangene befreiten. Am darauf folgenden Abend war usbekisches Militär gegen das von den Aufständischen besetzte Gebäude der Gebietsverwaltung vorgegangen. Dabei schossen die Soldaten nach Berichten von Beobachtern in die Menge der vor dem Gebäude demonstrierenden Menschen. Menschenrechtsorganisationen sprachen in Andischan von bis zu 500 Toten. Es waren die schwersten Konflikte in Usbekistan seit der Unabhängigkeit der früheren Sowjetrepublik im Jahre 1991.

Der usbekische Präsident Islam Karimow machte extremistische Gruppierungen für das Blutbad verantwortlich. Beobachter hingegen sehen den Auslöser der Proteste in den miserablen Lebensbedingungen der Bevölkerung. Das betroffene Fergana-Tal ist das am dichtesten besiedelte Gebiet Zentralasiens. Die Region gilt seit langem als Pulverfass. Islamische Organisationen verzeichnen unter der Bevölkerung großen Zulauf.

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