Oppositionsführerin Gandhi liegt in Umfragen klar zurück
Premier Vajpayee geht als Favorit ins Rennen

Eigentlich dürfte für Indiens Regierung bei den am Dienstag anlaufenden Parlamentswahlen nichts schief gehen. Das Land erlebt einen kräftigen Wirtschaftsaufschwung, der weit über die boomende IT-Branche hinausgeht. Die Währungsreserven stehen mit 116 Mrd. $ auf einem Rekordhoch, und nach einem Jahrzehnt stetigen Sinkflugs hat die Rupie in den vergangenen zwölf Monaten um sechs Prozent aufgewertet. Überdies nähren Verhandlungen mit Pakistan Hoffnungen auf dauerhaften Frieden mit dem Erzfeind.

HB NEU-DELHI. Obwohl die Opposition in den vergangenen Tagen leicht aufgeholt hat, sagen Meinungsumfragen einen Sieg der Bharatiya Janata Party (BJP) voraus. Die Hindu-Nationalisten regieren das Land seit fünf Jahren in einer Koalition mit zwei Dutzend Parteien. „Diese Wahl ist für Indiens künftige Entwicklung sehr wichtig“, glaubt Sanjeev Sanyal. Für den Deutsche-Bank-Analysten steht das Land vor einem Wirtschaftsboom, der mit dem Chinas vergleichbar ist. „Ein klares politisches Mandat für weitere Reformen ist dafür aber unerlässlich“, mahnt der Volkswirt. Wie viele Analysten hofft er auf einen überzeugenden Sieg der BJP, von der die Märkte ein aggressiveres Reformprogramm erwarten.

„Indien leuchtet“, bläut die BJP dem Wahlvolk seit Monaten ein. Die Debatte darüber, ob das Land bereits auf dem Weg zu einer neuen Wirtschaftsmacht ist, bestimmt den Wahlkampf. Die Opposition behauptet, Arme und Bauern spürten keinen Aufschwung, und verspricht, das Wachstum gerechter zu gestalten. Doch gegen Atal Bihari Vajpayee hat die Kongress-Partei, die das Land unter dem Nehru- Gandhi-Clan vier Jahrzehnte regierte, einen schweren Stand.

Der Premierminister ist das größte Zugpferd der BJP. Der 79-Jährige ist ledig, Dichter und mit Abstand Indiens beliebtester Politiker. Er gibt sich als Friedensengel und hat „die Ära der Kriege“ mit Pakistan für beendet erklärt. Angesichts seines Alters spekulieren indes viele darüber, ob Vajpayee eine volle Amtszeit beenden würde und wohin die BJP unter einem Nachfolger driften wird. Innenpolitisch hat der Premier die Partei in die Mitte gesteuert, weg vom Kulturkampf und den Hasstiraden gegen Indiens 120 Millionen Moslems, für die sie lange berüchtigt war. Außerdem hat die BJP ihr Wirtschaftsprogramm modernisiert. Im vergangenen Jahr setzte sie wichtige Reformen durch. Für die Zukunft verspricht sie beschleunigte Liberalisierung und Privatisierung, Zollsenkungen, massive Infrastrukturausgaben und eine neue „grüne Revolution“ in der Landwirtschaft.

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