Panama Papers
Datenleck legt geheime Finanzgeschäfte offen

Ein Journalisten-Netzwerk hat unzählige Dokumente einer Briefkastenfirma aus Panama ausgewertet – und geheime Finanzverbindungen aufgedeckt: von Vertrauten des Staatschefs Wladimir Putin und Sport-Stars wie Lionel Messi.

DüsseldorfDie Anwaltskanzlei Mossack Fonseca in Panama ist einer der größten Anbieter von Briefkastenfirmen auf der Welt: Die Kunden schätzen also die Anonymität. Damit ist es aber nun vorbei, denn jemand hat die Daten des Unternehmens Journalisten zugeschoben. 11,5 Millionen Dateien wurden der „Süddeutschen Zeitung“ zugespielt, die sie zusammen mit dem WDR und dem NDR sowie in Kooperation mit dem Internationalen Konsortium Investigativer Journalisten (ICIJ) auswerteten. Der Fund: zig geheime Finanzgeschäfte von über 140 Politikern und hohen Amtsträgern aus aller Welt.

Das Leck umfasst nach Informationen der ARD E-Mails, Urkunden, Kontoauszüge, Passkopien und weitere Dokumente zu rund 214.000 Gesellschaften, vor allem in Panama und auf den Britischen Jungferninseln. Insgesamt fänden sich in den Unterlagen die Namen von zwölf amtierenden und ehemaligen Staats- und Regierungschefs, zum Beispiel die Premierminister von Island und Pakistan und die Präsidenten von Argentinien und der Ukraine. In den Unterlagen tauchten aber auch Namen von Spionen, Drogenhändlern und anderen Kriminellen auf. Zudem hätten zahlreiche Sportstars und Prominente Offshore-Firmen genutzt.

Der Enthüller des NSA-Skandals, Edward Snowden, sprach auf Twitter vom „größten Leck in der Geschichte des Daten-Journalismus“.

Namen mehrerer enger Vertrauter von Russlands Präsident Wladimir Putin finden sich nach ARD-Informationen in den Unterlagen wieder. Einer ist Sergej Roldugin, der als bester Freund des Präsidenten gilt und Taufpate seiner Tochter ist. Roldugin, in Russland ein bekannter Cellist, war an einem Netz von Briefkastenfirmen beteiligt, in dem innerhalb weniger Jahre mehr als zwei Milliarden US-Dollar verschoben wurden. Auch international sanktionierte Geschäftsleute wie der Cousin von Präsident Baschar al-Assad oder Monarchen, wie der König von Saudi-Arabien haben den Unterlagen zufolge Offshore-Firmen genutzt.

Auch der argentinische Fußballspieler Lionel Messi, der sich wegen Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten muss, taucht in den Unterlagen auf: und zwar als Begünstigter einer bis dato unbekannten Offshore-Firma.

„Generell gilt: Der Besitz einer solchen Offshore-Firma ist für sich nicht illegal“, schreibt die „Süddeutsche“. „Aber wer sich in den Panamapapers umsieht, stellt sehr schnell fest, dass es in der überwältigen Zahl der Fälle vor allem um eines geht: zu verschleiern, wem die Firma in Wahrheit gehört.“ Die Daten belegten, wie die globale Offshore-Industrie im Verbund mit großen Banken, Anwaltskanzleien und Vermögensverwaltern, in aller Verschwiegenheit die Besitztümer von Politikern, Funktionären, Drogenschmugglern, aber auch von Milliardären, Prominenten oder Sport-Stars verwalte.

Igor Angelini, Chef der Finanzermittlungseinheit von Europol, erklärt dem Bericht zufolge, dass Briefkastenfirmen auch eine „wichtige Rolle bei Geldwäsche-Aktivitäten im großen Maßstab“ spielen. Gleiches gelte für Korruption: Offshore-Firmen würden besonders genutzt, „um die Bestechungsgelder weiterzuleiten“.


Seite 1:

Datenleck legt geheime Finanzgeschäfte offen

Seite 2:

2,6 Terabyte an Daten

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%