Papst Franziskus mahnt
„Mittelmeer darf nicht zum Friedhof werden“

Bei seinem Besuch des Europa-Parlaments in Straßburg forderte Papst Franziskus mehr Zusammenarbeit bei der Flüchtlingspolitik in Europa. Die Menschen bräuchten Hilfe, so der Papst.
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StraßburgPapst Franziskus hat bei einem Besuch des Europaparlaments in Straßburg dringend eine gemeinsame Politik Europas für die Rettung von Flüchtlingen angemahnt. „Man kann nicht hinnehmen, dass das Mittelmeer zu einem großen Friedhof wird“, sagte Franziskus am Dienstag vor den Parlamentariern.

„Auf den Kähnen, die täglich an den europäischen Küsten landen, sind Männer und Frauen, die Hilfe brauchen.“ In der Europäischen Union fehle es aber an gegenseitiger Unterstützung. Franziskus hatte seine erste Reise zur Flüchtlingsinsel Lampedusa gemacht.

Die EU-Staaten müssten sich angesichts dieser Situation gegenseitig unterstützen anstatt Lösungen anzuregen, welche die Menschenwürde der Einwanderer verletzten und Sklavenarbeit sowie soziale Spannungen förderten.

Die EU könne die mit der Einwanderung verbundenen Probleme nur mit Gesetzen bewältigen, welche die Rechte der europäischen Bürger schützen und zugleich eine Aufnahme der Migranten garantieren, betonte Franziskus. Dazu seien "korrekte, mutige und konkrete politische Maßnahmen" notwendig, sagte Franziskus vor den Abgeordneten, die ihm zum Abschluss seiner Rede minutenlang Applaus spendeten.

Zudem rief der Papst generell zur Achtung der Menschenwürde und zur Solidarität mit den Armen. Viele Menschen seien heute in Europa einsam, etwa Alte, Arme, Jugendliche ohne Zukunftschancen oder auch Einwanderer, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Dienstag im voll besetzten Plenarsaal des Europaparlaments. Diese Einsamkeit sei durch die Wirtschaftskrise noch verschärft worden.

Der Mensch müsse wieder in den Mittelpunkt der politischen Debatte gestellt werden, bei der heute technische und wirtschaftliche Fragen vorherrschten, mahnte der 77-Jährige. Ansonsten sei er in Gefahr, zu einem "bloßen Räderwerk in einem Mechanismus herabgewürdigt zu werden". Dadurch werde er wie ein Konsumgut behandelt, das "ohne viel Bedenken" ausgesondert werde, wenn es diesem Mechanismus nicht mehr zweckdienlich sei.

Dies sei heute oft zu beobachten, etwa im Falle von Kranken im Endstadium, von verlassenen Alten oder von Kindern, die abgetrieben würden, betonte Franziskus in Anspielung auf Sterbehilfe. Diese Tendenz sei das Ergebnis der "Wegwerf-Kultur und des hemmungslosen Konsumismus", kritisierte der aus Argentinien stammende Papst.

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  • Wieso dürfen nicht seetüchtige Schiffe überhaupt einen Hafen verlassen?? Warum nimmt man die Verantwortlichen nicht in Regress ( erst Strafe und dann Freiheit, auch Reeder usw.)?

  • Dann soll der Paps erst einmal den Vatikan frei machen und viele Flüchtlinge aufnehmen.

  • Jesus wäre mit Sicherheit mit gutem Beispiel vorangegangen.
    Jesus hatte aber auch keine Immobilien und viele Kirchenpensionäre zu versorgen wie der Vatikan.

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